Novak Djokovic während eines Spiels bei den Australian Open 2021. | AFP

Djokovic-Einreise in Australien Streit um Visumsentzug wird politisch

Stand: 06.01.2022 17:09 Uhr

Die serbische Regierungschefin Brnabić wittert politische Gründe für die Einreisesperre von Tennisstar Djokovic. Der wartet in Isolation auf ein Gerichtsverfahren zur Teilnahme an den Australian Open.

Serbiens Regierungschefin Ana Brnabić vermutet politische Gründe hinter den Schwierigkeiten bei der Einreise des serbischen Tennisspielers Novak Djokovic nach Australien. "Ich kann nicht wirklich etwas anderes erkennen", sagte sie dem britischen Nachrichtensender Sky News. "Tatsache ist, denke ich, dass Novak anders behandelt wurde", so Brnabić.

Es gebe etwa 20 andere Teilnehmer der Australian Open, für die Ausnahmen von der Pflicht zur Vorlage eines Impfzertifikats gelten würden. Djokovic sei der einzige mit einer solchen Ausnahmegenehmigung, dem die Einreise verweigert worden sei. "Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass Novak zu seinem Recht kommt und gleichbehandelt wird."

Präsident sichert Djokovic Unterstützung zu

Brnabić forderte zudem, dem Weltranglisten-Ersten müsse erlaubt werden, sein Hotel zu verlassen und die Quarantäne in einem von ihm angemieteten Haus fortzusetzen. Zu den Ansichten Djokovics, der als Impfgegner gilt, wollte sich Brnabić nicht äußern. "Es hat damit nichts zu tun", sagte die serbische Regierungschefin.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic erklärte auf Instagram, er habe mit Djokovic telefoniert und ihm gesagt, dass "ganz Serbien bei ihm ist". Die serbischen Behörden würden "alle Maßnahmen ergreifen, damit die Schikanierung des besten Tennisspielers der Welt so schnell wie möglich aufhört".

Gerichtsverhandlung zu Wochenbeginn

Der sehr wahrscheinlich ungeimpfte Djokovic war mit einer höchst umstrittenen medizinischen Ausnahmegenehmigung nach Australien gereist und in Melbourne gelandet. Die australische Grenzschutzbehörde hatte ihm aber die Einreise verwehrt, da er keine geeigneten Beweise zur Erfüllung der Einreisebestimmungen vorgelegt habe. Djokovic klagte dagegen, ein Gericht in Melbourne soll nun eine Entscheidung fällen. Eine Woche später beginnen die Australian Open.

Die australische Regierung werde vor der geplanten Gerichtsverhandlung keine Entscheidung in dem Fall treffen, sagte der Regierungsanwalt Christopher Tran bei einer ersten Anhörung vor Gericht.

Djokovic gilt als Impfskeptiker

Djokovic hatte sich in der Vergangenheit als Skeptiker im Hinblick auf die Corona-Schutzimpfung hervorgetan. Seinen Impfstatus hat er noch immer nicht öffentlich gemacht. Eigentlich sollte Djokovic das Land bereits wieder verlassen, doch hinter den Kulissen läuft ein erbitterter Streit um die Einreise-Erlaubnis für den Serben.

Derzeit hält sich Djokovic in einem Hotel im Melbourner Stadtteil Carlton auf, in dem auch abgelehnte Asylsuchende untergebracht sind. Von Djokovic selbst gibt es seit seinem Abflug nach Australien keine Aussagen.

Keine Unterstützung der Rivalen

Dafür äußerten sich seine Konkurrenten. Olympiasieger Alexander Zverev hielt sich mit einer Beurteilung des Falles zurück. "Es ist ein Grand-Slam-Turnier, das er neun Mal gewonnen hat. Es wäre schön für das Tennis, wenn er dabei wäre", sagte Zverev. "Aber Regeln sind Regeln. Ich werde nie im Leben ein schlechtes Wort über Novak sagen, aber ich kenne auch zu wenig Details, um ihn in Schutz nehmen zu können."

Auch andere Rivalen sprangen nicht für Djokovic in die Bresche. Im Gegenteil. "Ich hatte Covid, ich bin zwei Mal geimpft. Wenn du das machst, hast du kein Problem, hier und überall auf der Welt zu spielen. Das ist das Einzige, was klar ist", sagte der Spanier Rafael Nadal. Die Regeln seien lange bekannt. Die Menschen in Australien seien in der Pandemie durch schwere Zeiten gegangen. Von daher könne er ihren Unmut über die Ausnahmegenehmigung für Djokovic verstehen.

"Wenn er eine faire Ausnahme von der Regel hätte, sollte er hier sein. Wenn er keine hat, dann nicht", sagte der russische Weltranglisten-Zweite Daniil Medwedew.

"Niemand steht über diesen Regeln"

Auch Australiens Premier Scott Morrison hatte sich zu dem Fall geäußert und an die während der Corona-Pandemie geltenden Einreiseregeln erinnert. Dafür brauche man den Nachweis einer doppelten Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung, sagte er. "Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht", schrieb Australiens Regierungschef Scott Morrison auf Twitter. "Niemand steht über diesen Regeln."

Der australische Tennisbund hingegen hatte betont: Es habe alles seine Ordnung. Ein unabhängiges Expertengremium habe über die Ausnahmegenehmigung entschieden - anonym, ohne den Namen des Antragstellers zu kennen. Über die Gründe der Genehmigung wisse man nichts. Diese seien vertraulich.

Djokovic war offenbar der Ansicht, über die erforderlichen Dokumente zu verfügen und hatte sich daraufhin auf den Weg nach Melbourne begeben. Anscheinend seien die Dokumente, so schrieb die Nachrichtengentur AAP, aber nur für das Turnier und nicht für die Einreise nach Australien erteilt worden.

Grenzschutz verweigerte Einreise

Die australischen Behörden erkannten die Ausnahmegenehmigung am Flughafen nicht an. Die Grenzschutzbehörde verwehrte Djokovic die reguläre Einreise und ließ ihn stattdessen in Hotel-Isolation bringen. Zur Begründung hieß es: Djokovic habe keine geeigneten Beweise zur Erfüllung der Einreisebestimmungen vorgelegt, daher sei "das Visum anschließend storniert" worden. Die Dokumente, die Djokovic vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor.

Gesundheitsminister Greg Hunt erklärte: "Eine Überprüfung durch die Grenzbehörden hat ergeben, dass Herr Djokovic die Bedingungen für eine solche Ausnahmegenehmigung nicht erfüllt. Sein Visum wurde daher nachträglich widerrufen."

Besonders strikte Corona-Maßnahmen

In Australien gelten seit Monaten besonders strikte Regeln. Das ganze Land war lange Zeit geradezu eine Festung, niemand kam herein - niemand heraus. Melbourne hat mit insgesamt 262 Tagen den längsten Lockdown der Welt hinter sich. Impfverweigerer verlieren im Bundesstaat Victoria ihren Job; Arbeitgeber müssen horrende Strafen zahlen, wenn sie Ungeimpfte beschäftigen.

Mit Informationen von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2022 um 12:00 Uhr sowie Inforadio um 09:47 Uhr, 10:26 Uhr, 10:45 Uhr und 11:03 Uhr.