Der Schriftzug "BMW i - Hydrogen Next" an der Front eines mit einem Wasserstoffantrieb ausgestatteten BMW X5 | dpa

Brennstoffzelle plus Batterie BMW setzt auf das Wasserstoffauto

Stand: 31.08.2022 17:40 Uhr

Elektroautos gehören bei allen deutschen Automobilherstellern zum Portfolio. Aber Wasserstoffautos in Serie herzustellen, das ist eine Strategie, die bisher nur ein Hersteller verfolgt: BMW.

Von Leonie Thim und Johannes Lenz, BR

Der Startschuss ist gefallen: Der Münchner Automobilhersteller BMW produziert in Zukunft Brennstoffzellen in seinem Werk in Garching nördlich von München. Vorstandschef Oliver Zipse läutete zusammen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder den Start der Produktion des Brennstoffzellen-Systems für das neue Fahrzeug ein. Der BMW-Chef sieht in der Brennstoffzelle auch eine Möglichkeit, klimaneutraler zu wirtschaften, sofern der Wasserstoff nachhaltig gewonnen werden kann.

"Wasserstoff ist das letzte Puzzleteil auf dem Weg zur emissionslosen Mobilität", so Zipse. Söder will die Technologie auch deshalb mit fast 500 Millionen Euro aus der Staatskasse fördern. "Es gibt einen brutalen Wettbewerb um Rohstoffe bei der Elektromobilität. Wasserstoff kann hier Entspannung schaffen", so Söder.

Eigene Brennstoffzellen-Produktion

Mit dem politischen Rückenwind will der Münchner Autobauer nun Erfahrungen sammeln für ein ambitioniertes Projekt. BMW produziert von 2023 an zunächst eine Kleinserie des iX5 Hydrogen mit knapp einhundert Fahrzeugen. Die werden nach Unternehmensangaben noch nicht an Kunden verkauft, sondern "in den wesentlichen Wasserstoffmärkten für Test- und Demozwecke eingesetzt". Langfristig bis Ende der 2020er-Jahre sieht der Autobauer "allerdings ein großes Potenzial für den Einsatz in Serie". Sprich: BMW will sich die Möglichkeit offenhalten, solche Fahrzeuge bald auch in hohen Stückzahlen zu verkaufen.

Entwicklungsvorstand Frank Weber ist gegen eine Diskussion, ob es nur batteriebetriebene Elektroautos geben wird oder nur Brennstoffzellen-Autos. BMW gehe davon aus, dass in Zukunft beide nebeneinander existieren werden. "Für die Resilienz unserer Industrie ist es wichtig, dass wir auf beide Systeme setzen", so Weber weiter.

Auch andere Autobauer treiben die Erforschung der Brennstoffzelle immer weiter voran. Die Hersteller Audi aus Ingolstadt und Mercedes aus Stuttgart haben wasserstoffbetriebene Modelle entworfen. Eine Serienproduktion planen die Unternehmen derzeit nicht. "Wenn wir grünen Wasserstoff als Energieträger für unsere Fahrzeuge nutzen, fehlt er bei der Defossilisierung in anderen Bereichen, beispielsweise in der Stahlindustrie", so Audi-Chef Markus Duesmann im April.

Verbrennermotoren vor dem Aus

Die deutschen Autobauer sind dazu gezwungen, sich mit alternativen Antrieben zu beschäftigen. Anfang Juni hat das Europäische Parlament entschieden, dass ab dem Jahr 2035 keine Neuwagen mit Verbrennermotoren mehr zugelassen werden dürfen. Noch ist das letzte Wort auf Bundesebene nicht gesprochen. So möchte die Bundesregierung einen Kompromiss durchbringen, wonach E-Fuels doch noch zugelassen bleiben. Als E-Fuel werden synthetische Kraftstoffe bezeichnet, die mittels Strom aus Wasser und Kohlenstoffdioxid hergestellt werden. 

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die dadurch rasant steigenden Energiepreise haben die Diskussion über alternative Antriebe für Pkw noch einmal angetrieben. Benzin und Diesel sind teuer wie nie, und nachdem der Tankrabatt nun ausläuft, werden die Preise vermutlich weiter in die Höhe schnellen. Somit suchen Politik und Wirtschaft weiter nach alternativen Antriebswegen für Pkw.

Ein Antriebsmix für die Mobilität der Zukunft

Die Mobilität der Zukunft benötige einen Mix der verschiedenen Antriebstechnologien, prognostiziert Christian Trapp. Er forscht an der Universität der Bundeswehr München an umweltschonenden Antrieben. Reine Elektrofahrzeuge würden sich gerade für kurze Strecken in der Stadt anbieten. Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff oder mit E-Fuels sowie Brennstoffzellenfahrzeuge seien besonders für die längeren Strecken und den schweren Transportbereich, aber auch für Züge, Schiffe und Flugzeuge geeignet.

Für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge gebe es aus seiner Sicht zwei Herausforderungen: Erstens müsste es mehr Tankstellen für Wasserstoff geben. Damit hätten die Menschen Planungssicherheit, um "wirklich dahin fahren zu können, wo sie hin möchten" ohne das Tanken im Voraus planen zu müssen. Das erhöhe die Akzeptanz. Zweitens sei es wichtig, dass dort grüner Wasserstoff getankt werden könne. Das bedeutet, dass der Wasserstoff mit regenerativem Strom aus zum Beispiel Windkraft oder Solarenergie hergestellt wird.

In Zukunft werde die Nachfrage nach dem grünen Wasserstoff vermutlich enorm steigen, wenn Industrie, Transportverkehr und Autos Wasserstoff benötigen. Da sei es eher unwahrscheinlich, dass Deutschland diese Mengen alleine herstellen könne. Internationale Allianzen, wie sie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mit Kanada und Katar abgeschlossen haben, seien dafür eine Lösung, und "ich denke, das ist der richtige Weg, den wir auch gehen sollten", so Trapp weiter.

Anteil alternativer Antriebe bei Neuwagen steigt weiter

Die Deutschen kaufen immer häufiger Autos mit alternativen Antrieben. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) 44,2 Prozent aller Neuzulassungen E-Autos, Hybride oder Plug-in-Hybride oder mit Gas- oder Wasserstoffmotor ausgerüstet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung von 13 Prozent.

Die meisten reinen Elektrofahrzeuge verkaufte Audi. Der Mutterkonzern VW war mit einem Flottenanteil von 8,8 Prozent und rund 23.000 Neuwagen die volumenstärkste deutsche Marke mit reinen E-Autos. Bis Ende des Jahres 2022 können Autokäufer staatliche Fördermittel beantragen. Für den Kauf von Elektroautos stehen Zuschüsse von maximal 9000 Euro im Raum. 6000 Euro sollen vom Staat kommen, 3000 Euro vom Hersteller.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 31. August 2022 um 16:00 Uhr.