Besatzungsmitglieder eines Containerschiffes  | Bildquelle: dpa

Wegen Corona-Beschränkungen Hunderttausende Seeleute sitzen fest

Stand: 06.10.2020 14:38 Uhr

Wegen der Corona-Reisebeschränkungen dürfen rund 400.000 Seeleute nicht an Land. Das sei unmenschlich, finden UN-Organisationen und fordern Lösungen. Viele Besatzungsmitglieder seien seit fast eineinhalb Jahren auf See.

Hunderttausende Seeleute sitzen entweder auf Schiffen fest oder können aufgrund der Corona-Krise nicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Darauf weist das UN-Menschenrechtsbüro, UN Global Compact und die UN-Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Menschenrechte hin. UN Global Compact ist eine Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung.

Demnach dürfen derzeit etwa 400.000 Menschen ihre Schiffe nicht verlassen. Eine ähnliche Anzahl wird aufgrund der Corona-Beschränkungen daran gehindert, zu ihren Schiffen zurückzukehren. In einigen Fällen sind Menschen seit 17 Monaten oder länger auf demselben Schiff gefangen. Die UN-Organisationen verurteilten das als unmenschlich. Internationale Arbeitsstandards erlauben einen ununterbrochenen Aufenthalt an Bord von höchstens elf Monaten.

Auch Unternehmen sollen Verantwortung übernehmen

Nicht nur die Regierungen und der Schifffahrtssektor seien in der Verantwortung, die Menschenrechte der Seeleute zu respektieren und ihre unerträgliche Situation zu beenden, so die UN-Organisationen. Auch Tausende Unternehmen, die die Dienste der Schifffahrt in Anspruch nehmen, seien in der Verantwortung. Fast 90 Prozent des Welthandels entfallen auf den maritimen Güterverkehr.

Die Vereinten Nationen fordern Firmen und Finanzinstitute auf, die Auswirkungen der Pandemie auf die Menschenrechte von Seeleuten zu ermitteln und ihren Einfluss zu nutzen, um diese Folgen zu mildern. Sie sollen die Regierungen dazu drängen, von UN-Organisationen entwickelte Maßnahmen umzusetzen, um einen sicheren Crew-Wechsel zu ermöglichen. Außerdem fordern sie die Unternehmen auf, sich mit Branchenverbänden und Gewerkschaften zusammenzutun, um Druck auszuüben.

Menschenrechte grundlegend eingeschränkt

Den Angaben nach sind vor allem Arbeiter auf Container- und anderen Handelsschiffen betroffen, die wesentlich für die globale Lieferkette sind. Ähnliches gelte für Beschäftigte in der Fischereiindustrie sowie auf Offshore-Öl- und Gasplattformen.

Durch die Situation seien sie in ihren grundlegenden Menschenrechten eingeschränkt, etwa im Recht auf körperliche und geistige Gesundheit, auf Freizügigkeit sowie auf Familienleben. Die Corona-Maßnahmen der Regierungen erschwerten es den Schiffsbetreibern, routinemäßige und notwendige Besatzungswechsel durchzuführen oder Landurlaub zu gewähren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Oktober 2020 um 14:15 Uhr.

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