Ein Einwohner von Lismore, hilft bei den Aufräumarbeiten im zentralen Geschäftsviertel von Lismore im Norden von Neusüdwales. | picture alliance/dpa/AAP

Überschwemmungen in Australien Jahrhundert-Hochwasser bedroht Sydney

Stand: 03.03.2022 08:53 Uhr

Australiens Ostküste erlebt die schlimmsten Überflutungen seit Menschengedenken. Zehntausende Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen, auch im Großraum Sydney laufen Evakuierungen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Südasien

Wasser, überall nur Wasser. Aus grauen Wolken schüttet es seit einer Woche wie aus Eimern, das Land eine riesige Seenlandschaft. Wo früher Straßen waren, fahren Menschen mit Booten; nur die Hausdächer ragen aus den braunen Fluten - auf manchen sitzen Familien und winken verzweifelt den Hubschraubern. Ganze Holzhäuser treiben auf reißenden Flüssen.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

"Ich lebe seit 30 Jahren hier, aber so etwas habe ich noch nie erlebt", meint eine Frau in einer Notunterkunft in Brisbane. Die australische Ostküste erlebt die schlimmsten Hochwasser seit Menschengedenken nach einer Sturmfront mit enormen Regenmengen.

Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen - jetzt bedroht das Hochwasser sogar Sydney: Aus überfüllten Staubecken lief Wasser, Dämme in der Nähe von Australiens größter Stadt drohen zu brechen. Mehrere westliche Vororte sollen deshalb evakuiert werden, das betrifft einige Hunderttausend Menschen.

Mindestens 13 Todesopfer

"Jeder ist beunruhigt hier, niemand weiß, wie es weitergeht und wo das alles endet", sagt Feuerwehrmann David Elllis. 13 Todesopfer haben die Überschwemmungen bislang gekostet, die sich über ein Gebiet von mehr als 800 Kilometer Länge erstrecken.

Das Tempo, mit dem das Wasser stieg, hat viele überrascht. "Wir haben Menschen gesehen, die für Stunden auf Dächern ausgeharrt haben", beschrieb Dominic Perottet, Premier von New South Wales, seine Eindrücke. "Wir haben Menschen gesehen, die nicht nicht mehr von Brücken wegkamen. Vor allem aber haben wir den Zusammenhalt der Menschen gesehen, die sich unterstützt haben in ihrer Not. Das ist der Geist unseres Landes."

Trotzdem will Charlene York, Chefin des Rettungsdienstes, die Bilder von Menschen auf Hausdächern vermeiden. Verzweifelte, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachten und dann aufwendig per Helikopter oder Boot gerettet werden mussten. Deshalb appelliert sie an die fünf Millionen Einwohner Sydneys:  "Wenn an ihre Tür geklopft wird, wenn sie aufgefordert werden zu fliehen, fliehen sie!"

Am Rande des trüben Gewässers, das einmal die Stadt Lismore war, steht eine durchnässte junge Frau und weint. "Ich warte hier auf meine Eltern und meine Geschwister und meine Hunde", schluchzt sie. Ihr Elternhaus steht bis zum Dach unter Wasser, sie haben alles verloren - so wie viele Familien in den Hochwassergebieten.

Anwohner blicken auf eine überschwemmte Straße in der Nähe von Windsor am Stadtrand von Sydney. | picture alliance/dpa/AP

Überschwemmte Straße in Windsor am Stadtrand von Sydney Bild: picture alliance/dpa/AP

Klimawandel erhöht Flutrisiko

Nach mehreren Jahren extremer Dürre und klimabedingter verheerender Busch- und Waldbrände erlebt der Osten Australiens wegen des Wetterphänomens La Nina gerade einen außergewöhnlich feuchten Sommer. Der Klimawandel erhöht das Flutrisiko, weil eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser aufnimmt und dadurch die Intensität von Regenfällen zunimmt. Wie kaum ein anderes Land leidet Australien unter den Folgen des Klimawandels - dennoch hält die Regierung an der Kohleförderung fest.

Lange galt Australien zugleich als der Staat mit den weltweit meisten sogenannten Klimaleugnern. Durch die extremen Wetterlagen verändert sich jedoch das Bewusstsein, und die Forderungen nach einem Umdenken in der Energiepolitik werden lauter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2022 um 06:17 Uhr.