Protestierende Studenten in Mexiko | Bildquelle: dpa

Mord an Studenten in Mexiko Proteste gegen Gewalt und Brutalität

Stand: 27.04.2018 11:32 Uhr

Mexiko erlebt eine Welle der Gewalt. Vor allem die Brutalität einiger Morde schockiert das Land. Vor kurzem verschwanden wieder drei Studenten. Dieser Fall löste nun eine Großdemonstration aus.

Nach dem Mord an drei Filmstudenten sind in Mexiko Tausende Menschen gegen die Gewalt im Land auf die Straße gegangen. Örtliche Medien berichteten von 12.000 Protestierenden in Guadalajara, auch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt kamen Menschen zusammen.

"Es sind nicht nur drei, es sind wir alle"

Studenten halten bei Protesten ein Plakat hoch | Bildquelle: dpa
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Demonstranten halten Schilder hoch: "Es sind nicht nur drei, es sind wir alle."

In Mexiko gehen seit Tagen Studenten auf die Straße, um gegen Gewalt zu demonstrieren. "Jeden Tag hören wir von so vielen sinnlosen Morden", sagt eine junge Frau. "Es sind nicht nur drei, es sind wir alle", skandierten die Demonstranten bei dem Protest Guadalajara. Hier waren die Studenten verschwunden. Viele Demonstranten trugen großformatige Fotos der drei Opfer bei sich.

Sie wollten einen Horrorfilm drehen

Die drei Studenten wollten einen Horrorfilm drehen. Mitglieder des Drogenkartells "Jalisco Nueva Generación" verschleppten die drei jungen Männer auf der Rückkehr von den Dreharbeiten, folterten und töteten sie. Ihre Körper lösten die Verbrecher danach in Säure auf. Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden sie für Mitglieder einer rivalisierenden Bande gehalten.

Selbst in dem an unfassbare Gewalt gewöhnten Mexiko sorgt die bestialische Tat für Entsetzen. "Worte reichen nicht aus, um das Ausmaß dieses Wahnsinns zu verstehen. Drei Studenten wurden ermordet. Das Warum ist undenkbar, das Wie ist schreckenerregend", schreibt der mexikanische Filmregisseur und Oscarpreisträger Guillermo del Toro auf Twitter. Der Schauspieler Gael García Bernal fordert über den Kurznachrichtendienst: "Welche Trauer. Dieser Alptraum muss aufhören."

Beispiellose Gewaltwelle

Mexiko wird derzeit von einer beispiellosen Gewaltwelle überrollt. Mit über 29.000 Tötungsdelikten war das vergangene Jahr das blutigste in der jüngeren Geschichte des Landes. Rund 30.000 Menschen gelten außerdem als verschwunden. In der mexikanischen Unterwelt toben heftige Verteilungskämpfe um Geschäftsanteile, Einflusszonen und Schmuggelrouten. Dabei geraten auch immer wieder Unschuldige zwischen die Fronten.

Menschenrechtler kritisieren aber auch die Sicherheitskräfte und die Armee, die ebenfalls gewalttätig vorgehen und teilweise im Verdacht stehen, mit den Verbrecherkartellen unter einer Decke zu stecken.

Student hält eine Pappe mit "-3" hoch | Bildquelle: dpa
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Demontranten fordern ein Ende der Gewalt.

Auch der Präsident meldet sich zu Wort

Von vielen Opfern wird kaum Notiz genommen. Nach dem Mord an den Filmstudenten aber geht ein Aufschrei der Empörung durchs Land. Selbst Präsident Enrique Peña Nieto, der zu der desolaten Sicherheitslage in seinem Land eigentlich lieber schweigt, meldete sich zu Wort. "Der brutale Mord an Javier, Daniel und Marco schmerzt und empört alle Mexikaner", schrieb der Staatschef von seiner Europareise aus auf Twitter. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte der Präsident angekündigt, der Bandengewalt Einhalt zu gebieten.

Schon mal 43 Studenten verschleppt

Protestierende mit Bildern der 43 Vermissten in Mexiko | Bildquelle: SASHENKA GUTIERREZ/EPA-EFE/REX/S
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Im September 2014 verschwanden 43 Studenten.

Der aktuelle Fall erinnert an eines der schrecklichsten Verbrechen der jüngeren Geschichte in Mexiko. Im September 2014 hatten Polizisten in Iguala 43 Studenten des Lehrerkollegs Ayotzinapa verschleppt und dem Verbrechersyndikat "Guerreros Unidos" übergeben. Bisher wurden nur die Überreste eines Opfers identifiziert - allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass keiner der Entführten noch am Leben ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2018 um 08:00 Uhr.

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