Novak Djokovic | AFP

Einreise nach Australien Ein halber Sieg für Djokovic

Stand: 10.01.2022 11:30 Uhr

Tennisstar Djokovic hat im Streit um seine Einreise nach Australien einen Erfolg vor Gericht errungen: Unklar ist aber, ob er bei den Australien Open spielen kann. Denn nun könnte der Einwanderungsminister eingreifen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Serbische Fahnen, Musik, Tanz: Die Fans von Novak Dkokovic feiern den Prozess-Sieg des Weltranglisten-Ersten vor dem Gericht in Melbourne. Für sie ist der Serbe ein Freiheitsheld: "Er ist ein Nationalheld - und das hier passiert, wenn man sich an einem serbischen Nationalhelden vergreift. Deshalb: Danke an das Gericht, das Novak Djokovic die Freiheit wiedergegeben hat. Das ist ein Sieg für Djokovic."

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Eine Ohrfeige für die Regierung?

Tatsächlich scheint das Urteil eine Ohrfeige für die australische Regierung zu sein. Djokovic ist sofort aus dem Abschiebehotel zu entlassen, er bekommt seinen Pass zurück, der Staat trägt die Kosten des Verfahrens. Schon gleich zu Beginn des Prozesses zeigte Richter Antony Kelly sich irritiert über die Behandlung des Serben: Um angesichts der strengen australischen Corona-Regeln auch ungeimpft einreisen zu dürfen, hatte er sich von einer staatlichen Medizinerkommission befragen lassen.

Weil Djokovic offenbar erst kürzlich von einer Covid-Infektion genesen war, hatte ihm der Bundesstaat Victoria ein Visum erteilt. Das wiederum wurde von der Grenzpolizei der Zentralregierung annulliert, weil - wie es hieß - die Bedingungen für Einreise nicht erfüllt waren. "Was hätte der Mann denn noch tun können", ereiferte sich der Richter - schon recht früh in der Anhörung war seine Tendenz klar.

Tennisverbandschef vermeidet Schuldzuweisung

Greg Tiley, der Chef des australischen Tennisverbandes, vermied nach dem Urteil jeglichen Triumph und jegliche Schuldzuweisung:

Also es gab da eine Menge widersprüchliche Informationen und Verwirrung. Wir haben jede Woche mit allen zuständigen Regierungsstellen gesprochen, um auf jeden Fall das richtige zu tun. Wir dachten, auf einem guten Weg mit der Ausnahmegenehmigung zu sein, aber wir wussten natürlich, dass es Probleme gibt, weil jeder geimpft sein muss. Wir haben uns da in einem Umfeld bewegt, wo sich alles ständig veränderte. Ich denke, das war für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

Und nun? Wie geht es jetzt weiter? "Ich möchte ihn natürlich bei den Australien Open spielen sehen“, sagt Tiley.

Teilnahme bei Australian Open unklar

Das allerdings steht noch in den Sternen. Denn auch wenn Djokovic sich jetzt erst einmal frei bewegen kann - so kann er seines Visums längst nicht sicher sein. Das Urteil ist eine Sache, der Einwanderungsminister hat jedoch die Machtbefugnisse, Djokovic anschließend trotzdem auszuweisen. Damit dürfte der Tennisprofi drei Jahre lang nicht mehr nach Australien einreisen. Und das ist nicht nur Theorie - der Anwalt der Regierung hat diese Option direkt nach der Verhandlung heute nachdrücklich ins Spiel gebracht. "Sehr besorgt" äußerte sich Richter Kelly darüber.

Aufgeheizte Atmosphäre

Das Tauziehen um Djokovic ist also noch längst nicht vorbei - und es findet statt in einer aufgeheizten Atmosphäre. Denn die Lage in Australien ist wegen extrem strenger Corona-Regeln angespannt, Melbourne hat zusammengenommen den längsten Lockdown der Welt hinter sich. Familien wurden durch die Corona-Regeln getrennt, konnten weder bei  Geburten, Hochzeiten oder Beerdigungen ihrer Liebsten dabei sein - Impfverweigerer verloren ihre Jobs.

Inzwischen sind mehr als 90 Prozent aller Australier vollständig geimpft - also bitte keine Extrawurst für Tennismillionäre, so ist die mehrheitliche Stimmung. Zugleich gehen die Corona-Zahlen durch Omikron in Australien wieder durch die Decke. Zeitgleich mit Djokovics Prozess-Sieg wurde heute erstmal die Millionengrenze bei den Covid-Infektionen durchbrochen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Januar 2022 um 09:00 Uhr.