Die Zentrale des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard | Bildquelle: REUTERS

Aussage vor U-Ausschuss Wirecard-Manager in Gefahr?

Stand: 13.11.2020 18:00 Uhr

Aus Sicherheitsgründen will die Staatsanwaltschaft München verhindern, dass frühere Wirecard-Top-Manager persönlich vor dem Untersuchungsausschuss aussagen. Bundestagsabgeordnete sehen das anders.

Von Massimo Bognanni, Lena Kampf und Reiko Pinkert, WDR/NDR

Die E-Mail vom 11. November an die Mitglieder des Wirecard-Untersuchungsausschusses ist nur wenige Absätze lang. Doch sie birgt Konfliktpotential. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft München erklären darin nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung", dass frühere Top-Manager des inzwischen insolventen DAX-Konzerns nicht persönlich zur Ausschusssitzung am kommenden Donnerstag erscheinen sollen. Vielmehr empfehlen die Strafverfolger den Parlamentariern eine Befragung per Video-Schalte.

Konkret geht es um die in Berlin mit Spannung erwartete Aussage eines Wirecard-Kronzeugen, der den Ermittlern in München bereits zahlreiche Informationen über den mutmaßlichen Milliardenbetrug geliefert haben soll. Ebenso finden sich zwei frühere Top-Manager auf der Vernehmungsliste, die in Untersuchungshaft sitzen. Einer von ihnen ist der frühere Wirecard-Chef Markus Braun, der alle Vorwürfe bestreitet.

Sorge um die Sicherheit der Kronzeugen

In ihrer Mail sorgt sich die Staatsanwaltschaft nun um die Sicherheit der Betroffenen. Eine Befragung in Berlin erhöhe die Gefahr einer Attacke durch Dritte. So habe die Pleite des Konzerns viele enttäuschte Anleger auf den Plan gerufen, die ein Risiko für die Beschuldigten darstellen könnten. Als weitere Gefahrenquelle nennen die Ermittler das mögliche Umfeld des geflohenen Ex-Wirecard Vorstands Jan Marsalek, der über "sehr gute Geheimdienstkontakte in mehrere Länder, insbesondere nach Russland verfügen soll".

Die Strafverfolger führen zudem die Sorge ins Feld, das Trio könne sich im Umfeld des Untersuchungsausschusses absprechen oder aufeinander Einfluss nehmen. Nicht ohne Grund seien der Kronzeuge und die beiden Ex-Vorstände in drei unterschiedlichen Gefängnissen untergebracht.

Und auch die Corona-Pandemie spreche dafür, die in den bayerischen Gefängnissen gegebene Möglichkeit der Videoschalte zu nutzen. Schließlich müssten sonst drei Beschuldigte, von Polizeibeamten eskortiert, von Bayern nach Berlin gebracht werden, inklusive zweier Übernachtungen der Beschuldigten in Berliner Gefängnissen. Dies sei "sehr problematisch", befinden die Münchner Staatsanwälte.

Abgeordnete protestieren

Im Deutschen Bundestag sieht man die Sache hingegen vollkommen anders. Über die Parteigrenzen hinweg wollen Mitglieder des Untersuchungsausschusses nicht auf das Recht der persönlichen Befragung verzichten.

Im Untersuchungsausschuss hat man die Bedenken sorgfältig geprüft. "Es kann nicht sein, dass wir bei unseren wichtigsten Wirecard-Zeugen auf den persönlichen Eindruck verzichten", sagt Matthias Hauer (CDU). Auch die Obleute von FDP, Linkspartei und Bündnis 90/Die Grünen bestehen darauf, "dass eine Vernehmung bei Anwesenheit der Zeugen im Sitzungssaal erforderlich ist". "Eine persönliche Vernehmung ist deutlich effizienter als eine Schalte", meint auch Jens Zimmermann von der SPD.

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