Windräder stehen auf Feldern | dpa

50 Prozent Zuwachs An Land gehen mehr Windräder ans Netz

Stand: 02.11.2021 09:30 Uhr

Der Windkraftausbau an Land ist in diesem Jahr bisher deutlich schneller vorangekommen als im Vergleichszeitraum 2020. Um die Energiewende-Ziele zu erreichen, fordern Fachverbände, den Ausbau weiter zu beschleunigen.

Der Ausbau der Windkraft an Land ist in Deutschland seit Jahresbeginn deutlich schneller vorangekommen als im Vergleichszeitraum 2020. Zwischen Januar und September 2021 wurden nach Angaben der Fachagentur Windenergie an Land 345 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 1,4 Gigawatt ans Netz genommen. Das ist ein Plus von mehr als 50 Prozent gegenüber den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres. Der im laufenden Jahr bereits erreichte Windkraft-Zubau entspricht damit in etwa der im Gesamtjahr 2020 installierten Leistung.

Zwei Gigawatt 2021 möglich

Hermann Albers, Präsident des Bundesverband Windenergie, hält es für möglich, dass im Gesamtjahr 2021 die Marke von zwei Gigawatt neu in Betrieb genommener Windkraftleistung erreicht wird. Dafür sei aber ein starkes viertes Quartal nötig, sagte Albers der Nachrichtenagentur dpa.

Die seit Jahresbeginn neu ans Netz genommenen Windkraftanlagen verteilen sich regional sehr unterschiedlich. Brandenburg ist mit 76 neuen Windenergieanlagen Spitzenreiter in der Statistik, vor Niedersachsen (71), Nordrhein-Westfalen (50) und Schleswig-Holstein (48). Im flächenmäßig größten Bundesland Bayern waren es dagegen nur acht neue Anlagen. Der Nettozubau, also die Erhöhung der Windkraftleistung insgesamt, beträgt allerdings nur 1,2 Gigawatt, weil eine Reihe von Anlagen im laufenden Jahr stillgelegt wurden.

Forderungen an die Politik

Auch wenn im laufenden Jahr zwei Gigawatt zusätzliche Windleistung an Land erreicht werden sollten, läge der Wert noch weit unter den Zielvorgaben für die Energiewende in Deutschland. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollen in Deutschland bis 2030 rund 71 Gigawatt an Land installiert sein. Dies würde laut Umweltbundesamt einen Zubau von vier bis sieben Gigawatt pro Jahr erfordern.

Albers zufolge müssten dafür schnell mehr Flächen bereitgestellt werden. Deshalb sei es unerlässlich, "dass die neue Bundesregierung hier eine klare Prämisse setzt. Zwei Prozent in jedem Bundesland muss zur Pflicht werden". Albers warnt ansonsten vor Stromengpässen in den kommenden Jahren, besonders im Süden des Landes. Die Forderung nach zwei Prozent der Landesfläche entspricht auch den Zielen der Parteien SPD, Grünen und FDP in ihrem Sondierungspapier zur möglichen Bildung einer Ampelkoalition.

Offshore-Ausbau läuft schleppend

Im Gegensatz zum Ausbau der Windkraft an Land ist der "Offshore"-Ausbau der Windenergie, also der Windanlagen auf der See, im laufenden Jahr ins Stocken geraten. Im Jahr 2021 wird, es laut dem Bundesverband Windenergie erstmals seit zehn Jahren keinen Zubau bei der Windenergie auf See geben. 2014 hatte die Bundesregierung die Ausbauziele von Windstrom im Meer deutlich gedrosselt, aus Sorge, hohe Strompreise könnten die Bürger verärgern.

Mittlerweile wurden die Vorgaben aber wieder nach oben geschraubt: Bis 2030 sollen 20 Gigawatt installiert sein. Bis 2040 soll die Leistung dann sogar auf 40 Gigawatt verdoppelt werden. Zwischenzeitlich haben sich aber viele Anbieter aus dem Markt zurückgezogen oder sind ins Ausland abgewandert. Einer der größten Windkraft-Konzerne, Siemens Gamesa, liefert derzeit vor allem nach Großbritannien, die Niederlande oder Taiwan.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. November 2021 um 13:00 Uhr.