USS Abraham Lincoln | Bildquelle: JERINE LEE/US NAVY HANDOUT HANDO

US-Flugzeugträger in Nahost Alles nur ein Bluff?

Stand: 06.05.2019 15:20 Uhr

Eine klare Antwort an den Iran hat US-Sicherheitsberater Bolton mit der Entsendung eines Flugzeugträgers angekündigt. Doch vieles deutet auf eine lange geplante Fahrt hin.

Von Silvia Stöber, tagesschau.de

"Als Antwort auf eine Reihe beunruhigender und eskalierender Indizien und Warnungen" senden die USA den Flugzeugträger "Abraham Lincoln" und eine Bomberstaffel aus dem Mittelmeerraum in den Nahen Osten - so hat es der nationale Sicherheitsberater John Bolton angekündigt. Es gehe um eine "klare und unmissverständliche Botschaft" an die iranische Regierung.

Das klingt nach einer militärischen Eskalation und einer Reaktion auf aktuelle Handlungen des Iran.

USA verlegen Flugzeugträger
tagesschau24 10:00 Uhr (TSH), 06.05.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Mehrere US-Nahost-Experten verweisen jedoch auf eine Mitteilung der US-Marine, die bereits vom 8. April datiert. Demnach lief die USS "Abraham Lincoln" mit Begleitschiffen und U-Booten am 1. April zu einem regulär geplanten Einsatz aus Norfolk an der US-Ostküste aus. Genauere Angaben zur Fahrtroute wurden jedoch nicht gemacht.

Auf Weltreise

Mehr Klarheit lieferte die Website "Naval Today" der US-Marine-Industrie wenige Tage später: Die "Abraham Lincoln" sei derzeit im Mittelmeer aktiv, bevor sie weiter zum Persischen Golf fahre. Anschließend durchquere sie den Indischen Ozean, die Südchinesische See und den Pazifischen Ozean, bevor sie San Diego an der US-Westküste erreichen werde. Dort sei nach einer Generalüberholung und Modernisierung der neue Heimathafen der "Abraham Lincoln".

Die USS Abraham Lincoln | Bildquelle: CATI CLADERA/EPA-EFE/REX
galerie

Die USS Abraham Lincoln verließ am 1. April den Hafen in Norfolk auf einer lange geplanten Fahrt.

Am 2. Mai dann veröffentlichte die US-Marine eine weitere Nachricht über den Besuch des albanischen Präsidenten Ilir Meta auf der "Abraham Lincoln". Er und seine Begleitung seien mit Helikoptern an Bord gebracht worden. Als Ortsmarke war die Adria im Mittelmeer angegeben.

"Aufwieglerische Rhetorik" über "Routineeinsatz"

Dies deutet darauf hin, dass sich die "Abraham Lincoln" ohnehin auf dem Weg in die Region befand. So zumindest deuten es mehrere US-Experten. Die Politikanalytikerin Becca Wasser von der Denkfabrik "Rand Corporation", die das US-Verteidigungsministeriun berät, schrieb: Es würden routinemäßig Flugzeugträger in die Region entsandt, um den Iran abzuschrecken.

Das Verteidigungsministerium habe in letzter Zeit die Anwesenheit von Flugzeugträgern variiert, um unvorhersehbar zu wirken. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass der Einsatz der "Abraham Lincoln" lange geplant sei. Das Weiße Haus nutze geplante Operationen, um ein Statement zu machen.

Nahost-Experte Ilan Goldenberg vom "Center for a New American Security" in Washington äußert sich ganz ähnlich auf Twitter, die Bewegung des Schiffes sei nicht unüblich und wahrscheinlich ein Routineeinsatz. Die aufwieglerische Sprache Boltons hingegen sei ungewöhnlich und provokativ. Er vermute, dass Bolton lediglich eine Gelegenheit nutze, um zu versuchen, den Iran einzuschüchtern.

Was ist Bluff, was ist ernst gemeint?

Es wäre nicht das erste Mal, dass Statements des Weißen Hauses zumindest übertrieben sind: Im April 2017 kündigte US-Präsident Donald Trump im sich zuspitzenden Nordkorea-Konflikt an, dass der Flugzeugträger "Carl Vinson" ins Japanische Meer entsandt werde. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Schiff noch Tausende Kilometer entfernt war und Übungen mit der australischen Marine absolvierte.

Im August 2017 sprach Trump dann im Hinblick auf Venezuela von "vielen Optionen, einschließlich einer militärischen, falls nötig." Sein damaliger Sicherheitsberater H.R. McMaster und der damalige Außenminister Rex Tillerson versuchten, ihm das auszureden.

Beide haben ihre Posten jedoch inzwischen verlassen. Ihre Nachfolger John Bolton und Mike Pompeo gelten im Vergleich dazu als Hardliner. Insbesondere Bolton lässt keinen Zweifel an seiner Position zum Iran. Bevor er Sicherheitsberater Trumps wurde, sprach er offen davon, in Teheran einen Regimewechsel herbeiführen zu wollen.

Unklarheit über "eskalierenden Aktivitäten der Iraner"

Insofern stellt sich die Frage, ob es lediglich bei der scharfen Rhetorik Boltons bleibt. In seinem Statement erklärte er, die USA wollten zwar keinen Krieg gegen den Iran führen. Aber sie seien vollends bereit, auf jegliche Attacke zu antworten. Pompeo seinerseits verwies wie Bolton "auf eskalierende Aktivitäten der Iraner", ohne zu erklären, was genau die US-Regierung darunter versteht.

Angeblich "klare Indizien"

Ein Mitarbeiter im US-Verteidigungsministerium legte nahe, dass es sich um eine Reaktion auf einen mutmaßlichen Angriffsplan des Iran handele. Es gebe "klare Indizien" dafür, dass Teheran und dessen Stellvertretermächte eine Attacke auf US-Truppen in der Region vorbereitet hätten. Potenzielle Ziele seien US-Streitkräfte auf See und an Land gewesen, sagte die Person der Nachrichtenagentur AP, ohne weitere Details zu nennen. Eine offizielle Aussage des Verteidigungsministeriums lag bislang nicht vor.

Angesichts der wenig detaillierten Aussagen wurde in den sozialen Medien Skepsis über die Ziele des Weißen Hauses laut - nicht zuletzt in Erinnerung an den Krieg gegen den Irak.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Mai 2019 um 10:00 Uhr.

Darstellung: