Studenten protestieren auf den Straßen von Rio de Janeiro. | Bildquelle: REUTERS

Bolsonaros Bildungspolitik "Uns fehlt es an allem"

Stand: 16.05.2019 09:15 Uhr

Um rund 30 Prozent will Brasiliens Präsident die Ausgaben für Universitäten kürzen. Die Ankündigung hat zu den ersten landesweiten Protesten gegen Bolsonaro geführt. Der spricht von "nützlichen Idioten".

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Buenos Aires

Studierende, Dozenten, Schüler sind gegen die Sparpolitik der Regierung von Jair Bolsonaro im Aufstand. Allein in Rio de Janeiro sollen es 150.000 gewesen sein, die sich auch von heftigen Regenfällen nicht abhalten ließen. Es ist der erste landesweite Massenprotest gegen Brasiliens rechten Präsidenten.

Ein Professor der Bundesuniversität von Rio de Janeiro sagt, dass die katastrophale Bildungspolitik der Regierung die Studenten aufgeweckt habe: "Entweder gehen wir jetzt auf die Straße oder es wird noch schlimmer werden."

Hunderttausende Brasilianer demonstrieren gegen die Bildungspolitik von Präsident Bolsonaro
tagesschau 17:00 Uhr, 16.05.2019

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Chaos an den Universitäten

Ein Viertel des Budgets für Unterhaltskosten der Universitäten soll vorerst eingefroren werden: für Strom, Wasser, Reinigung, an manchen Hochschulen sogar noch mehr. Eine Katastrophe, sagt die 23-jährige Pharmazie-Studentin Ariana. Innerhalb der Uni herrsche das Chaos: "Uns fehlt es an allem, an Hörsälen, manche Kurse haben keinerlei Räumlichkeiten. Und mit diesen Kürzungen haben wir nur noch Geld für einen Monat Betrieb." Es sei überlebenswichtig, dass sie weiter kämpften - damit die Uni nicht die Tore schließen muss.

Forschungsbudget soll eingefroren werden

Dabei geht es längst nicht nur um einzelne Institute. Auch das Forschungsbudget soll eingefroren, Stipendienprogramme gestrichen werden. Betroffen davon ist auch Infrastruktur, die direkt von den Universitäten abhängt. "Unsere Uni unterstützt in hohem Maße die Forschung, und zudem hat sie zahlreiche Unikliniken, wo viele Menschen behandelt werden", erzählt die Studentin Mariana. "Nicht nur das Studium wird also getroffen, sondern eine ganze Bevölkerungsgruppe verliert da ihre Behandlungsmöglichkeiten. Das ist ein großer Verlust."

Brasiliens Präsident Bolsonaro | Bildquelle: Joedson Alves/EPA-EFE/REX
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Für Brasiliens Präsidenten Bolsonaro sind die Demonstranten "nützliche Idioten".

Mariana ist 19 und studiert Sozialpädagogik. In Bolsonaros Augen wäre sie wahrscheinlich ein typischer linker Nichtsnutz - jedenfalls stempelte Brasiliens Präsident, der zeitgleich in den USA, in Dallas, Texas unterwegs war, die Protestierenden als solche ab:

"Die meisten sind ja Aktivisten, die nichts im Kopf haben. Wenn du die fragst, was ist sieben mal acht, oder die Formel für Wasser, dann wissen sie es nicht. Sie wissen gar nichts. Das sind nützliche Idioten, Schwachköpfe, die als Manövriermasse einer kleinen Gruppe von Schlaumeiern dienen, die den Kern unserer Bundesuniversitäten in Brasilien ausmachen."

Protest als Probe für den Generalstreit

Brasiliens Haushalt ist in Schieflage. Nun hat Bolsonaro Kürzungen in vielen Bereichen angekündigt, doch im Bildungssektor scheint es um weit mehr zu gehen. Schulen sollen diszipliniert, und Universitäten, die ihm als Brutstätten des "kulturellen Marxismus" gelten, entpolitisiert werden - auch Grundlagenforschung hat unter seinen Unterstützern, darunter viele erzkonservative evangelikale Pfingstkirchlern, kein Standing.

Die Pharmazie-Studentin Ariana sagt, dass Bolsonaro nichts mag, was gegen ihn geht: "Er ist eine Person voller Vorurteile, ist Rassist, und alles was er kürzen kann, um seinen Willen durchzusetzen, wird er machen. Deswegen müssen wir auf die Straße gehen - und wir dürfen nicht zulassen, dass er uns den Mund verbietet."

Für Beobachter gilt der Bildungsprotest als Probe für den Generalstreik, mit dem am 14. Juni gegen die geplante Rentenreform demonstriert werden soll - eines der zentralen Projekte Bolsonaros, das ihm einst die Unterstützung der Wirtschaft einbrachte.

Zehntausende gegen Bolsonaros Kürzungen bei Bildung
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
16.05.2019 08:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2019 um 09:00 Uhr.

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Anne Herrberg, BR

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