Eine Frau trägt einen nachgefüllten Gasbehälter in Tongas Hauptstadt Nuku'alofa. | AFP

Nach schwerem Vulkanausbruch Erstmals größerer Corona-Ausbruch in Tonga

Stand: 02.02.2022 10:55 Uhr

Zweieinhalb Wochen nach dem schweren Vulkanausbruch bei Tonga hat der Inselstaat erstmals mehrere Corona-Infektionen gemeldet. Die Regierung bestätigte fünf Fälle und verhängte einen Lockdown.

Der nach einem Vulkanausbruch schwer verwüstete Inselstaat Tonga hat wegen eines Corona-Ausbruchs seine Grenzen geschlossen. Zudem ordnete die Regierung einen Lockdown an. Wie die Behörden mitteilten, wurden fünf Menschen in der Hauptstadt Nuku'alofa positiv auf das Coronavirus getestet und befinden sich nun in Isolation.

Das Virus wurde nach Angaben von Regierungschef Siaosi Sovaleni zuerst bei zwei Männern nachgewiesen, die im Hafen der Stadt arbeiten. Dort waren nach dem verheerenden Vulkanausbruch im Januar Hilfslieferungen aus der ganzen Welt eingetroffen. Später bestätigten die Behörden noch drei weitere Infektionen bei Familienangehörigen der Männer, darunter zwei Kinder. Wo sich die Werftarbeiter infiziert haben, war zunächst unklar.

Marineschiff legte trotz Corona-Fällen an

Nach dem Vulkanausbruch war die Sorge groß, dass ausländische Helfer das Virus einschleppen könnten. Um die Bevölkerung nicht zu gefährden, erfolgte die Lieferung der Hilfsgüter aus Neuseeland und Australien kontaktlos - es gab somit keinen direkten Kontakt zwischen den Hilfscrews und den Menschen in Tonga. Die Waren wurden zudem drei Tage lang isoliert, bevor sie in Tonga in Empfang genommen wurden.

Allerdings hatte in der vergangenen Woche das australische Marineschiff "HMAS Adelaide" trotz Dutzender Corona-Fälle an Bord in Nuku'alofa angelegt. Der Einsatzleiter der australischen Streitkräfte, Greg Bilton, erklärte, die Infektionsfälle in Nuku'alofa seien nicht auf das Schiff zurückzuführen. Es habe in einem anderen Hafenbereich angelegt und die Hilfsgüter kontaktlos entladen, sagte Bilton im Sender Sky News Australia. "Ich glaube also nicht, dass es eine Verbindung gibt, dafür gibt es keine Beweise."

Der angeordnete Lockdown trat nach Angaben der Regierung um 18 Uhr Ortszeit (6 Uhr MEZ) in Kraft. Schulen wurden geschlossen, die Menschen wurden aufgefordert, weitgehend in ihren Häusern zu bleiben. Die Regierung will die Lage alle 48 Stunden neu bewerten. Auch der Schiffs- und Bootsverkehr sowie der Flugverkehr zwischen den verschiedenen Inseln des Archipels wurden eingestellt.

Drei Tote und Verwüstungen durch Vulkanausbruch

Der Pazifikstaat war bisher einer der wenigen Orte auf der Welt, in denen sich das Virus noch nicht ausgebreitet hatte. Der Inselstaat mit 100.000 Einwohnern hatte im März 2020 seine Grenzen geschlossen und sich seither von der Außenwelt weitgehend abgeschottet. Bislang wurde seit Beginn der Pandemie nur eine einzige Corona-Infektion bestätigt, nachdem im vergangenen Jahr ein Flugzeug aus Neuseeland gelandet war.

Am 15. Januar war der Unterseevulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai ausgebrochen, der nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku'alofa liegt. Er hatte eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert. Die Eruption löste einen Tsunami aus, dessen Flutwellen sogar weit entfernte Regionen wie Alaska und Südamerika erreichten. Die Welle richtete große Verwüstung im gesamten Archipel an und zerstörte ganze Dörfer. Bei dem Ausbruch starben drei Menschen, mehrere wurden verletzt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Februar 2022 um 10:00 Uhr.