Angehörige am ausgebrannten Fahrzeug | Bildquelle: AFP

Angriff auf Mormonen Kritik an Mexikos lascher Polizeiarbeit

Stand: 06.11.2019 14:27 Uhr

Nach dem Angriff in Mexiko, bei dem neun Menschen einer Mormonenfamilie ums Leben kamen, wird Kritik an der Sicherheitspolitik der Regierung laut.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Die Todesopfer besaßen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, deshalb hat sich Präsident Donald Trump per Twitter sofort in den Fall eingeschaltet: Er wolle Hilfe gegen die Drogenkartelle nach Mexiko schicken. "Manchmal brauche es eine Armee, um eine Armee zu besiegen", schrieb er. Er warte nur auf ein Zeichen von Mexikos "großartigem neuen Präsidenten".

Katastrophale Sicherheitslage

Doch der lehnte höflich dankend ab. Andrés Manuel López Obrador, der sein Amt vor einem Jahr antrat, hat die katastrophale Sicherheitslage bisher nicht verbessern können. In fast jeder seiner allmorgendlichen Pressekonferenzen muss er zu neuen Gewaltausbrüchen Stellung nehmen und Angehörigen kondolieren - wie in dem Fall der Mormonengemeinde. Auch hier spricht er sein Beileid für die Familie aus und sagt: "Es ist ein bedauernswertes Unglück. Wir werden tun, was in solchen Fällen notwendig und unsere Pflicht ist: die Schuldigen zu finden."

Mittlerweile hat die Polizei einen Mann festgenommen. Er wird verdächtigt, zwei Geiseln in einem Geländewagen festgehalten zu haben. Laut Polizei soll er Sturmgewehre und Munition dabei gehabt haben.

Zwei Prozent der Verbrechen werden aufgeklärt

Aber Schuldige werden in Mexiko selten gefunden. Nur etwa zwei Prozent der Verbrechen werden aufgeklärt. Im Fall der Mormonen trafen erst vier Stunden, nachdem Angehörige alarmiert hatten, Nationalgardisten am Tatort ein. 200 Patronenhülsen wurden sichergestellt.

Die Angreifer hatten eines der drei Fahrzeuge, in denen ausschließlich Frauen und Kinder gesessen hatten, regelrecht durchsiebt. Drei Frauen und sechs Kinder, darunter zwei Säuglinge starben. Acht überlebten, fünf schwerverletzte Kinder wurden in die nahegelegenen USA ausgeflogen.

Angriff auf Mormonen in Mexiko | Bildquelle: AFP
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Mehrere Drohanrufe seien vor dem Angriff eingegangen, berichtet ein Angehöriger der Mormonen-Familie.

Angreifer machten gezielt Jagd

Der Angriff sei möglicherweise eine Verwechslung gewesen, versuchte die Regierung abzuwiegeln. Aber ein Angehöriger der Mormonen-Familie, die schon häufiger im Visier der organisierten Kriminalität gestanden hatte, schloss das aus. Mehrere Drohanrufe seien vor dem brutalen Verbrechen eingegangen. Überlebende berichten, wie die Angreifer gezielt Jagd auf die Kinder gemacht hätten.

Für die Regierung ist klar, wer die Verantwortung für die hohe Mordrate in Mexiko trägt: die korrupten Vorgängerregierungen. Aber nach fast einem Jahr im Amt wird die Kritik an der Sicherheitspolitik lauter. Der Analyst Alejandro Hope schätzt sogar, dass die Zahl der Mordopfer in diesem Jahr noch um 2000 höher liegen werde als 2018. Da waren es 36.000 getötete Menschen.

Regierung trage Mitschuld

Die aktuelle Regierung trage eine Mitschuld, sagt Hope. "Ihre Politik bekämpft die strukturellen Probleme nicht - insbesondere, wenn es darum geht, für Gerechtigkeit zu sorgen, gegen Kriminelle zu ermitteln und die chronische Unterfinanzierung des Sicherheitssektors zu beenden." Sie habe sich darauf konzentriert, eine Nationalgarde zu schaffen, deren einzige Aufgabe darin bestehe, Terrain abzustecken. Aber für eine bessere Polizeiarbeit werde nichts getan, kritisiert er.

Polizisten werden selbst Angriffsziele: Vor wenigen Wochen wurden im Bundesstaat Michoacán 13 Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und ermordet. Gegen die Übermacht der Kriminellen konnten sie sich nicht zur Wehr setzen.

Einen weiteren Tiefschlag erhielten Mexikos Sicherheitskräfte vor einigen Tagen im Bundesstaat Sinaloa: Der Sohn von Kartellchef "El Chapo" Joaquín Guzman war bereits dingfest gemacht, als dessen Leute mit Angriffen auf die Zivilbevölkerung drohten. Die Sicherheitskräfte ließen ihn wieder frei und zogen sich zurück.

Mexiko - Kritik an Sicherheitspolitik nach Massaker an Mormonenfamilie
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko Stadt
06.11.2019 14:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2019 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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