Eine Frau bei der Stimmabgabe zum Unabhängigkeitsreferendums in Noumea, Neukaledonien.  | AP

Referendum über Unabhängigkeit Neukaledonien bleibt französisch

Stand: 12.12.2021 14:27 Uhr

Im dritten und vorerst letzten Referendum hat sich Neukaledonien für den Verbleib bei Frankreich ausgesprochen. Die 96,5 Prozent Zustimmung haben allerdings einen großen Makel - Unabhängigkeitsbefürworter hatten zum Boykott aufgerufen.

In einem Referendum haben sich die Bewohner des französischen Überseegebiets Neukaledonien für den Verbleib bei Frankreich entschieden. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 96,5 Prozent stimmten die Bürger der Inselgruppe im Südpazifik dafür. 3,5 Prozent stimmten für eine Abspaltung. Wahlberechtigt waren ungefähr 185.000 Menschen.

Allerdings war die Wahlbeteiligung niedrig - nach offiziellen Angaben lag sie bei 43,9 Prozent. Die indigenen Bewohner der Insel, die sich selbst Kanak nennen und ihre Insel La Kanaky, wollen mehrheitlich die Unabhängigkeit von Frankreich. Sie hatten zum Boykott des Referendum aufgerufen.

Angesichts der Corona-Pandemie sei kein "fairer Wahlkampf" möglich gewesen, argumentierten sie. Dass das Referendum dennoch abgehalten wurde, hatte die größte Unabhängigkeitsbewegung FLNKS als "Kriegserklärung" bezeichnet. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass vor allem in Gebieten, in denen besonders viele Indigene leben, die Wahlbeteiligung niedrig war.

Menschen bei der Stimmabgabe des Unabhängigkeitsreferendums in Noumea, Neukaledonien.  | AFP

In vielen Wahllokalen herrschte kein großer Andrang - deutlich weniger Menschen als bei den beiden ersten Referenden stimmten ab. Bild: AFP

Der französische Präsident Emmanuel Macron zeigte sich erfreut über den Ausgang des Referendums. "Frankreich ist schöner, weil Neukaledonien entschieden hat, bei uns zu bleiben", sagte er. Es gehe jetzt um "ein gemeinsames Projekt, in dem die Würde von jedem anerkannt und respektiert" werde. Den Boykottaufruf erwähnte er nicht direkt, räumte aber eine "tiefe Spaltung" der Wähler ein.

Wie wichtig ist Geld aus Paris?

Die meist wohlhabendere weiße Bevölkerung spricht sich traditionell mehrheitlich für den Verbleib bei Frankreich aus. Die Loyalisten - weiße Einwanderer oder Nachfahren der Kolonisatoren, Caldoches genannt - argumentieren, dass Neukaledonien ohne finanzielle Hilfe aus Paris zusammenbrechen würde. Die Zuwendungen aus Frankreich machen circa 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.

Bis zu drei Referenden möglich

Nun gibt es Sorgen vor ethnischen Spannungen wie in den 1980er-Jahren zwischen den Indigenen und den Caldoches. Damals wurden mehr als 70 Menschen getötet. Als Reaktion wurde das Nouméa-Abkommen geschlossen, das eine Dezentralisierung der Macht sowie bis zu drei Unabhängigkeitsreferenden bis 2022 vorsieht.

Bereits vor der Abstimmung hatte die Unabhängigkeitsbewegung angedroht, das Ergebnis der Abstimmung nicht anzuerkennen und bei den Vereinten Nationen eine Annullierung erreichen zu wollen.

2018 und 2020 hatten sich die Neukaledonier in zwei Referenden bereits gegen eine Abspaltung ausgesprochen. 2018 stimmten mehr als 56 Prozent der Wähler gegen eine Abspaltung, bei dem zweiten Referendum votierten im Oktober 2020 rund 53 Prozent gegen die Eigenständigkeit. Die Beteiligung hatte damals jeweils mehr als 80 Prozent betragen.

Seit 1853 ein Teil Frankreichs

Nouvelle-Calédonie - wörtlich übersetzt: Neuschottland - wurde 1853 von Paris in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Die Inselgruppe 2000 Kilometer östlich von Australien besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. Auf Neukaledonien gibt es einen Stützpunkt der Streitkräfte.

Zudem hat das Archipel extrem reiche Vorkommen von Nickel, jenem Metall, das unabdingbar für die Herstellung etwa von Mobiltelefonen und Flachbildschirmen ist.

Mit Informationen von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2021 um 16:00 Uhr.