Ein Starenschwarm fliegt bei Sonnenaufgang vor einem Windrad im Landkreis Peine.   | dpa

Windkraftausbau stockt Die große Flaute

Stand: 26.01.2021 09:18 Uhr

Die Windenergie liefert den größten Teil des Ökostroms in Deutschland. Doch der Ausbau der Windräder ist 2020 erneut nur langsam vorangekommen.

Von Martin Polansky, ARD-Hauptstadtstudio

Beim Ausbau der Windkraftanlagen an Land herrschte auch im vergangenen Jahr ziemliche Flaute. Nach vorläufigen Berechnungen, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegen, sind rund 1400 Megawatt an Leistung hinzugekommen. Jährlich 4000 Megawatt waren es dagegen durchschnittlich zwischen 2013 und 2018.

Martin Polansky ARD-Hauptstadtstudio

Ein Lichtblick für die Branche: Im Jahr 2020 gingen etwas mehr Anlagen ans Netz als 2019 - das vorvergangene Jahr war allerdings auch der Tiefpunkt beim Ausbau der Windräder seit der Jahrtausendwende. Die Zahlen sind eine Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land. Als Grund für den leichten Anstieg im letzten Jahr sieht Jürgen Quentin von der Fachagentur die etwas bessere Genehmigungslage als 2019.

Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, beklagt trotz des leicht positiven Trends, dass es weiter zu viele Hürden gebe: "Der wichtigste Schritt ist, wir brauchen mehr Genehmigungen und eine gute Abstimmung mit den Bundesländern zur Bereitstellung von ausreichend Fläche für die Ziele des Klimaschutzes in Deutschland. Wenn uns das gelingt, wird die Windkraft sich durchsetzen und sie wird weiterhin Nummer eins im deutschen Kraftwerkspark sein."

Weiterhin große regionale Unterschiede

Nach den vorläufigen Zahlen gibt es weiter ein starkes Nord-Süd-Gefälle beim Ausbau. Am meisten Anlagen hinzugekommen sind in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Besonders wenige neue Anlagen verzeichnen Sachsen, das kleine Saarland und auch die großen Flächenländer Bayern und Baden-Württemberg.

Andreas Lenz von der CSU, Experte für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung, verweist auf unterschiedliche Bedingung im Norden und Süden: "Letztlich ist es natürlich so, dass im Süden der Republik auch der Wind nicht so häufig weht. Der Süden hat da natürlich andere Voraussetzungen. Im Süden haben andere Erneuerbare stärkere Wirkungsgrade und stärkere Möglichkeiten auch bei der Umsetzung."

Der Süden setzt auf Photovoltaik

Bayern und Baden-Württemberg verweisen daher regelmäßig darauf, dass sie beim Solarstrom vorne liegen. Und insbesondere die Photovoltaik soll zukünftig ausgebaut werden. Ziel der Bundesregierung ist es, die Stromkapazitäten aus Solar bis 2030 zu verdoppeln, die Kapazität der Windräder an Land soll dagegen um ein Drittel erhöht werden. In zehn Jahren könnte die Photovoltaik eine wichtigere Rolle spielen als Onshore-Wind.

Größtes Problem beim Windausbau: Vielerorts wehren sich Bürger gegen neue Windanlagen, bundesweit gibt es Hunderte Klagen. Niedersachsen Umwelt- und Energieminister Olaf Lies von der SPD beschrieb die Lage im windreichen Niedersachsen kürzlich so: "Wir sehen, wie schleppend wir beim Ausbau der Windenergie vorankommen. Der allergrößte Teil selbst der genehmigten Projekte in Niedersachsen liegt vor Gericht. Das liegt vor allem daran, dass es persönliche Klagegründe gibt - auch das Gesundheitsargument. Und es gibt das Thema des Artenschutzes. Das heißt, wir haben ein Riesenproblem beim Ausbau der Windenergie."

Durchwachsene Aussichten - trotz Reform

Die Bundesregierung will vor allem mit dem gerade reformierten Erneuerbare-Energien-Gesetz mehr Anreize schaffen. So sollen Kommunen künftig stärker finanziell von Windrädern profitieren können. Zudem gilt seit kurzem, dass für Klagen gegen Windanlagen der Instanzenzug gesetzlich verkürzt wurde, um die Verfahren zu beschleunigen, was die Windbranche ausdrücklich begrüßt. Wenn es nach dem Bundesverband Windenergie geht, sollten zwei Prozent der Fläche in Deutschland für Windräder zur Verfügung gestellt werden.

Die Aussichten für den Windkraftausbau in den kommenden Jahren sind durchwachsen. So ist 2020 die Zahl der Projekt-Genehmigungen zwar gestiegen. Andererseits gab es vergangenes Jahr meist zu wenige Bewerber bei den wichtigen Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur. Sprich: Eigentlich vorgesehene Ausbaukapazitäten bleiben liegen, weil es an Investoren und Projekten mangelt.

Ein Grund dafür könnten auch die Kosten sein. Seit 2017 müssen Betreiber von Windanlagen strenger finanziell kalkulieren, weil die Bundesregierung die Energiewende wirtschaftlicher gestalten will. Seit dieser Verfahrensänderung gingen die Ausbauzahlen nach unten.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. Januar 2021 um 09:18 Uhr.