Känguru auf der Känguru-Insel | Bildquelle: REUTERS

Nach Bränden und Regenfluten Weiter so in Australien?

Stand: 02.03.2020 09:02 Uhr

Nach den Jahrhundertbränden und den Wassermassen ergrünt Australien derzeit wieder. Doch die Erholung der Natur ist trügerisch: Denn die Langzeitfolgen bedrohen den Kontinent.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur, zzt. Sydney

Die Vögel sind zurück in den australischen Brandregionen. Flötenvögel, Regenbogenpapageien, Schwärme schneeweißer Kakadus. Sattgrüne Wiesen, wo vor wenigen Wochen nur verdorrtes braunes Unterholz war - auf Hitze und Dürre folgten sintflutartige Regenfälle. Selbst aus verbrannten, schwarzverkohlten Baumstämmen sprießt frisches Grün.

Kaputte Bäume müssen gefällt werden, bevor der Wind sie umwirft. Aber viele Australier plädieren für kompletten Kahlschlag rund um Wohnsiedlungen - um dem Feuer in der nächsten Brandsaison die Nahrung zu nehmen. Obwohl sich gezeigt hat, dass Funken bis zu 20 Kilometer weit fliegen. In Balmoral - 100 Kilometer südlich von Sydney - spalteten die Bäume die Gemeinde, erzählt Kate.

"Eine Menge Anwohner hier sehen Bäume als ihre Feinde - und hauen sie um, wo und wann immer sie können. Natürlich ist das verboten, aber die vorherrschende Philosophie hier ist: Auf meinem Besitz kann ich machen, was ich will." Deshalb seien viele Grundstücke mit Autowracks und anderem Mülll vollgestellt gewesen, was es dem Feuer leicht gemacht habe. "Aber die Leute denken, die Natur wird schon wieder zurückkommen, das hat sie schließlich immer gemacht."

Blätter beginnen aus dem Stamm eines verbrannten Baumes in der Nähe von Nattai (Australien) zu sprießen | Bildquelle: AP
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Blätter beginnen aus dem Stamm eines verbrannten Baumes in der Nähe von Nattai (Australien) zu sprießen. Nach den Feuern und dem sintflutartigen Regen sprießen in einigen abgebrannten Wäldern wieder grüne Knospen.

Obstbauern vor dem Nichts

Bauernmarkt in Bilpin, in den Blue Mountains: Die Gegend ist berühmt für ihren Obstanbau - doch von vielen Plantagen blieb nur schwarze Asche. Viele Farmer stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Sie wissen nicht, wie es weitergeht.

"Ich habe schätzungsweise 90 Prozent meiner Apfelbäume verloren - gerade mal 50 sind mir geblieben", erzählt ein Bauer. "Außerdem Scheunen, Maschinen, Traktoren. Naja, und neben den Obstanbau habe ich von Touristen gelebt - Abendessen organisiert in den Obstgärten, das ist ja jetzt auch vorbei. Ich kann also noch gar nicht genau sagen, wie groß der Schaden ist."

Teilweise leben die Menschen bis heute in Zelten zwischen den Trümmern - viele Ruinen müssen wegen Asbestbelastung professionell entsorgt werden, es fehlt an Konzepten. Felder, Obstplantagen, Fabriken brannten nieder, Millionen Kubikmeter Bauholz wurden mit den Wäldern vernichtet.

Great Barrier Reef vor der Zerstörung

Die Schätzungen über die Schäden durch die Brände schwanken zwischen 100 und 200 Milliarden Dollar. Nicht eingerechnet: die Langfristfolgen der immer extremeren Dürren für die Landwirtschaft. Ein Fünftel aller Farmer musste aufgeben, erstmals gab es Weizenimporte.

Außerdem: Flutkatastrophen. Der Klimawandel zeige sich von seiner schlimmsten Seite in Australien, ist der Forscher Professor Tim Flannery überzeugt. Die Korallenbleiche zerstört das Great Barrier Reef, Touristen mögen sich beeilen, wenn sie es noch besuchen wollen, denn lange werde es das Weltnaturerbe nicht mehr geben.

Weiter mit Kohle

Trotzdem setzt die Regierung nach wie vor auf Kohle - Australien ist das größte Kohleexportland der Welt. Dabei hängen gerade mal 50.000 Arbeitsplätze an der Kohle in einem Land, das die halbe Welt mit Sonnenenergie versorgen könnte. Aber es geht dabei auch ums Image: Ohne Kohle wäre Australien ein Agrarland mit schöner Landschaft.

Dabei sei genau das der größte Schatz, meint Klimaforscher Flannery: "Wir leben in einem bezaubernden Land - aber wie lange noch? Ich spüre wirklich, dass dies der Jetzt-oder-nie-Moment ist, um mein Land noch zu retten."

Grün aus der Asche - Australien nach den Jahrhundertbränden
Holger Senzel, ARD Singapur, zzt. Sydney
02.03.2020 09:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2020 um 06:42 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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