Oscar Verleihung LA | Bildquelle: AP

Oscar-Verleihung Los Angeles Wer bekommt einen begehrten Goldjungen?

Stand: 10.02.2020 02:30 Uhr

Es ist wieder so weit: In Los Angeles werden die Oscars vergeben. Welche Filme sind in diesem Jahr die großen Favoriten? Wer strahlt auf dem roten Teppich, welche Überraschungen gibt es?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Der "Joker" von Todd Philipps hat die größten Chancen auf viele Oscars: Zumindest geht die Charakterstudie, die die Entstehung des Comic-Bösewichts "Joker" erklären will, mit elf Nominierungen ins Rennen, darunter als bester Film. Ob er auch in dieser Kategorie siegen wird, das ist in Kritikerkreisen umstritten - denn der Film hat das Publikum gespalten. Was aber sicher sein dürfte: Die schauspielerische Leistung von Hauptdarsteller Joaquin Phoenix dürfte vergoldet werden. Rund 25 Kilogramm hatte Phoenix für die Rolle abgenommen, eine Tortur, die die Oscar-Academy oft belohnt.

Kriegsepos "1917"

Auch wenn "Joker" als Favorit gilt, sind ihm mehrere Filme mit je zehn Nominierungen dicht auf den Fersen: Das Kriegsepos "1917" von Sam Mendes zum Beispiel. Aufgrund der herausragenden Kameraarbeit, die den Film aussehen lässt, als sei er in einer Einstellung gedreht worden, hat er ebenfalls gute Chancen auf die Auszeichnung als bester Film.

Auch "Once Upon a Time in Hollywood" von Quentin Tarantino, ein Film über einen alternden Schauspieler und sein Stuntdouble - gespielt von Leonardo DiCaprio und Brad Pitt - hat zehn Nominierungen erhalten. Außerdem ist da noch "The Irishman" von Martin Scorsese: In dem Mafiathriller geht es um einen Iren, der für das Verschwinden eines Gewerkschaftsführers verantwortlich gemacht wird.

Heimlicher Favorit: "Parasite"

In diesem Jahr gibt es bei den Nominierten eine Besonderheit: Schauspielerin Scarlett Johansson ist zwei Mal nominiert. Und zwar als beste Hauptdarstellerin für "Marriage Story" und noch als beste Nebendarstellerin in "Jojo Rabbit". Die besten Chancen auf einen Oscar hat aber wahrscheinlich Renée Zellweger für ihre Darstellung der Judy Garland in "Judy".

Ein Film gilt als heimlicher Favorit, denn er ist der Kritiker-Liebling: das südkoreanische Drama "Parasite" von Regisseur Bong-Joon-ho. Es ist die Geschichte über eine arme Familie, die sich im Haus einer Familie aus der Oberschicht Südkoreas nach und nach einnistet. Das Drama ist als bester fremdsprachiger Film nominiert, es könnte aber auch das Rennen als "bester Film" machen.  

Deutschland hat in diesem Jahr wenig Glück gehabt mit den Nominierungen. Immerhin ist die SWR-Koproduktion "Eine Klinik im Untergrund - The Cave" in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" für einen Oscar nominiert. Der Film dreht sich um den mutigen Einsatz einer Ärztin in Syrien, die dort um Menschenleben kämpft. 

Keine Frau nominiert

Die Oscars standen im Vorfeld in der Kritik, nachdem in der Kategorie "beste Regie" keine Frau nominiert wurde - auch bei den nominierten SchauspielerInnen wurde bemängelt, dass es an Diversität fehle. Nur Cynthia Erivo wurde als einzige schwarze Schauspielerin für "Harriett" nominiert.

Es wird also wieder einmal der Vorwurf laut, dass Hollywood zu weiß und zu männlich geprägt sei.

Einfluss der Streamingdienste

Und nicht nur diese Diskussionen setzen die Filmschaffenden, die die Mitglieder der Oscar Academy stellen, unter Druck. Der Einfluss der Streamingdienste zeigt sich erneut überdeutlich: 23 Nominierungen gab es in diesem Jahr für Netflix, unter anderem für die Filme "The Irishman", "Die zwei Päpste", "Marriage Story", den animierten Film "Klaus" und für die Dokumentation "American Factory". Damit sind übrigens auch Michelle und Barack Obama für einen Oscar nominiert, deren Produktionsfirma "Higher Ground" die Dokumentation produziert hat.

Die Oscars werden in diesem Jahr wieder ohne einen Moderator stattfinden, stattdessen sollen unterschiedlichste Menschen aus der Entertainmentbranche durch den Abend führen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Februar 2020 um 01:23 Uhr, 03:27 Uhr und 04:48 Uhr.

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