Ian Brackenbury Channell | imago/Danita Delimont

Staatsmagier entlassen Ausgezaubert in Christchurch

Stand: 25.10.2021 11:41 Uhr

23 Jahre lang zauberte Ian Brackenbury Channell im neuseeländischen Christchurch. Er war Staatsmagier - der weltweit einzige. Nun hat er seinen Job verloren, weil er sich unpassend über Frauen geäußert hatte.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Catweazles Bruder oder Dumbledores Cousin, Gandalfs bester Freund? Mit aufgerissenen blauen Augen und hohem spitzen Hut, mit wildem Bart und einem knotigen Wurzelstock, so steht der Zauberer von Christchurch auf dem Platz mitten in der Stadt, verwickelt Fremde in Diskussionen über Kosmologie und Ästhetik, lädt sie ein in sein existenzielles Universum - aber Moment: Der Zauberer von Christchurch?

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Die Stelle des Zauberers ist einzigartig, es gibt keine andere Stadt auf der Welt, die einen offiziellen Zauberer hat - und ich vermittle auch Kosmologie, Philosophie und Ästhetik", sagt Ian Brackenbury Channell, Anhänger der Fun Revolution, der Spaß-Revolution, und seit 23 Jahren offizieller Zauberer von Christchurch.

Image der Stadt mit Zauberer aufpolieren

Er dient der Seele der Stadt, sagt der 88-Jährige, und richtet sich an alle, die noch Neugier haben, nachdem sie von "Massenerziehung und Massenmedien niedergewalzt" wurden, so seine Worte. Entstanden ist die Idee eines städtischen Zauberers, nachdem eine Galerie in Christchurch ihn als lebendes Kunstwerk angeheuert hatte. Der örtliche Stadtrat wollte das Image des Orts auf der Südinsel Neuseelands etwas magischer machen, also heuerten sie ihn an.

Ian Brackenbury Channell | picture alliance / AP Photo

Verabreden konnte man sich in Christchurch nicht mit ihm - er tauchte auf, wann er wollte: Zauberer Ian Brackenbury Channell. Bild: picture alliance / AP Photo

Eher klägliches Gehalt?

"Das Arrangement belief sich auf 16.000 Neuseeland-Dollar jährlich, also eher kläglich, ein Verzehrgeld", meint der Magier jetzt wenig bezaubert, knapp 10.000 Euro im Jahr. Dafür hat er in Trockenzeiten zum Beispiel Regentänze vollführt. Oder Krieg geführt mit der neuseeländischen Telekom: Als diese die Farbe ihrer Telefonzellen änderte, machte der Zauberer die neuen blauen Zellen immer wieder rot. Von Hand allerdings, nachts angestrichen.

Er tauchte zufällig auf

Verabreden kann man sich nicht mit ihm, der Zufall - oder Zauber - lässt einen auf ihn treffen, er taucht auf, wann er will. Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, wenn er von seinen "Abenteuern im Ideologieland" berichtet, so der Titel eines seiner Bücher. Er sieht sich als Therapeut der Gemeinschaft, der sich über Gegner lustig macht durch Witz und Geschick.

Unpassende Äußerung in Talkshow

Doch was er jüngst in einer Talkshow gesagt haben soll, war wenig witzig und auch nicht zauberhaft. Er liebe Frauen und vergebe ihnen auch immer, er habe noch nie eine Frau geschlagen - sie bekämen so leicht blaue Flecken und redeten darüber mit ihren Nachbarn und Freunden, und dann hätte man nichts als Ärger. Fauler Zauber und selbst als Witz absolut nicht angebracht. Der Stadtrat beendete das finanzielle Arrangement mit dem Zauberer - die Werbung der Stadt wolle in Zukunft eher das moderne, diverse Image reflektieren, so die offizielle Begründung.

Ian Brackenbury Channell | picture alliance / imageBROKER

Seit 23 Jahren war er Staatsmagier: Sein Markenzeichen ist ein spitzer Hut und ein wilder Bart. Bild: picture alliance / imageBROKER

Der Magier will weitermachen

Sie denken, sie brauchen keinen Zauberer mehr, der die Stadt bewirbt - das müssen sie selbst wissen, aber wir werden es den Menschen auch so sagen. Denn wir hatten immer Freude daran, die Touristen zu unterhalten und etwas Spaß in die Stadt zu bringen.

Magie endet nie, der Zauberer will weitermachen, sagt er. Sie müssten ihn schon umbringen, um ihn davon abzuhalten. Die Zeitung "The Guardian" fragte ihn: Wird er den Stadtrat, der ihn entlassen hat, verfluchen?

"Nein, ich bevorzuge es, Kindern glückliche Träume zu schenken, allen eine gute Gesundheit - und ich will Bürokraten menschlicher machen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Oktober 2021 um 05:54 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".