Serverraum bei Alpine Mining |

Klima-Kosten der Kryptowährung Stromfresser Bitcoin

Stand: 22.02.2021 11:08 Uhr

Der Höhenflug der virtuellen Währung Bitcoin hat sehr reale Nebenwirkungen: Damit neues Kryptogeld entstehen kann, verbrauchen Großrechner immer mehr Strom - inzwischen so viel wie die Niederlande.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Der Bitcoin eilt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Zeitweise kratzte der Kurs zuletzt schon an der Marke von 60.000 Dollar. Die Kryptowährung wird für risikofreudige Anleger immer attraktiver. Und je höher der Kurs, desto mehr lohnt sich das sogenannte Bitcoin-Mining, also das Ausrechnen neuer Zahlencodes für das Kryptogeld mit Hilfe von Großrechnern. Aber mit dem Erfolg wendet sich der Blick auch den Kosten und Nebenwirkungen zu, die mit dem Mining verbunden sind. Der Bitcoin mag eine virtuelle Währung sein, aber der erforderliche Energieverbrauch, um Bitcoins herzustellen, ist real - und gigantisch hoch.

Das Cambridge Centre for Alternative Finance (CCAF) befasst sich mit diesem Thema und hat dazu einen Index erstellt. Der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index soll praktisch in Echtzeit einschätzen, wieviel Strom aktuell für das Mining aufgewendet wird. Die Daten werden dann auf das Jahr hochgerechnet. Der ermittelte Wert liegt derzeit bei rund 120 Terawattstunden. Das ist mehr, als die Niederlande im Jahr an Strom verbrauchen. Der jährliche Stromverbrauch Deutschlands beträgt rund 524 Terawattstunden.

Bereits rund 0,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs eines Jahres würden für das Bitcoin-Mining aufgewendet, wobei sich das CCAF auf Verbrauchsdaten des Jahres 2016 der International Energy Agency bezieht.  

Auch andere Kryptowährungen energieintensiv

Die Bandbreite der Schätzungen ist aber groß, andere Experten errechnen einen geringeren Verbrauch: Laut Bitcoin Energy Consumption Index von "Digiconomist", eine Datensammlung des Ökonomen und Datenanalysten Alex de Vries, soll der geschätzte Stromverbrauch 2021 bei knapp 78 Terawattstunden liegen. Das entspräche immerhin noch dem Stromverbrauch Chiles.

Es ist übrigens nicht nur der Bitcoin, der den Stromverbrauch in die Höhe treibt. Die Erstellung der Kryptowährung Ethereum ist ebenfalls sehr energieintensiv.  

Mit dem wachsenden Stromverbrauch steigen auch die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung entstehen. Es sei sehr schlecht, dass so viel Energie in einer Lotterie vergeudet werde, zitiert die BBC David Gerard, der eine Nachrichten- und Blogseite zum Thema Blockchain und Kryptowährungen betreibt.

Bitcoin Stromverbrauch im Ländervergleich |

Mining lässt den Zähler rotieren   

Dass der Stromverbrauch so erstaunlich hoch ist, hat mit dem hohen Aufwand beim Mining zu tun. Um Bitcoins zu schürfen, müssen Computer komplexe Rechenaufgaben lösen. Je mehr Menschen sich am Bitcoin-Schürfen versuchen, desto aufwändiger sind die Berechnungen, um neue herzustellen. Mit dem heimischen PC ist das kaum noch zu machen.

Bitcoin-Schürfer lassen die Aufgaben deshalb von speziellen Computern mit besonderer Rechenleistung durchführen, die zu Netzwerken zusammengeschaltet werden. Je höher der Bitcoinkurs, desto lukrativer ist wegen der hohen Stromkosten das Mining.

Weil diese dort relativ niedrig sind, spielt der Iran eine wichtige Rolle im Wettbewerb um billige Bitcoins. Weltweit gehört er zu den zehn Ländern mit der größten Mining-Kapazität.

Muss der Staat intervenieren? 

Die Hauptrolle spielt aber mit weitem Abstand China. Laut Wayne Zhao, Chief Operating Officer des Krypto-Researchdienstes TokenInsight, ist der Anteil Chinas an der Gesamtkapazität des Mining aber von 80 Prozent auf aktuell rund 50 Prozent gesunken. Und je nachdem auf welche Weise der Strom produziert wird, desto höher sind die CO2-Emissionen.   

Experten der TU München hatten schon 2019 auf das Umweltproblem beim Schürfen hingewiesen und ebenfalls die Faktoren Energieverbrauch und Klimawandel bei einer Studie berücksichtigt. Christian Stoll, einer der Autoren, kritisiert: "Der CO2-Fußabdruck ist so groß, dass er Anlass genug bietet, um über die Regulierung von Krypto-Mining an Standorten mit CO2-intensiver Stromproduktion zu diskutieren."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Februar 2021 um 10:48 Uhr.