Luftbild zeigt das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg | dpa

Kohlekraftwerk Moorburg Schnelles Ende nach kurzer Laufzeit

Stand: 07.07.2021 07:46 Uhr

Das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg war von Anfang an umstritten. Nur sechs Jahre war es am Netz. Heute wird es endgültig stillgelegt. Der Betreiber Vattenfall wird dafür im Zuge des Kohleausstiegs entschädigt.

Von Lennart Banholzer, NDR

Das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg geht heute vom Netz und wird damit endgültig stillgelegt. Die Betreiberfirma Vattenfall produziert dort seit Ende 2020 keinen Strom mehr. Damals stellte das Unternehmen den Betrieb des Kraftwerks ein und hielt es seitdem nach eigenen Angaben noch in Reserve. Moorburg war erst 2015 eröffnet worden und galt als eine der modernsten Anlagen in Deutschland. Es hatte mit seinen beiden Blöcken eine Gesamtleistung von gut 1600 Megawatt. Das ist laut Stromnetz Hamburg etwa so viel, wie die gesamte Stadt in der Spitze benötigt. Ursprünglich sollte das Kraftwerk bis 2038 laufen.

Zuschlag bei Unterbietungswettbewerb

Vattenfall hatte sich im vergangenen Jahr an einer Auktion der Bundesnetzagentur beteiligt - ene Maßnahme im Zuge des im vergangenen Jahr vom Bundestag beschlossenen Kohleausstiegsgesetzes. Bei dem Unterbietungswettbewerb erhielten die Unternehmen einen Zuschlag, die für ein freiwilliges Abschalten von Kohlekraftwerken die geringste Entschädigungssumme forderten.

Neben den beiden Blöcken in Moorburg entschädigte die Agentur die Stilllegung von zehn weiteren Kraftwerken mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt. Wie viel Geld die Firmen jeweils bekamen, wurde nicht offengelegt. Die Bundesnetzagentur teilte lediglich mit, dass den Stromkonzernen je abzuschaltendem Megawatt durchschnittlich gut 66.000 Euro gezahlt wurden. Für Moorburg könnte die Entschädigung demnach in dreistelliger Millionenhöhe liegen - bei Baukosten von mehreren Milliarden Euro.

Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg | dpa

Für die Abschaltung des Kohlekraftwerks Moorburg wurde die Betreiberfirma Vattenfall entschädigt. Bild: dpa

Immer wieder Klagen gegen den Betrieb

Der nur sechs Jahre dauernde Betrieb des Kraftwerks hat sich für Vattenfall nie gelohnt. Zuletzt auch wegen der steigenden Preise, die im europäischen Emissionshandel je ausgestoßener Tonne Kohlenstoffdioxid gezahlt werden müssen. Doch auch vorher lief schon einiges anders als geplant.

Eigentlich sollte das Kraftwerk nicht nur Strom erzeugen, sondern die Stadt Hamburg auch mit Fernwärme versorgen. Eine geplante Fernwärmeleitung durch die Elbe wurde aber nach einem Streit zwischen der Stadt und Vattenfall nie gebaut. Auch bei der Kühlung der Kraftwerksblöcke musste der Stromkonzern Rückschläge hinnehmen. Ursprünglich wollte er dafür Wasser aus der Elbe nutzen. Die zuständige Behörde genehmigte das aber nur unter Auflagen. Die Folge war ein jahrelanger juristischer Streit. Auch Umweltschutzorganisationen schalteten sich ein - erfolgreich. Am Ende durfte das Kraftwerk nur mit einer sogenannten Kreislaufkühlung über einen Kühlturm betrieben werden.

Umstrittener Bau

Schon während des Baus des Kraftwerks Moorburg gab es immer wieder Proteste. Im August 2008 besetzten Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten die Baustelle und blockierten kurzfristig die Zufahrtsstraße. Das Bauprojekt wurde von der damals in Hamburg regierenden CDU unter Bürgermeister Ole von Beust vorangetrieben. 2008 war es Wahlkampfthema bei den Bürgerschaftswahlen.

Die Grünen traten an, auch um Moorburg zu stoppen. Doch nach den Wahlen traten sie in eine gemeinsame Regierung mit der CDU ein. Umweltsenatorin wurde Anja Hajduk (Grüne). Sie musste den Bau von Moorburg schließlich aus juristischen Gründen genehmigen. Eröffnet wurde das Kohlekraftwerk 2015 von Olaf Scholz (SPD), damals Bürgermeister.

Aktivisten protestieren in Booten vor dem Kohlekraftwerk Moorburg | dpa

Gegen des Kohlekraftwerk Moorburg gab es im Laufe der Jahre immer wieder Proteste. Bild: dpa

Zwei Heizkraftwerke in Hamburg laufen noch mit Kohle

Dass das Kohlekraftwerk jetzt abgeschaltet wird, ist möglich, weil die Betreibenden des Übertragungsnetzes in Deutschland es als nicht systemrelevant eingestuft haben. Der in Moorburg produzierte Strom wurde nicht zwangsweise in Hamburg verbraucht, sondern in das deutsche Übertragungsnetz eingespeist. Dort gibt es laut Hamburger Umweltbehörde noch immer ein Überangebot an Strom. Die Abschaltung wirke sich nicht auf die Versorgungssicherheit aus. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft wurden in Deutschland im ersten Halbjahr diesen Jahres 292 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Etwa fünf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor.

Ende der Kohleenergie in Deutschland spätestens 2038

Mit Kohle laufen in Hamburg jetzt noch das Heizkraftwerk Tiefstack sowie an der Stadtgrenze auf schleswig-holsteinischer Seite das Heizkraftwerk Wedel. Beide werden vom städtischen Unternehmen Wärme Hamburg betrieben. Bis spätestens 2038 sollen in Deutschland alle Kohlekraftwerke abgeschaltet sein. Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg planen Vattenfall, Shell und Stadt eine Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff aus Wind- und Solarenergie.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 im Hörfunk am 07. Juli 2021 um 08:30 Uhr.