Ein Demonstrant hält ein Porträt von George Floyd in die Höhe | AFP

Minneapolis zahlt Schmerzensgeld 27 Millionen US-Dollar für Familie von Floyd

Stand: 12.03.2021 21:18 Uhr

Die Angehörigen des durch Polizisten getöteten US-Amerikaners George Floyd bekommen Schmerzensgeld in Millionenhöhe. Die Stadt Minneapolis zahlt die Rekordsumme von 27 Millionen US-Dollar.

Die Stadt Minneapolis zahlt der Familie des bei einem Polizeieinsatz getöteten George Floyd ein Schmerzensgeld in Höhe von 27 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 22,6 Millionen Euro). Die Einigung in Rekordhöhe sei noch vor einem Gerichtsurteil erzielt worden, erklärten die Anwälte der Familie. Der Stadtrat der Großstadt im Bundesstaat Minnesota habe den Vergleich in einer Sitzung einstimmig gebilligt. Teil der Rekordsumme sind demnach auch 500.000 US-Dollar, die an jenes Viertel gehen sollen, in dem Floyd bei seiner Festnahme ums Leben kam.

Mit der Einigung wurde ein zivilrechtliches Verfahren zum Tod beigelegt. "Das sendet eine kraftvolle Botschaft, dass schwarze Leben sehr wohl zählen und Polizeibrutalität gegen Schwarze aufhören muss", sagte der Anwalt von Floyds Familie. Noch nie habe es in einem Bürgerrechtsfall vor Beginn des eigentlichen Verfahrens einen so hohen Vergleich gegeben.

"Ich hoffe, dass heute die Stimmen der Familie und alles, was sie teilen möchten, im Mittelpunkt stehen", sagte die Ratsvorsitzende Lisa Bender. "Ich möchte der Familie im Namen des gesamten Stadtrats mein tiefstes Beileid aussprechen."

Eine Kultur exzessiver Gewalt

Nach Floyds Tod am 25. Mai des vergangenen Jahres hatte die Familie die Stadt sowie die vier am Einsatz beteiligten Polizisten verklagt. Der Stadtverwaltung wurde "bewusste Gleichgültigkeit" vorgeworfen; sie habe eine Kultur exzessiver Gewalt und des Rassismus gedeihen lassen und es versäumt, gegen gefährliche Polizeipraktiken vorzugehen und ihre Polizeibeamten richtig zu schulen.

Floyd war gestorben, nachdem ein weißer Polizist sein Knie etwa neun Minuten lang auf dessen Hals gedrückt hatte, obwohl dieser mehrfach flehte, ihn atmen zu lassen. Nach der Tötung gab es in den USA monatelange Massenproteste gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Floyds Schwester Bridgett erklärte nun, dass sie und ihre Familie erfreut seien, dass dieser Teil ihrer tragischen Reise in Gerechtigkeit für meinen Bruder George geendet ist. "Während unsere Herzen gebrochen sind, sind wir getröstet zu wissen, dass George Floyd der Welt selbst im Tod gezeigt hat, wie man lebt", hieß es in einer Erklärung.

Falscher 20-Dollar-Schein

Die Polizisten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. Sie wurden entlassen und angeklagt. Derzeit läuft vor einem Gericht in Minneapolis die Auswahl der Geschworenen für den Prozess gegen den Hauptangeklagten Chauvin.

Zur Last gelegt wird ihm Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Darauf stehen bis zu 40 Jahre Haft. Zudem wird ihm Totschlag zweiten Grades vorgeworfen, was zusätzlich mit zehn Jahren Haft geahndet werden könnte. Auch den drei weiteren beteiligten Ex-Polizisten könnten im Fall einer Verurteilung langjährige Haftstrafen drohen. Sie stehen in einem separaten Verfahren vor Gericht

2019 hatte Minneapolis im Fall von Justine Ruszczyk Damond schon ein mal Schmerzensgeld zugestanden. Damals zahlte die Stadt 20 Millionen US-Dollar. Die unbewaffnete Frau war im Jahr 2017 von einem Polizisten erschossen worden, nachdem sie selbst wegen eines möglichen Verbrechens hinter ihrem Haus über den Notruf Hilfe gerufen hatte.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. März 2021 um 21:45 Uhr.