Novak Djokovic | AFP

Streit um Corona-Dokumente Australien annulliert Visum von Djokovic

Stand: 14.01.2022 11:02 Uhr

Im Streit um Corona-Nachweise hat die australische Regierung das Visum von Tennisspieler Djokovic zum zweiten Mal für ungültig erklärt. Ihm drohe zudem eine dreijährige Visumssperre, teilte der australische Einwanderungsminister Hawke mit.

Die australische Regierung hat im Streit um Corona-Nachweise erneut das Einreisevisum des serbischen Tennisspielers Novak Djokovic annulliert. Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke erklärte das Visum in einer persönlichen Entscheidung für ungültig.

Diese Entscheidung habe er aus Gründen des Gesundheitsschutzes getroffen, erklärte Hawke. Dies sei gut begründet und "im öffentlichen Interesse", teilte der Minister mit. Djokovic drohe zudem eine dreijährige Visumssperre, so Hawke weiter. "Bei meiner Entscheidungsfindung habe ich sorgsam die Informationen, die ich durch das Innenministerium, den australischen Grenzschutz und Herrn Djokovic bekommen habe, berücksichtigt."

Djokovic kann die Entscheidung vor Gericht anfechten. Eine erneute Anhörung ist angesetzt und läuft offenbar bereits. Richter Anthony Kelly will in einer kurzen Sitzung über das weitere Vorgehen bei einem möglichen Einspruch der Anwälte des Serben beraten. Eine Entscheidung in der Sache ist Medienberichten zufolge nicht zu erwarten.

Regierungschef begrüßt Annullierung des Visums

Der australische Regierungschef Scott Morrison begrüßte die Entscheidung seines Einwanderungsministers zur Annullierung des Visums. "Diese Pandemie war für jeden Australier unglaublich schwierig, aber wir haben zusammengehalten und Leben und Existenzen gerettet", teilte Morrison in einer Stellungnahme mit. "Die Australier haben während dieser Pandemie viele Opfer gebracht, und sie erwarten zu Recht, dass das Ergebnis dieser Opfer geschützt wird."

Weiter hieß es in der Erklärung: "Unsere strenge Grenzschutzpolitik hat die Australier vor Covid und jetzt während der Pandemie geschützt." Aufgrund der erwarteten laufenden Gerichtsverfahren werde er nun keine weiteren Kommentare abgeben, so Morrison.

Einreise per Ausnahmegenehmigung

Djokovic will als Titelverteidiger an den Australian Open teilnehmen, einem der wichtigsten Tennisturniere der Welt, das am Montag beginnt. Der nicht gegen das Coronavirus geimpfte Weltranglistenerste war vergangene Woche nach Australien eingereist und hatte sich dabei auf eine Ausnahmegenehmigung berufen. Die Bundesbehörden hatten ihm aber die Einreise verweigert. Dagegen war Djokovic erfolgreich gerichtlich vorgegangen.

Da ihm die Grenzbeamten nicht die vereinbarte Zeit zur Klärung zugestanden hatten, wurde die Entscheidung vor Gericht gekippt. Das Einwanderungsministerium hatte jedoch erklärt, zu erwägen, das Visum erneut zu annullieren.

Turnierauslosung mit Djokovic

Djokovic trainierte seither ganz normal und bereitete sich auf die Australian Open vor. Ihm war bereits der Serbe Miomir Kecmanovic als Gegner für die erste Runde zugelost worden. Eine Teilnahme von Djokovic an den Australian Open ist mit der Annullierung der Einreisepapiere noch nicht ausgeschlossen, da der 34-Jährige weitere Rechtsmittel einlegen kann.

Unklar ist bisher, bis wann ein weiterer Einspruch der Djokovic-Seite vor Gericht verhandelt werden müsste, damit er bei den Australian Open doch noch an den Start gehen darf. Dies müsste wohl an diesem Wochenende geschehen. Denkbar ist dabei nach Medienberichten wohl auch ein Überbrückungsvisum.

Djokovic bestreitet absichtliche Falschangaben

Der Fall wurde auch für die Politik des Landes zu einer heftigen Belastungsprobe, nachdem Australien viele Monate in harten Lockdowns verbrachte und auch viele Bürgerinnen und Bürger des Landes wegen der scharfen Regeln lange Zeit nicht in ihre Heimat einreisen durften. Djokovic bestritt zwar absichtliche Falschangaben und die Gefährdung anderer Menschen, räumte aber Fehler im Umgang mit seinem positiven Testergebnis ein.

Via Instagram wehrte er sich vor allem gegen zwei Vorwürfe: Weder habe er absichtlich eine falsche Angabe gemacht zu seinem Reiseverhalten in den 14 Tagen vor dem Flug ins Gastgeberland der Australian Open, noch habe er im Wissen seines positiven Corona-Tests im Dezember eine Veranstaltung mit Kindern besucht und sich dort ohne Maske bewegt. Djokovic bezeichnete die "Fehlinformationen", die korrigiert werden müssten, als "verletzend und beunruhigend für meine Familie".

Dass in seinem Einreiseformular fälschlicherweise angegeben wurde, er sei in den 14 Tagen vor seinem Flug nach Australien nicht gereist, bezeichnete Djokovic in seiner Ausführung als "menschlichen Fehler" seiner Agentin, "der sicher nicht absichtlich" geschehen sei.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Januar 2022 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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SinnUndVerstand 14.01.2022 • 17:09 Uhr

@ 13:32 Uhr von Flash Gordon

Entweder haben Sie es nicht gelesen oder nicht verstanden: Die rücknahme des ersten Visumsentzug hat keine inhaltliche Bewertung vorgenommen, sondern beruhte darauf, dass das Verfahren formell nicht okay war, v.a. Djokovic zu wenig Zeit eingeräumt wurde; in dem Urteil wurde expressis verbis darauf hingewiesen, das in der Sache noch kein Urteil gesprochen wurde. Sie sollten also überlegen, ob Sie die Richtung Ihrer Kritik nicht doch ändern müssten: von A. auf D. sozusagen...