Afghanische Sicherheitskräfte stehen neben einem ausgebrannten Auto in Kabul. | Bildquelle: HEDAYATULLAH AMID/EPA-EFE/REX

Afghanistan Zwölf Tote bei Anschlag in Kabul

Stand: 13.11.2019 16:07 Uhr

Nur einen Tag nach der Ankündigung des afghanischen Präsidenten Ghani, drei hochrangige Taliban freizulassen, detoniert in Kabul eine Autobombe. Es sterben mindestens zwölf Menschen, weitere werden verletzt.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Eine schwere Explosion erschütterte am frühen Morgen die Region um das Innenministerium in Kabul. Im Stadtteil Qasaba, an der Straße zum Flughafen, hat sich offenbar ein Selbstmordattentäter in seinem Fahrzeug in die Luft gesprengt. Medienberichten zufolge war wahrscheinlich ein Konvoi aus Regierungsfahrzeugen das Ziel des Anschlags.

Unter den Opfern seien vor allem Zivilisten gewesen. "Ich saß in meiner Bäckerei, als die Bombe explodierte. Der Druck hat mich völlig umgerissen", schildert Tajuddin, ein Augenzeuge. "Als ich wieder hoch kam, war die ganze Gegend von Geröll und Staub bedeckt und überall lagen Scherben. Zwei tote Kinder habe ich gesehen."

Taliban-Freilassung angekündigt

Gestern hatte Afghanistans Präsident Ashraf Ghani die Freilassung von drei gefangenen Taliban-Kämpfern bekannt gegeben, darunter Mitglieder des sogenannten Hakkani-Netzwerkes, das für zahlreiche schwere Anschläge verantwortlich war, unter anderem den Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul im Mai 2017.

Im Gegenzug sollen zwei vor fast drei Jahren entführte Universitätsprofessoren freigelassen werden, ein US-Staatsbürger und ein Australier. Damit solle der Weg für Friedensverhandlungen geebnet werden, sagte Ghani: "Wir haben zusammen mit unseren internationalen Partnern, vor allem mit den USA, Vorsorge getroffen, dass die Freilassung dieser drei Gefangenen nicht dazu führt, dass unsere Feinde stärker werden und ihre Angriffe intensivieren."

1200 getötete Zivilisten in drei Monaten

In Afghanistan kommt es immer wieder zu Entführungen und Anschlägen. Nach einem im Oktober veröffentlichten UN-Bericht wurden zwischen Juli und September dieses Jahres fast 1200 Zivilisten getötet, mehr als 3100 wurden verletzt. Die afghanische Regierung steht unter großem Druck, für Frieden zu sorgen. Bislang weigern sich die Taliban, mit Präsident Ghani und anderen Regierungsmitgliedern zu verhandeln.

Yunus Usmani, ein Passant auf den Straßen der afghanischen Hauptstadt, sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AP: "Dieser Anschlag hier ist doch die Konsequenz der Freilassung von Anas Haqqani und anderen Terroristen. Ich verstehe gar nicht, warum die Regierung so viel Angst hat vor den Taliban. Die sollten nicht so viel Geld für den Friedensprozess verschwenden, sondern mehr Waffen und Munition kaufen, damit sie diese Barbaren aus Afghanistan vertreiben können."

Verhandlungen erst bei Waffenstillstand

Im September hatte US-Präsident Donald Trump die monatelangen Gespräche mit den Taliban für tot erklärt. Ende Oktober startete der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, erneut Sondierungsgespräche in der Region. Die Taliban hatten immer wieder ihre Bereitschaft bekundet, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die afghanische Regierung verlangt zunächst einen Waffenstillstand.

Afghanistan: Tote und Verletzte durch Autobombe in Kabul
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
13.11.2019 10:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. November 2019 um 11:00 Uhr.

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