Hintergrund

Libanesische Hisbollah-Truppen nehmen an einer Parade teil | Bildquelle: dpa

Irans Einfluss im Nahen Osten Hamas, Hisbollah, Huthis

Stand: 09.05.2019 11:49 Uhr

Der Iran hat viele Möglichkeiten, den USA und ihren Verbündeten im Nahen Osten Schwierigkeiten zu machen. Irak, Libanon und Jemen - systematisch fördert Teheran seit vielen Jahren militante Verbündete.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Seit Jahren hat der Iran an Macht und Einfluss im Nahen Osten gewonnen. Häufig genügte es dazu, die Fehler der USA in der Region auszunutzen.

Bestes Beispiel: Unter dem Langzeitherrscher Saddam Hussein war der Irak ein Bollwerk gegen den Iran. Doch als die Amerikaner Saddam vor 16 Jahren stürzten, öffneten sie den Iranern damit Tür und Tor im Irak. Einige irakische Milizen, die gegen den IS kämpften, sind nicht etwa gegenüber Bagdad loyal, sondern gegenüber Teheran. Die USA fürchten deshalb, der Iran könnte diese Milizen zu Anschlägen auf US-Soldaten im Irak anstacheln. 

Egal, wohin die sunnitisch geprägten Eliten in der arabischen Welt schauen: Vielerorts sehen sie den mehrheitlich schiitischen Iran am Werk.

Iranische Regierungsvertreter hätten sich damit gebrüstet, dass sie nun vier arabische Hauptstädte kontrollierten: Sanaa, Beirut, Damaskus und Bagdad, sagt Riad Kahwaji von der Denkfabrik Inegma in Dubai: "Das ist so, als wenn die Russen sagen würden: Okay, wir weiten unseren Einfluss auf Lissabon oder Madrid aus, im Herzen Europas - und als würde man dann erwarten, dass die Europäer das einfach so hinnehmen."

Hisbollah - schwer bewaffnet und von Teheran abhängig

Noch ein Beispiel für die unbeabsichtigten Konsequenzen der fehlgeleiteten US-Nahostpolitik: die Hisbollah - sie ist Miliz und politische Partei im Libanon. Dass sie schwer bewaffnet ist, kritisieren viele Libanesen - aber wenige bestreiten, dass nur die Hisbollah in der Lage ist, Israel von einem Angriff auf den Libanon abzuschrecken. Offiziell unterstützen die USA zwar die libanesische Armee, verweigern ihr jedoch das Militärgerät, das sie für eine wirksame Verteidigung des Landes bräuchte.

Wegen der langjährigen Unterstützung durch den Iran wäre die Hisbollah gezwungen, Israel massiv anzugreifen, sollte eine gemeinsame Attacke von Israelis und Amerikanern das Überleben der iranischen Führung gefährden.

Männer, die die Huthi-Miliz unterstützen, mit Gewehren
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Auch die jemenitischen Huthi-Milizen sind von der Unterstützung aus dem Iran abhängig.

Ohne den Iran wären die Huthi-Kämpfer nichts

Und noch einen Hebel könnte Teheran betätigen: Die Huthi-Rebellen im Jemen. Berater sowie technische, politische und auch militärische Unterstützung hätten sie in den vergangenen Jahren vom Iran erhalten, sagt der unabhängige jemenitische Experte Hafez Albukari zählt auf. Etliche Male seien Waffen entdeckt worden, die aus dem Iran stammten. Hauptsächlich bekämen sie diese Unterstützung über die Hisbollah - auch beim strategischen Denken diene die Hisbollah den Huthis als Vorbild.

Auch die Huthis dürften dem Iran im Fall der Fälle zur Hilfe eilen - indem sie zahllose Raketen auf Saudi-Arabien abfeuern oder die Meerenge Bab al-Mandab sperren, den Zugang zum Roten Meer und damit auch zum Suezkanal.

Zahlungen an die Hamas

Und schließlich der Gazastreifen: Während der vergangenen Jahre erhöhte der Iran seine Zahlungen an die dortige Hamas. Teheran sieht dies als Hilfe für unterdrückte Palästinenser und als Möglichkeit, den Erzfeind Israel zu piesacken.

Nach dem Abzug der jüdischen Siedler aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 verzichteten die Amerikaner darauf, eine Öffnung des Küstengebiets gegen den Willen Israels durchzusetzen. Seitdem gewannen dort Extremisten die Oberhand. Die Befürchtung des mittlerweile verstorbenen israelischen Politikers Schimon Peres bewahrheitete sich, Gaza könnte zu einem "Somalia am Mittelmeer" werden.

Persische Hände in Arabien
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
09.05.2019 11:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Mai 2019 um 11:20 Uhr.

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