Windräder in der Nähe von Warstein

Erneuerbare Energien Ausbau von Windkraftanlagen stagniert

Stand: 14.07.2022 18:42 Uhr

Der Ausbau von Windrädern kommt in Deutschland nicht voran. Die Ziele der Politik, bis 2032 zwei Prozent der Fläche an Land für Windkraft zu nutzen, sind in weiter Ferne - und das bleibt nicht ohne Folgen für die Branche.

Der Ausbau von Windkraftanlagen kommt weiterhin nicht voran. Diese Stagnation setzt die Branche zunehmend unter Druck. Um das Ausbauziel erreichen zu können, bis 2032 zwei Prozent der Fläche an Land für Windkraft zu nutzen, werde das fünffache Volumen benötigt.

Verbände forderten die Politik auf, dringend weitere Reformen auf den Weg zu bringen. Genehmigungsverfahren müssten deutlich verkürzt werden. Bereits beschlossene Maßnahmen, damit mehr Flächen für Windräder ausgewiesen werden, müssten schnell wirken.

"Der politische Wille ist da, die Ausbauziele wurden angepasst, aber es hakt weiterhin an den für den Zubau so wichtigen richtigen Rahmenbedingungen und deren konsequenter Anwendung", erklärte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Windkraftausbau im Vergleich zum Vorjahr ähnlich

Im ersten Halbjahr 2022 wurden 238 neue Windräder mit einer Leistung von zusammen 977 Megawatt installiert. Damit ist die Geschwindigkeit des Windkraftausbaus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ähnlich - sie hat sich sogar leicht verringert, erklärten der Bundesverband WindEnergie (BWE) und der VDMA.

Da auch alte Anlagen stillgelegt wurden, lag der sogenannte Netto-Zubau im ersten Halbjahr bei 878 Megawatt, was etwas mehr ist als im Vorjahresvergleich. Zum Ende des ersten Halbjahres gab es demnach in Deutschland 28.000 Windanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 57.000 Megawatt.

Starkes Gefälle unter den Bundesländern

Die Zahlen der Bundesländer im ersten Halbjahr unterscheiden sich drastisch: Rund 80 Prozent der neu gebauten Windanlagen entfielen auf vier Bundesländer: Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Niedersachsen. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen entstanden keine neuen Windräder, aber auch die großen Flächenstaaten Bayern und Baden-Württemberg wiesen mit neun beziehungsweise 21 Anlagen nur einen sehr geringen Anteil der neuen Anlagen auf.

Der Zubau habe nur in 62 von 294 Landkreisen stattgefunden, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Das macht auch deutlich, welche Flächenpotenziale sich ergeben, wenn alle Landkreise mitmachten. Ein Nord-Süd-Gefälle bereite der Branche seit Jahren große Sorgen, erläutert Albers. Insbesondere Bayern und Baden-Württemberg mit einer sehr starken Industrie hätten eine starke Nachfrage aus der Industrie. "Wir befürchten eine Versorgungslücke, wenn nicht die Ministerpräsidenten sich aktiv zum Ziel der Bundesregierung der Flächenausweisung von zwei Prozent bekennen", sagte Albers.

Verdoppelung der Windkraftflächen auf zwei Prozent

Ansiedlungen erneuerbarer Energien-Anlagen seien ein Standortvorteil. Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am Stromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent zu steigern. Derzeit liegt er knapp unter 50 Prozent.

Um das Ziel zu erreichen, sollen zwei Prozent der gesamten Bundesfläche an Land für Windräder ausgewiesen werden. Das ist mehr als eine Verdoppelung. Die Länder werden künftig gesetzlich verpflichtet, mehr Flächen bereitzustellen. Für die einzelnen Länder gelten bis Ende 2032 unterschiedliche Ziele, weil es unterschiedliche Voraussetzungen für den Ausbau der Windenergie gibt.

Für das Jahr 2027 gibt es Zwischenziele. Mehr Ökostrom spielt eine zentrale Rolle in der Strategie der Bundesregierung, um Klimaziele erreichen zu können und weniger abhängig von fossilen Energien wie russischem Gas zu werden.

Branche unter Druck

Laut Albers liegt die durchschnittliche Genehmigungsdauer für ein Windrad bei 60 Monaten. Die Branche fordert seit Jahren, dass dies deutlich verkürzt wird. Die geringe Ausbaudynamik in den vergangenen Jahren hat die Probleme der Branche verschärft. Grund sind auch Kostensteigerungen bei Materialien und ein Wettbewerbsdruck durch günstige Anbieter etwa aus China.

Die Branche sei erheblich unter Druck geraten, sagte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. So hatte der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex angekündigt, seine Rotorblatt-Fertigung in Rostock zu schließen. Eine Kombination aus einem "Kostensenkungswettbewerb" und einer unzureichenden Marktdynamik "sei brandgefährlich", sagte Rendschmidt.

Notwendig sei ein verlässlicher Ausbau von Windrädern in Deutschland. In der gesamten Branche gibt es laut Rendschmidt aktuell rund 100.000 Jobs. Es seien aber einmal 40.000 bis 50.000 mehr gewesen. Dies sei Folge von Markteinbrüchen in den vergangenen Jahren. Wenn es kein "Aufwärts" gebe, seien weitere Jobs gefährdet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2022 um 14:00 Uhr.