Nordsee | Bildquelle: picture alliance/dpa

Pläne für Weltraumbahnhof Von der Nordsee ins All?

Stand: 07.09.2020 12:05 Uhr

Die deutsche Wirtschaft will ins All: Von einer Plattform in der Nordsee sollen einmal Mini-Raketen mit Satelliten starten. Dafür wirbt der BDI - und stößt beim Wirtschaftsministerium auf offene Ohren.

Die Bundesregierung will die Idee eines deutschen Weltraumbahnhofs für kleinere Raketen prüfen. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte entsprechende Medienberichte. Das "Handelsblatt" hatte über entsprechende Gespräche bei einem Treffen von Unternehmen und Beamten des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag berichtet. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) habe ein Konzept vorgelegt, dieses werde nun genau geprüft.

"Machbar und sinnvoll"

Der BDI hatte im Juli in einer Veröffentlichung für eine solche Startplattform in der deutschen Nordsee geworben. Demnach wäre ein solcher "Offshore-Weltraumbahnhof" gut geeignet für kleinere Trägerraketen mit einer Nutzlast von bis zu einer Tonne.

Das Konzept des BDI sieht einen Startplatz für Kleinraketen in der Nordsee vor - eine mobile Startplattform in Form eines privatwirtschaftlichen Betreibermodells mit staatlicher Unterstützung. Ein entsprechendes Strategiepapier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

"Eine deutsche Startplattform ist technisch machbar, strategisch und wirtschaftlich sinnvoll", heißt es. Die Realisierung sei eine politische Entscheidung und keine technische Frage. Ein deutscher Startplatz sollte allen europäischen und internationalen Partnern zur Nutzung offen stehen. Raumfahrt sei für die gesamte deutsche Industrie von zentraler Bedeutung, heißt es in dem Papier.

Es gebe drei private Hersteller von sogenannten Microlaunchern in Deutschland, die 2021/22 auf den Markt kommen sollten. Keines der drei Unternehmen verfüge aber über einen vertraglichen Startplatz in Europa, heißt es. Die Machbarkeitsanalyse einer Firma komme zu dem Ergebnis, dass eine mobile Startplattform in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee für den Start von kleinen Trägerraketen in "polare- und sonnensynchrone Orbits" geeignet sei.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier hatte sich bereits im vergangenen Jahr aufgeschlossen für die Errichtung eines deutschen Weltraumbahnhofs gezeigt.

Kostenpunkt 30 Millionen?

Laut "Handelsblatt" würde ein Startplatz auf einer Plattform in der Nordsee den Bund rund 30 Millionen Euro kosten. Die größten Probleme würden laut Gesprächsverlauf vermutlich politische und regulatorische Frage aufwerfen. Unter anderem planten auch die EU- und NATO-Partner Schweden und Norwegen bereits solche Startrampen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2020 um 13:00 Uhr.

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