Die Flaggen der Aborigines und von Australien auf Halbmast auf der Harbour Bridge in Sidney | picture alliance / AA

Nach dem Tod der Queen Passt das Königshaus noch zu Australien?

Stand: 17.09.2022 14:24 Uhr

Noch tragen Australiens Städte nach dem Tod der Queen Trauerflor. Die Debatte kocht aber bereits hoch, ob das Land der britischen Krone treu bleiben soll. Doch so schnell wird sich Australien nicht zur Republik wandeln.

Von Sandra Ratzow, ARD-Studio Singapur

Lola Forester moderiert bei einem Aboriginal Radio-Sender in Sydney. Mit den Trauerfeierlichkeiten im fernen London kann sie wenig anfangen. Rassismus und Polizeigewalt sind heute ihre Themen. Die Monarchie ist für viele Indigene in Australien ein Symbol für Kolonialismus.

Sandra Ratzow ARD-Studio Singapur

Und noch immer leiden sie unter den Folgen, sagt die Moderatorin. "Wir haben gemischte Gefühle. Wir wollen hier endlich als souverän anerkannt werden. Wir wollen die gleichen Rechte wie jeder andere in diesem Land, und die haben wir bisher nicht." 

Erste Abstimmung scheiterte 1999

Erst seit kurzem weht neben der offiziellen Flagge auch dauerhaft die der Aborigines auf der berühmten Harbour Bridge. Australien trägt Halbmast. Der Tod der Queen hat viele im Land zum Innehalten gebracht. Auch Ben Siderowitz. Er eröffnet gerade den London Pub. Trotz seiner britischen Vorfahren wünscht er sich ein Staatsoberhaupt mit australischem Pass.

"Traditionen sind großartig und es gab sie ja auch lang genug. Aber wir sind doch ein neues, anderes Land", sagt er. "Wir haben unsere eigene Identität entwickelt. Da passt es doch, dass wir den Tod der Queen zum Anlass nehmen, um Republik zu werden."

Vor dem Gouverneurshaus legen Menschen Blumen nieder, Gedenken an die Queen, mit der ganze Generationen aufgewachsen sind. Damit Australien Republik werden kann, müsste die Verfassung geändert werden. Per Volksabstimmung. 1999 war eine solche Abstimmung gescheitert.

Albanese will vorerst keine Debatte

Royalisten wie Alessando Rossini von der Australischen Monarchisten Liga hoffen, dass die Mehrheit der Australier auch künftig auf einen König setzt - als neutrale Figur jenseits von Parteienklüngel. Die Mehrheit der Australier traue ihren Politikern nicht, meint er. "Wenn man das in Betracht zieht, stellt sich die Frage, warum wir Politikern mit einer Republik noch mehr Macht geben sollen. Wenn das schon bei den jetzt anvertrauten Aufgaben nicht klappt."

Australiens Premierminister Anthony Albanese ist zur großen Beisetzung nach London angereist. In der Trauerphase will er keine Debatten über die Republik. Es ist bekannt, dass er sie will. Der Premierminister hatte bereits vor dem Tod der Queen einen Staatssekretär für Republikfragen berufen. Doch frühestens in einer zweiten Amtszeit in drei Jahren will er abstimmen lassen.

Historikerin McCreery: Viel royaler Besuch

Nach Ansicht der Historikerin Cindy McCreery von der Universität Sydney wird es in der Zwischenzeit oft royalen Besuch geben. Nach dem Brexit suche Großbritannien weltweit die Nähe zu Verbündeten und das große, wohlhabende Australien sei ein prestigereicher Partner. "Aus britischer Perspektive bleibt Australien im Idealfall dem britischen Monarchen treu. Aber wenn Australien doch Republik wird, ist es im Interesse von London, dass Australien Teil des Commonwealths bleibt und ein Freund und Alliierter."

Noch trägt Sydney jeden Abend Trauerflor. Das Schwarz-Weiß-Porträt der Queen wird nach Sonnenuntergang auf die weißen Segel der Oper projiziert. Doch nach der Beisetzung von Elizabeth. II dürfte die Debatte erst richtig losgehen, wieviel britisches Königshaus noch zu Australien passt. 

Über dieses Thema berichtete am 17. September 2022 tagesschau24 um 11:00 Uhr und MDR Aktuell um 11:53 Uhr.