Blick auf den Finanzdistrikt in Manhattan (New York) | picture alliance / Arco Images

Milliardengewinne Sind die US-Banken wirklich besser?

Stand: 15.07.2021 16:48 Uhr

Die großen US-Banken haben im zweiten Quartal mehr Gewinne erzielt als die gesamte deutsche Finanzbranche in einem Jahr - 42 Milliarden Dollar. Doch die Zahl verdeckt Schwächen und Besonderheiten.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Auf den ersten Blick haben die großen US-Banken für das zweite Quartal erneut beeindruckende Zahlen vorgelegt. Allein die landesweite Nummer eins, JPMorgan, konnte ihren Gewinn im Jahresvergleich um das Zweieinhalbfache steigern, auf 11,9 Milliarden Dollar, rund zehn Milliarden Euro. Das war mehr, als Branchenbeobachter erwartet hatten.

Konzernchef Jamie Dimon sprach von soliden Ergebnissen über alle Geschäftsbereiche hinweg und zeigte sich auch für das restliche Jahr zuversichtlich, da sich die US-Wirtschaft weiter von der Corona-Pandemie erhole. Auch die anderen großen Geldhäuser des Landes wie die Bank of America oder die Citigroup vermeldeten teils spektakuläre Gewinnsprünge. Insgesamt summieren sich die zwischen April und Juni erzielten Überschüsse der sechs größten Banken des Landes auf 42,1 Milliarden Dollar.

Risikovorsorge aufgelöst

Doch die absoluten Zahlen verdecken eine Reihe von Schwächen und Besonderheiten, die den Glanz der ausgewiesenen Milliarden ein wenig verblassen lassen. So erklären sich die gesteigerten Gewinne in erster Linie dadurch, dass die Banken ihre in der Corona-Krise gebildeten Reserven für ausfallbedrohte Kredite weitgehend auflösen konnten. Bei JPMorgan waren das 2,3 Milliarden Dollar. Auch lagen die Zahlen unter denen des Vorquartals.

Zudem lief das Tagesgeschäft deutlich weniger rund als erwartet. So musste JPMorgan im zweiten Quartal einen Rückgang seiner Einnahmen um rund acht Prozent auf 30,5 Milliarden Dollar hinnehmen. Im Wertpapierhandel ließ sich weniger Geld verdienen als zuvor, zudem schwächelte das Geschäft mit Verbraucherkrediten. Erfolge verbuchte das Geldhaus im klassischen Investmentbanking, also bei der Beratung von Fusionen und Übernahmen. Auch die Begleitung der zahlreichen Börsengänge in den USA spülte mehr Geld in die Kassen.

Die Erholung der US-Wirtschaft entlastet

Bank of America und Citigroup haben im vergangenen Quartal ebenfalls ihre Gewinne dank der aufgelösten Rücklagen für faule Kredite gesteigert. Selbst die lange Zeit krisengebeutelte viertgrößte US-Bank, Wells Fargo, verdiente dank der Auflösung ihrer Risikovorsorge sechs Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal des Vorjahres hatte sie noch einen Verlust von 3,85 Milliarden Dollar ausgewiesen. Im vorigen Jahr mussten die US-Institute viele Milliarden Dollar in ihren Bilanzen auf die Seite legen, um sich für eine Welle an Kreditausfällen zu wappnen. Doch die ist bisher ausgeblieben. Zudem hellen sich weltweit die konjunkturellen Aussichten wieder auf.

Dagegen ist der Handel mit Wertpapieren rückläufig. Bei der Bank of America brachen die Erträge im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren um 38 Prozent ein, im Aktienhandel um 33 Prozent. Bei der Citigroup sackten die Gesamterträge um zwölf Prozent auf 17,5 Milliarden Dollar ab. Im Anleihehandel waren die Einbußen noch größer als bei der Rivalin, dagegen verzeichnete sie im Aktienhandel einen Zuwachs um 37 Prozent.

Zudem vermeldeten beide Institute steigende Kosten. Mut macht den Banken das kräftige Wachstum der Wirtschaft, die US-Konjunktur soll in diesem Jahr um gut sechs Prozent zulegen. "Das Tempo der weltweiten Erholung übertrifft unsere bisherigen Erwartungen und damit einher gehen ein steigendes wirtschaftliches Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen", sagte Citi-Chefin Jane Fraser. Dies gebe ihr Zuversicht für die weitere geschäftliche Entwicklung der Bank.

Rückläufige Handelseinnahmen

Hierzulande dürften die Bankbilanzen im zweiten Quartal gemischter ausfallen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte bereits, dass die Erträge im Investmentbanking nicht mehr so üppig ausfallen werden wie im Vorjahreszeitraum. Wegen der Corona-Krise hatten Staaten und Unternehmen einen höheren Bedarf an Finanzierungen. Diese Sondernachfrage ist weggefallen. Wie sehr dieser Trend die Deutsche Bank belasten wird, die einer der weltgrößten Anleihehändler ist, wird sich Ende des Monats erweisen, wenn der heimische Branchenprimus seine Quartalszahlen vorlegt.

Eines steht jetzt schon fest: Von den zweistelligen Eigenkapitalrenditen der großen US-Häuser kann die deutsche Finanzindustrie weiterhin nur träumen. So erzielte JPMorgan zuletzt eine Eigenkapitalrendite von 18 Prozent, bei der Deutschen Bank waren es im ersten Quartal sieben Prozent. Die Sparkassen vermeldeten für das vergangene Jahr eine Rendite (vor Steuern) von lediglich 5,4 Prozent.

Höhere Kosten und geringere Einnahmen pro Kunde sind die Hauptgründe für diesen seit Jahren bestehenden Unterschied. Experten erklären dies mit den unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Hierzulande litten die Geldhäuser vor allem unter der Zersplitterung des Marktes, sowohl innerhalb Deutschlands als auch auf europäischer Ebene, während die US-Banken dank ihrer Größe günstiger arbeiten könnten, bei gleichzeitig höheren Preisen für ihre Kunden.

Über dieses Thema berichtete BR24 Börsenticker am 15. Juli 2021 um 20:15 Uhr.