Greta Thunberg demonstriert in New York. | dpa

Thunberg bei Klimademo in New York "Unser Haus brennt"

Stand: 25.09.2019 09:12 Uhr

Greta Thunbergs Rede beim Klimastreik in New York versetzte Zehntausende in Euphorie. Dabei war es nicht nur die junge Generation, die ihren Worten nun Taten folgen lassen will.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Unser Haus brennt", warnt die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg. Sichtlich überwältigt von dem Zuspruch der zehntausenden Demonstranten, die die 16-Jährige mobilisiert hat. Da steht sie wieder. Wenige Hundert Meter von dem Ort, an dem Greta vor drei Wochen in einem Segelboot angekommen ist. Am Battery Park, an der Südspitze von Manhattan. Gegenüber von Lady Liberty.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

"Und das Haus, das brennt, ist nicht nur das der jungen Menschen", sagt Greta. "Wir alle leben hier. Und es geht uns alle an."

Finanzdistrikt in der Hand der Demonstranten

Das finden auch viele Schüler und Ältere. Laut Veranstaltern kamen 250.000 von ihnen, laut Bürgermeisteramt 60.000. Sie haben für einen Nachmittag den New Yorker Finanzdistrikt in der Hand. Und sie haben die Geduld verloren, zum Beispiel Khalia:

Ich bin ein 12-jähriges Mädchen, das einen Wandel in der Welt will.

Und dazu will dieses Mädchen der One World Middle School aus der Bronx nicht mehr schweigen:

Ich habe das Recht, meine Stimme zu erheben. Ich denke, wir sollten auf fossile Brennstoffe verzichten und auf Einweg-Plastik. Oder die Welt wird früher oder später zerstört. Also kommt und protestiert mit uns.

1700 Schulen gaben Schülern frei

1700 öffentliche Schulen der Stadt hatten ihren Schülern freigegeben, um dabei zu sein. Und gemeinsam mit den anderen Umweltaktivisten quer durch Manhattan zu ziehen.

"Wir sind hier mit etwa 200 Leuten von unserer Schule vertreten," sagt der New Yorker Pepe Lang. Es sei wichtig, die Sache Umweltschutz endlich in die Hand zu nehmen - "denn die Regierung tut nichts. Je mehr Leute wir hier haben, um so größer der Einfluss."

"Es tut einfach gut"

Auch ihre Lehrer stehen dahinter, bekräftigt Charlotte Kabelac. Die 16-Jährige aus Wiesbaden geht seit einem Jahr in New York zur Schule.

Meine Schule macht auch ganz viele Programme - Wie kann man nachhaltig leben, wie kann man nachhaltig essen und einkaufen? Und darauf wird auch Wert gelegt.

Häufig war Charlotte mit ihren Mitschülern an Fridays-for-Future-Demonstrationen dabei. Aber keine war so groß wie diese hier: "Es ist eigentlich schon sehr beeindruckend und es tut einfach gut zu sehen, dass sich doch so viele Leute interessieren", sagt er.

"Respektiere deine Mutter," fordern die Klima-Demonstranten in New York. | AFP

"Respektiere deine Mutter," fordern die Klima-Demonstranten in New York. Bild: AFP

Jung und Alt demonstrieren zusammen

"Die Zeit läuft ab", warnen ihre Schilder, "Respektiere Deine Mutter Erde", "Es gibt keinen Planeten B".  Für Jone Davis von den grauen Panthern ein Grund, um früh aufzustehen. Stolz tritt sie ans Mikrofon: "Wollen Sie wissen, wie alt ich bin? Ich bin 88."

Jone hat sich vorgenommen den Gang durch die Mittagshitze bis zum Ende mitzumachen. Denn es belaste sie, wie Vertreter ihrer Generation mit der Umwelt umgegangen seien - "und ich entschuldige mich dafür, dass wir das nicht aufhalten konnten. Dass es soweit gekommen ist."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. September 2019 um 21:55 Uhr.