Kühe eines Milchviehbetriebs in der Nähe von Cambridge in der neuseeländischen Region Waikato. | AFP

Treibhausgase von Nutzvieh Neuseeland will Kuhrülpser besteuern

Stand: 11.10.2022 13:28 Uhr

Ab 2025 soll in Neuseeland eine Steuer auf klimaschädliche Flatulenzen und Rülpser von Kühen erhoben werden. Emissionen von Nutzvieh zählen zu den größten Umweltproblemen des Landes. Kritik kommt aus der Agrarbranche.

Die neuseeländische Regierung will die Treibhausgasemissionen von Nutzvieh besteuern. Ab 2025 solle eine Steuer auf Flatulenzen und Rülpser von Kühen erhoben werden, kündigte Premierministerin Jacinda Ardern an. Alle Einnahmen sollten den Bauern durch Forschung, Finanzierung neuer Technologien und Steueranreize wieder zugute kommen. Emissionen durch die Nutztiere zählen zu den größten Umweltproblemen des Landes.

Mit dem Vorschlag in seiner jetzigen Form werde die neuseeländische Agrarbranche als erste in der Welt ihre landwirtschaftlichen Emissionen senken, so Ardern, und gewinne auf einem zunehmend klimabewussten Markt Wettbewerbsvorteile.

"Kein anderes Land der Welt hat bisher ein System zur Bepreisung und Reduzierung von landwirtschaftlichen Emissionen entwickelt, also werden unsere Landwirte davon profitieren, Vorreiter zu sein", sagte die Premierministerin. "Die Senkung der Emissionen wird den neuseeländischen Landwirten helfen, nicht nur die besten der Welt zu sein, sondern auch die besten für die Welt."

Landwirtschaft ist wichtiger Wirtschaftszweig in Neuseeland

Die Höhe der geplanten Steuer stand noch nicht fest. Arderns Vorhaben greift Pläne einer früheren Regierung von 2003 auf, die das von Nutztieren bei der Verdauung ausgestoßene Methangas besteuern wollte, das wesentlich klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Die damals gescheiterten Pläne wurden als "Furzsteuer" verhöhnt, was allerdings irreführend ist, denn das meiste Methan stoßen Kühe beim Rülpsen aus.

Auch diesmal kommt Kritik aus der Agrarbranche. Laut des Verbands Beef + Lamb New Zealand, der die Schaf- und Rinderzüchter des Landes vertritt, berücksichtige der Plan nicht die bereits bestehenden Maßnahmen zur Bekämpfung von Treibhausgasen. "Neuseeländische Landwirte haben mehr als 1,4 Millionen Hektar einheimischen Waldes auf ihrem Land, der Kohlenstoff absorbiert", sagte der Vorsitzende Andrew Morrison. "Es ist nur fair, dass dies in jedem Rahmenwerk von Anfang an angemessen berücksichtigt wird."

Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Neuseelands - der Sektor umfasst fünf Millionen Menschen, zehn Millionen Rinder und 26 Millionen Schafe. Milchprodukte bringen die größten Exporteinnahmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2021 um 19:45 Uhr und am 22. September 2021 um 06:43 Uhr.