Die Teilnehmer des Libyen-Gipfels auf einem Gruppenfoto. | Bildquelle: dpa

Eklat bei Treffen Türkei verlässt Libyen-Konferenz

Stand: 13.11.2018 17:12 Uhr

Bei der Libyen-Konferenz in Italien haben sich rivalisierende Schlüsselfiguren des Konfliktes an einen Tisch gesetzt. Die Türkei war nicht dabei - und verließ das Treffen "tief enttäuscht".

Die Türkei hat die Libyen-Konferenz in Italien aus Protest frühzeitig verlassen, weil sie sich von Gesprächen am Rande des Gipfels ausgeschlossen fühlt. Bei den Gesprächen in Palermo waren die Hauptgegenspieler in dem Konflikt zusammengekommen. Das sind der im Osten des Bürgerkriegslandes herrschende General Chalifa Haftar, der Chef der international anerkannten Einheitsregierung Fayez al-Sarraj, sowie Vertreter von Staaten wie Russland und Ägypten.

General Khalifa Haftar
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General Haftar:

"Prominente Protagonisten"

Jedes Treffen, das die Türkei ausschließe, sei kontraproduktiv für die Lösung der libyschen Krise, erklärte Vizepräsident Fuat Oktay. Die Türkei verlasse die Konferenz mit "tiefer Enttäuschung". Das informelle Treffen mit einer Reihe von Akteuren, die auch noch "als prominente Protagonisten des Mittelmeers" präsentiert worden seien, sei ein "sehr irreführender und schädlicher Ansatz, dem wir vehement widersprechen".

Die Türkei gilt als Unterstützerin der Muslimbrüder, die auch in Libyen präsent sind und die General Haftar ablehnt. Haftar hatte sich Berichten zufolge geweigert, mit islamistischen Kräften aus Libyen oder mit ihren Unterstützern in Palermo an einem Tisch zu sitzen.

Ein diplomatischer Vertreter Italiens sagte vor Reportern, die Atomsphäre des Treffens sei herzlich und von Zusammenarbeit geprägt gewesen. Haftar habe Al-Sarraj gesagt, dieser solle bis zu den Wahlen in verantwortlicher Stelle bleiben.

Libyens Ministerpräsiden Fayez al-Sarraj begrüßt Emmanuel Macron | Bildquelle: AFP
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Libyens Ministerpräsident al-Sarraj bei einem Treffen mit Frankreichs Präsident Macron im Mai.

Wahlen nicht vor 2019

Im Mai hatten sich Haftar und al-Sarraj darauf geeinigt, am 10. Dezember landesweite Wahlen abzuhalten. Angesichts der chaotischen politischen Lage in dem nordafrikanischen Land hatte die UNO am Donnerstag jedoch erklärt, dass vor Frühling 2019 keine Wahlen möglich seien.

Chaos seit dem Tod Gaddafis

Seit dem gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi vor sieben Jahren herrschen in dem nordafrikanischen Land Blutvergießen und Chaos. Extremisten haben sich das Machtvakuum zu Nutzen gemacht. Von Libyen aus führt zudem eine der wichtigsten Migrantenrouten übers Mittelmeer nach Italien, die die rechtspopulistische Regierung in Rom schließen will.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. November 2018 um 19:20 Uhr und 21:27 Uhr.

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