Novak Djokovic | picture alliance / ASSOCIATED PR

Streit um Djokovic "Er kann jederzeit ausreisen"

Stand: 07.01.2022 15:55 Uhr

Die Einreise von Tennis-Star Djokovic nach Australien sorgt weiter für Wirbel. Die Regierung wies Vorwürfe zurück, Djokovic werde im Land festgehalten. Doch viele Fragen in dem Fall sind noch offen.

Australiens Behörden haben Vorwürfe zurückgewiesen, sie würden gegen den serbischen Tennis-Star Novak Djokovic mit unangemessener Härte vorgehen. "Herr Djokovic wird nicht in Australien gefangen gehalten, er kann jederzeit gehen, und der Grenzschutz wäre dabei behilflich", sagte Innenministerin Karen Andrews dem Sender ABC News.

Sie reagierte damit auf Äußerungen der Familie Djokovic, die Behörden würden den Tennis-Star seit dessen Ankunft in Melbourne wie einen Gefangenen behandeln. Djokovic befinde sich in Australien "im Gefängnis", wetterte sein Vater Srdjan am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Belgrad, in der er seinen Sohn zum "Freiheitskämpfer" stilisierte.

Vucic spricht von Schikane

Auch Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic empörte sich über "die Schikanierung des besten Tennisspielers der Welt", Regierungschefin Ana Brnabic unterstellte den australischen Behörden politische Motive für deren Umgang mit Djokovic. Das serbische Außenministerium bat wegen des "unangemessenen und unmenschlichen Umgangs" mit dem Tennisstar gar den australischen Botschafter in Belgrad zum Gespräch.

Australiens Innenministerin Andrews wiederum verteidigte das Vorgehen der Behörden und sagte dem TV-Kanal Seven Network, Djokovic habe es versäumt, die richtigen Informationen für seine Einreise nach Australien bereitzustellen: "Sie werden von jedem verlangt, der in das Land einreist. Wenn diese Informationen nicht bereitgestellt werden können, sind die Einreisebestimmungen für Australien nicht erfüllt." Zugleich bestätigte sie zwei weitere Fälle im Zusammenhang mit den Australian Open, die nun vom Grenzschutz geprüft würden. Namen nannte sie nicht.

Tennis-Spielerin Voracova durfte nicht einreisen

Das tschechische Außenministerium teilte derweil mit, mit der Tennis-Spielerin Renata Voracova sei wie mit Djokovic verfahren worden, nachdem sie nach einer kürzlich überstandenen Covid-19-Erkrankung ohne Corona-Impfung für die Australian Open eingereist sei. Weil sie nun nicht richtig trainieren könne, habe Voracova ihrer Ausreise zugestimmt. 

Eigentlich gilt in Australien die Regel, dass nur Reisende mit Impfschutz gegen das Coronavirus ins Land gelassen werden. Laut Turnierboss Craig Tiley hatten anlässlich der Australian Open 26 Profis oder Betreuer eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Bei einer "Handvoll" von Fällen habe das auch geklappt.

Vor allem Titelverteidiger Djokovic steht seit Tagen in der Kritik - zumal der 34-Jährige bislang nicht offengelegt hat, mit welcher Begründung ihm die umstrittene Genehmigung erteilt wurde.

Der Mitte 2020 von einer Corona-Infektion genesene Serbe hat sich gegen eine Impfpflicht ausgesprochen und um seinen Impfstatus stets ein Geheimnis gemacht. Als er am späten Mittwochabend (Ortszeit) in Melbourne landete, sah der Grenzschutz die Einreiseregeln in seinem Fall als nicht erfüllt an - so dass der Weltranglisten-Erste zwei Nächte in einem Hotel für Ausreisepflichtige verbringen musste, in dem auch abgelehnte Asylbewerber untergebracht sind. Djokovic hat dagegen geklagt. Ein Gericht in Melbourne will am Montag eine Entscheidung fällen.

In Australien hatte der Eindruck einer Vorzugsbehandlung für den neunfachen Australian-Open-Sieger Wut und Empörung ausgelöst - zumal selbst zahlreiche Bürger des Landes während der Pandemie lange nicht in ihre Heimat reisen konnten, weil sich Australien zum Schutz vor einer Einschleppung des Coronavirus abgeschottet hatte.

Vor dem Hotel in Melbourne, in dem Djokovic derzeit untergebracht ist, kamen aber auch etwa 50 Unterstützer des Tennis-Stars zusammen. Außer Djokovic-Fans beteiligten sich auch Impfgegner und Kritiker der australischen Einwanderungspolitik an der Kundgebung. Bereits am Donnerstag hatte es solche Proteste in Melbourne gegeben.

Demonstranten vor einem Hotel in Melbourne. | picture alliance / ASSOCIATED PR

Demonstrationen gab es auch vor dem Hotel, in dem sich Djokovic derzeit aufhält. Bild: picture alliance / ASSOCIATED PR

Djokovic dankt Unterstützern

Der serbische Tennisprofi meldete sich erstmals nach dem Ärger um seine Einreise selbst zu Wort. Via Instagram bedankte sich der Weltranglisten-Erste für die Unterstützung. "Ich kann das fühlen und schätze es sehr", schrieb Djokovic.

In der serbischen Hauptstadt Belgrad versammelten sich am Donnerstag hunderte Demonstranten. Sie trugen serbische Flaggen oder Banner, unter anderem mit der Aufschrift: "Sie haben Angst vor dem Besten, stoppt den Corona-Faschismus."

Wie genau Djokovic seine medizinische Ausnahmegenehmigung erhielt und woran seine freie Einreise letztlich konkret scheiterte, ist noch immer nicht bekannt. Klar ist: Bei den Australian Open ist die Impfung erstmals bei einer Top-Veranstaltung für Tennisprofis Pflicht. Australischen Medien zufolge scheint das Problem wohl darin zu liegen, dass die Turnierleitung und der Bundesstaat Victoria, dessen Hauptstadt Melbourne ist, für Djokovic zwar eine Ausnahme zur Teilnahme an den Australian Open gewährten - diese aber nicht per se zum vorherigen Betreten des Landes berechtigt.

Dementi vom Australischen Tennisverband

Der australische Tennisverband dementierte Berichte über Fehlinformationen an die Spielerinnen und Spieler zu den Einreiseregularie. "Wir weisen ausdrücklich zurück, dass die Gruppe der Spieler wissentlich falsch informiert wurde", übermittelte Tennis Australia der Zeitung "The Herald Sun".

Zuvor waren Spekulationen aufgekommen, der nationale Verband habe einen Fehler gemacht. Dieser soll in einer Mail an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Australian Open mitgeteilt haben, dass eine Corona-Infektion in den vergangenen sechs Monaten und der damit verbundene Genesenen-Status eine medizinische Ausnahmegenehmigung rechtfertigen würden. Dies aber würde den strengen australischen Einreiseregularien widersprechen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Januar 2022 um 14:00 Uhr.