Hanfernte auf einem Feld in Sachsen. | picture alliance/dpa

Alternative Rohstoffe Vom Hanffeld ins Papier

Stand: 29.12.2021 20:15 Uhr

Altpapier ist knapp und teurer geworden. Mittlerweile schaut sich die Papierbranche nach Alternativen um. Besonders hochwertige Fasern liefert Hanf - die ersten Hersteller haben damit Erfahrungen gesammelt.

Von Theresa Möckel, NDR

In Deutschland ist im vergangenen Jahr so viel Nutzhanf angebaut worden wie nie zuvor - insgesamt auf 5362 Hektar. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat sich der Hanfanbau in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren versiebenfacht. Nutzhanf kann zu Textilien verarbeitet werden, zu Dämmstoffen für den Bau - aber auch als Zutat in der Papierherstellung dienen.

Allerdings zählt Hanfpapier auf dem Papiermarkt zu den Nischenprodukten. Bislang gibt es nur wenige Papierhersteller in Deutschland, die sich der Faser widmen. Einer von ihnen ist die niedersächsische Papiermanufaktur Hahnemühle, die spezialisiert ist auf hochwertige Künstlerpapiere und Spezialanfertigungen. Das Unternehmen konnte bereits einige Erfahrungen mit der Hanffaser sammeln.

"Da haben wir schon mal Probleme gehabt", sagt der Papiertechnologe Michael Eggers. "Am Anfang, als wir die ersten Fertigungen hatten, waren teilweise Chargen dabei, die sich kaum aufgelöst und versponnen haben." Manchmal hätten sich die Fasern um Propeller gewickelt oder irgendeinen Regler verstopft, und "hinterher geht es nicht durch den Sortierer". Mittlerweile haben Eggers und sein Team die richtigen Einstellungen gefunden und das weltweit erste Hanfpapier für den digitalen Buchdruck entwickelt. Doch da Hanf ein Naturprodukt ist, rechnet er damit, den Prozess immer wieder an den Rohstoff anpassen zu müssen.

Anforderungen an den Buchdruck

Für den digitalen Buchdruck muss das Papier dünner und flexibler sein. Das Hanfpapier aus Niedersachsen besteht deshalb auch noch zu 40 Prozent aus Baumwollfasern. Außerdem darf das Papier nicht zu durchsichtig oder uneben sein, damit Bilder und Texte im späteren Druckprozess gestochen scharf abgebildet werden können. Doch gerade durch die langen Hanffasern können Faser-Ansammlungen an einer Stelle im Papier entstehen, sogenannte Stippen.

Worauf es ankommt, erklärt der technische Werksleiter der Papiermanufaktur Hahnemühle, Stefan Müller: "Um Stippen zu vermeiden, müssen die langen Hanffasern, nachdem sie mit Quellwasser gemischt wurden, zerkleinert werden. Zusätzlich muss später der richtige Zeitpunkt abgepasst werden, um dem Papier das Wasser wieder zu entziehen." Nur wenn diese beiden Faktoren stimmen, verteilen sich die Fasern gleichmäßig und erzeugen das Papier für den Buchdruck.

Anbau unter strenger Kontrolle

Nutzhanf darf in Deutschland seit 1996 nur von landwirtschaftlichen Betrieben und unter der strengen Kontrolle der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) angebaut werden. Nur ausgewählte Sorten mit einem Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC), der die berauschende Wirkung ausmacht, von unter 0,2 Prozent dürfen angebaut werden. Die Ernte wird erst nach einer entsprechenden Kontrolle des THC-Gehalts durch das BLE freigegeben.

Im Vergleich zu Holzzellstoff sind die Nutzhanf-Fasern vier- bis fünfmal länger. Diese Faserlänge sorgt in der Papierproduktion für sehr stabiles, reißfestes und langlebiges Papier. Allerdings sind es auch die langen Fasern, die den Hanf in der Verarbeitung anspruchsvoll machen.

Hohe Herstellungskosten

Bundesweit widmen sich 626 Betriebe der Papierherstellung. Die Erfahrungen in der Verarbeitung von Hanf zu Papier fehlen allerdings weitgehend. Als Rohstoff in der Papierindustrie gehört es zu den sogenannten "sonstigen Faserstoffen", die gerade mal 0,4 Prozent Marktanteil ausmachen.

Das Bundesumweltamt schätzt, dass die Herstellungskosten etwa viermal höher sind als bei Papier aus Holzstoff. Denn die Maschinen und Produktionsabläufe sind auf Altpapier- oder Holzzellstoffverarbeitung eingestellt. Die Umstellung auf Hanf, vor allem aufgrund seiner Beschaffenheit und Faserlänge, ist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden.

Hanf in der Ökobilanz

Der Anbau von Nutzhanf fördert laut BLE die nachhaltige Landwirtschaft. Denn Hanf eigne sich gut als sogenannte Vorfrucht. Er sei recht anspruchslos anzubauen, robust und hole Wasser aus tiefen Bodenschichten dank seiner langen Wurzeln.

Welche Umweltauswirkungen der Anbau von Hanf und die Weiterverarbeitung zu Papier haben, dazu gibt es laut Umweltbundesamt bisher keine wissenschaftlichen Belege. Solche Studien und ein Nachweis über die Recyclingfähigkeit wären Grundvoraussetzungen für das Umweltzeichen "Blauer Engel für Papierprodukte".

Über dieses Thema berichtete das Umweltmagazin "Unkraut" am 06. Dezember 2021 um 19:00 Uhr im BR Fernsehen.