Düngemittelfabrik in Großbritannien, die als Nebenprodukt CO2 liefert | AFP

Engpässe befürchtet London zahlt für CO2

Stand: 22.09.2021 17:32 Uhr

Wegen gestiegener Gaspreise hatte eine US-Firma in Großbritannien die Düngemittelproduktion eingestellt. Nun zahlt die Regierung einen Ausgleich - doch für Verbraucher dürften die Preise dennoch steigen.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Die britische Regierung nimmt Geld in die Hand, um dem CO2-Engpass im Land entgegen zu wirken. Wie viel London der US-amerikanischen Firma CF Industries zahlt, damit die ihre Düngemittelproduktion in Nordengland wieder hochfährt und dabei als Nebenprodukt CO2 erzeugt, wurde nicht öffentlich. Es geht aber in jedem Fall um Millionenbeträge - und die Regierung will die Kosten für die kommenden drei Wochen übernehmen. Danach müsse das Unternehmen wieder selbst wirtschaftlich arbeiten, hieß es.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Lebensmittel- und Gesundheitsbranche betroffen

Der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng führte Krisengespräche mit der US-Firma, nachdem diese den Betrieb heruntergefahren hatte - in der Folge drohte Kohlenstoffdioxid für die Nahrungsmittelindustrie und das Gesundheitswesen knapp zu werden.

Kohlenstoffdioxid ist ein Nebenprodukt in der Düngemittelherstellung; die beiden Anlagen des US-Betreibers liefern 60 Prozent des in Großbritannien benötigten CO2. Lebensmittelkonzerne hatten Alarm geschlagen, dass ihre CO2-Vorräte nur noch etwa zehn Tage reichen würden. Danach hätten Versorgungsengpässe bei Fleisch, verpackten Frischwaren, Sprudelgetränken und Backwaren gedroht - CO2 wird unter anderem bei der Betäubung von Schweinen sowie für Vakuumverpackungen benötigt. Auch im Gesundheitssektor wird CO2 benötigt.

Erwartet die Briten ein "unbequemer Winter"?

Grund für den US-Betreiber, seine Anlagen abzuschalten, waren die um 250 Prozent gestiegenen Gaspreise gewesen, die die Düngemittelproduktion unprofitabel machten. Nun dürften auch die CO2-Preise deutlich steigen - was die Industrie in Form höherer Preise in den Supermärkten an die Verbraucher weitergeben dürfte.

Zusammen mit den gestiegenen Gaskosten, die auch Haushalte betreffen, auslaufendem Corona-Kurzarbeitergeld und abgesenkter Sozialhilfe sind viele Briten besorgt, wie sie durch den Winter kommen sollen. Der "Guardian" schrieb von einem bevorstehenden "Winter of Discontent", einem unbehaglichen Winter, in Anlehnung an die Bezeichnung für den britischen Winter zwischen 1978 und 1979, als Streiks für höhere Löhne das Land lahmlegten - und schließlich das Ende der damals amtierenden Labour-Regierung einläuteten.