Ruhollah Sam während einer Gerichtsverhandlung im Juni | AFP

Blogger Ruhollah Sam Iran lässt kritischen Journalisten hinrichten

Stand: 12.12.2020 11:50 Uhr

Im Iran ist erneut ein prominenter Oppositioneller hingerichtet worden. Der Journalist Sam war wegen seiner Rolle bei den Protesten 2017 verurteilt worden. Sam lebte eigentlich in Frankreich. Wie er in den Iran kam, ist unklar.

Im Iran ist der regierungskritische, einst im Exil lebende Journalist Ruhollah Sam hingerichtet worden. Der 47-Jährige sei am Morgen erhängt worden, berichteten das staatliche Fernsehen und die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Als Grund wurde seine führende Rolle bei Protesten gegen die iranische Regierung im Winter 2017/18 genannt.

Der Sohn eines reformorientierten schiitischen Geistlichen hatte unter anderem das Portal "Amad News" geleitet, das mehr als eine Million Follower hatte. Dort wurden auch Termine für Proteste gegen die Regierung veröffentlicht. Ihm wurde vorgeworfen, mit seiner Webseite Propaganda gegen die Führung im Iran betrieben und Menschen zu teilweise gewaltsamen Protesten provoziert zu haben. Sam wies die Anschuldigung zurück, zu Gewalt angestachelt zu haben.

Ruhollah Sam während einer Gerichtsverhandlung im Juni | VIA REUTERS

Sam war im Sommer von einem Gericht in Teheran verurteilt worden. Bild: VIA REUTERS

Unklar, wie er in den Iran kam

Im Juni hatte ein Gericht Sam wegen "Korruption auf Erden" zum Tode verurteilt. Diesen Begriff nutzen die iranischen Behörden häufig, wenn es um Spionage oder mutmaßliche Versuche geht, die Regierung zu stürzen.

Sam lebte eigentlich im Exil in Frankreich, wo er als Flüchtling anerkannt war. Warum und wie er in den Iran zurückkehrte, ist nach wie vor unklar. 2019 erklärten die iranischen Revolutionsgarden, sie hätten den Regierungskritiker gefasst. In welchem Land dies geschehen war, ließ die Elite-Einheit offen. Medienberichten zufolge wurde der Journalist von iranischen Sicherheitskräften in das Nachbarland Irak gelockt, dort festgenommen und danach in den Iran gebracht.

Die iranische Regierung hat wiederholt im Exil lebende Regierungskritiker beschuldigt, Proteste und Unruhen in der Islamischen Republik zu schüren. 2017 hatten sich Demonstrationen an der schwierigen Wirtschaftslage in dem Land entzündet und landesweit verbreitet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.