Ausschreitungen am Militärkontrollpunkt Kalandia zwischen Jerusalem und Ramallah | Bildquelle: AFP

Konflikt um Tempelberg Tote und Verletzte nach Freitagsgebet

Stand: 21.07.2017 20:38 Uhr

Aus Protest gegen die verschärften Sicherheitsvorkehrungen am Tempelberg in Jerusalem haben heute Tausende Muslime auf der Straße gebetet. Danach kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften - drei Menschen wurden getötet.

Im Streit um den Zugang zum Tempelberg in Jerusalem ist es zu heftigen Unruhen gekommen. Nach dem Freitagsgebet wurden nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden drei Palästinenser bei Konfrontationen in Ost-Jerusalem getötet und rund 400 weitere in Jerusalem und im Westjordanland verletzt. Mehrere Verletzte schwebten in Lebensgefahr, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Als Auslöser der Unruhen gilt ein Streit um Metalldetektoren, die Israel nach einem tödlichen Anschlag am Tempelberg an Eingängen zu der heiligen Stätte in Jerusalems Altstadt aufgestellt hatte. Zudem war muslimischen Männern unter 50 Jahren der Zugang zur Altstadt und zum Tempelberg für das Freitagsgebet untersagt worden. Bewohner durften die Altstadt nur betreten, wenn sie ihre Papiere vorzeigten. Aus Protest gegen die verschärften Sicherheitskontrollen beteten heute Tausende Muslime auf der Straße. Danach kam es zu Gewaltausbrüchen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften.

Ausschreitungen am Tempelberg
tagesschau 20:00, 21.07.2017, Susanne Glass, ARD Tel Aviv

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Palästinenser beten am Rande der Altstadt von Jerusalem. Der Zugang zum Tempelberg ist ihnen versperrt. | Bildquelle: dpa
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Palästinenser beten am Rande der Altstadt von Jerusalem. Der Zugang zum Tempelberg ist ihnen versperrt.

Tödliche Angriffe auf israelische Polizisten

Grund für die verschärften Sicherheitsvorkehrungen war der tödliche Angriff dreier arabischer Israelis auf zwei israelische Polizisten in der vergangenen Woche in der Altstadt von Jerusalem. Sicherheitskräfte töteten die Angreifer nach der Tat.

Der Tempelberg (Arabisch: Al-Haram Al-Scharif) ist das drittwichtigste Heiligtum des Islams nach Mekka und Medina. Auf ihm befindet sich auch die jüdische Klagemauer, einziger Überrest des von den Römern im Jahr 70 zerstörten, sogenannten zweiten Jüdischen Tempels.

Der Tempelberg in Jerusalem

Der Tempelberg liegt am Rand der Altstadt von Jerusalem und gilt Juden und Muslimen, aber auch Christen als bedeutendes Heiligtum. An der Stelle, an der heute der Felsendom steht, soll Abraham, beziehungsweise Ibrahim - Stammvater der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen - von Gott den Auftrag bekommen haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Dadurch wollte Abraham seine Gottesfurcht beweisen. Gott verhinderte dies der Überlieferung zufolge jedoch in letzter Minute und gab sich mit einem Lammopfer zufrieden.

Darüber hinaus ritt nach islamischer Überlieferung der Prophet Mohammed von dieser Stelle aus mit seinem Pferd in den Himmel. Im Jahr 687 (christlicher Zeitrechnung) wurde dort mit dem Bau des Felsendoms begonnen. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee und der Kaaba in Mekka zählt er zu den drei wichtigsten Heiligtümern des Islam.

Auch für Juden ist der Ort das wichtigste Heiligtum, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der erste Tempel von König Salomon soll im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden sein. Der zweite wurde in der Zeit von König Herodes erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels.

Streit um Tempelberg - Krawalle mit Verletzten und Toten
E. Lell, ARD Tel Aviv
21.07.2017 16:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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