Der Schriftzug "Wasserstoff" steht auf einer Leitung in einer Anlage zur industriellen Produktion von Methangas in Werlte, Niedersachsen. | dpa

Bund fördert 62 Projekte Acht Milliarden für Wasserstoff

Stand: 28.05.2021 13:30 Uhr

Wasserstoff gilt als der Energieträger der Zukunft. Die Bundesregierung hat nun Dutzende Projekte ausgewählt, die mit mehr als acht Milliarden Euro gefördert werden sollen - darunter auch ein Autobauer.

Für die deutsche Industrie ist das Thema Wasserstoff von zentraler Bedeutung. Sowohl die Autobauer, als auch die Stahl- und Chemieproduzenten setzen große Hoffnungen auf das klimaneutrale Gas. Um den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur zu finanzieren, sollen nun 62 deutsche Projekte im Rahmen einer großen europäischen Wasserstoff-Allianz mit mehr als acht Milliarden Euro staatlich gefördert werden.

Damit könnten in diesem Bereich weitere Investitionen "für ungefähr den vierfachen Betrag" ausgelöst und in den nächsten Jahren "viele Millionen Tonnen CO2" eingespart werden, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Ein solches Vorhaben habe es in dieser Größenordnung im industriepolitischen und klimapolitischen Bereich noch nicht gegeben. "Wir sind dabei, bei Wasserstoff die Nummer eins in der Welt zu werden," so Altmaier. Gefördert werden nun Projekte im Rahmen eines sogenannten IPCEI im Wasserstoffbereich, also eines Vorhabens von gemeinsamem europäischen Interesse (Important Project of Common European Interest). 

"Wasserstoff ist nicht zu teuer"

Mit Blick auf den Verkehrsbereich erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dass dieser derzeit "noch zu mehr als 95 Prozent vom Einsatz fossiler Energien abhängig" sei. "Daher brauchen wir dringend Mobilität, die auf erneuerbare Energien setzt." Viele sagten, Wasserstoff sei "der Champagner unter den alternativen Kraftstoffen - viel zu teuer, viel zu knapp und viel zu aufwendig in der Herstellung", so Scheuer. "Wir sagen, das ist falsch." Wasserstoff werde stattdessen "als das Tafelwasser" gebraucht, vor allem für die Mobilität.

DIW-Expertin Claudia Kemfert hatte beim ersten Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel kürzlich vor zu viel Euphorie gewarnt: "Wasserstoff ist nicht das neue Öl. Er wird nur eine Nebenrolle, wenn auch eine wichtige spielen. Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende."

Von den insgesamt rund acht Milliarden Euro an Fördergeldern sollen rund 4,4 Milliarden Euro (50 Projekte) aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommen und 1,4 Milliarden Euro (zwölf Projekte) aus dem Verkehrsministerium. Die übrigen Fördermittel werden nach Angaben der Bundesregierung von den Bundesländern zur Verfügung gestellt. Insgesamt sollen so Investitionen in Höhe von 33 Milliarden Euro ausgelöst werden, davon über 20 Milliarden Euro von privaten Investoren.

Von BMW über Linde und ThyssenKrupp

Die nun geförderten Projekte wurden aus über 230 eingegangenen Anträgen unterschiedlichster Unternehmen und Branchen ausgewählt. Mit Arcelor-Mittal, Stahl Holding Saar, Salzgitter Stahl und Thyssenkrupp Steel hatten etwa alle in Deutschland tätigen Stahlerzeuger Investitionspläne eingereicht, von denen etliche nun staatlich unterstützt werden. Auch Projekte aus der Chemieindustrie, darunter von BASF, und anderen energieintensiven Unternehmen, sind dabei.

Die zwölf vom Bundesverkehrsministerium geförderten Vorhaben betreffen die Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellen-Systemen und Fahrzeugen. Zu den Profiteuren der Förderung gehört der Münchner Autobauer BMW. Außerdem soll der Aufbau einer bundesweiten und grenzüberschreitend vernetzten Wasserstoff-Betankungsinfrastruktur gefördert werden. Dabei gibt es in diesem Bereich bereits konkrete Projekte. So kündigte der Gasehersteller Linde kürzlich an, bis 2022 auf dem Gelände des Chemiestandortes Leuna in Sachsen-Anhalt den größten Wasserstoff-Elektrolyseur der Welt mit 24 Megawatt Leitung in Betrieb zu nehmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Mai 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.