Demonstration für Wikileaks-Gründer Julian Assange in Ecuadors Hauptstadt Quito | Bildquelle: REUTERS

Ecuador Assange-Mitarbeiter festgenommen

Stand: 12.04.2019 09:00 Uhr

Nach der Verhaftung von WikiLeaks-Gründer Assange gehen die Behörden in Ecuador gegen dessen Umfeld vor. Ein Vertrauter wurde in Quito festgenommen. Politiker in den USA fordern, Assange vor Gericht zu stellen.

In Ecuador ist ein Mitarbeiter von WikiLeaks-Gründer Julian Assange festgenommen worden. Innenministerin María Paula Romo sagte dem Radiosender Sonorama, die Festnahme in der Hauptstadt Quito sei erfolgt, als der "sehr enge" Mitarbeiter Assanges nach Japan habe reisen wollen.

Angaben zur Identität des Festgenommenen machte die Ministerin nicht. Einem Medienbericht zufolge soll es sich um einen Schweden handeln, der auf Sicherheitstechnologie und Verschlüsselung spezialisiert ist.

Eine "Schlüsselfigur" von WikiLeaks

Innenministerin Romo hatte den Mann zuvor mit Versuchen in Verbindung gebracht, die Regierung von Präsident Lenín Moreno zu "destabilisieren". Der Festgenommene lebe schon seit Jahren in Ecuador und sei eine der "Schlüsselfiguren" von WikiLeaks. In der Vergangenheit habe er Auslandsreisen mit dem früheren ecuadorianischen Außenminister Ricardo Patiño unternommen.

Assange war gestern nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden. Quito hatte zuvor das politische Asyl für den 47-jährigen Australier aufgehoben, der wegen der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente vielen in den USA als Staatsfeind gilt. Der Zugriff am Vormittag erfolgte laut Scotland Yard aufgrund einer Gerichtsanordnung von 2012 wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen.

Ein Gericht in London sprach den 47-Jährigen wenige Stunden später in diesem Punkt schuldig. Diese Straftat kann mit bis zu einem Jahr Gefängnis geahndet werden.

Bis zu fünf Jahre Haft

In den USA wurde der Australier nach Angaben des Justizministeriums wegen Verschwörung zur Attacke auf Regierungscomputer angeklagt. Dafür drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. 

Die Vorwürfe beziehen sich auf die WikiLeaks-Publikationen Hunderttausender geheimer Regierungsdokumente in den Jahren 2010 und 2011, die WikiLeaks von der früheren US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren. 

Julian Assange in einem Polizeiwagen | Bildquelle: AP
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Julian Assange in einem Polizeiwagen nach seiner Festnahme in London. In den USA wurde der wegen Verschwörung zur Attacke auf Regierungscomputer angeklagt.

Schaden für Clinton im US-Wahlkampf

Darüber hinaus hatte die Enthüllungsplattform im Präsidentschaftswahlkampf 2016 E-Mails der demokratischen Partei veröffentlicht und damit der damaligen Kandidatin Hillary Clinton geschadet.

Clinton sagte nun bei einer Veranstaltung in New York, Assange müsse sich für seine mutmaßlichen Straftaten vor Gericht verantworten. "Aus der Anklage, die öffentlich geworden ist, geht hervor, dass es um die Unterstützung beim Hacken eines Militärcomputers geht, mit dem Ziel, Informationen der US-Regierung zu stehlen. Ich werde warten und sehen, was mit den Anklagepunkten passiert und wie das Ganze weitergeht."

Auch Republikaner fordern Anklage

Auch unter den republikanische US-Senatoren ist die Meinung verbreitet, Assange in den USA zu Rechenschaft zu ziehen. Senator Jerry Moran sagte, Assange müsse sich verantworten, für die Taten, die er verübt haben soll. "Es geht also zum einem um Gerechtigkeit, und zum anderen bekommen wir Informationen zum russischen Einfluss auf die US-Wahl 2016."

Senator Richard Burr sagte, Assange habe Amerikaner in Lebensgefahr gebracht. "Er soll einen fairen Prozess bekommen - aber einen, der urteilt auf der Basis der Verstöße gegen die nationale Sicherheit in diesem Land."

Australiens Premierminister Scott Morrison schließt eine Einmischung seiner Regierung in den Fall Assange aus. Das sei "Sache der USA" und habe "nichts mit uns zu tun", sagte Morrison laut lokalen Medien.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 12. April 2019 um 09:30 Uhr.

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