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Kreditwirtschaft Was die Zahlen der US-Banken bedeuten

Stand: 19.01.2022 15:09 Uhr

Die jüngsten Quartalszahlen der großen amerikanischen Banken haben die Erwartungen der Anleger enttäuscht. Betrachtet man sie als Gradmesser für die Lage der Wirtschaft, senden sie positive Signale.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Die großen amerikanischen Banken konnten mit ihren jüngsten Geschäftszahlen nicht überzeugen. Ihre Ergebnisse lagen meist unter den Erwartungen der Experten. Sowohl das Zahlenwerk von JPMorgan, dem größten Geldhaus der USA, als auch die Bilanz der renommierten Investmentbank Goldman Sachs fielen bei den Anlegern durch und belasteten die Kurse.

Tatsächlich haben die mächtigen Finanzkonzerne im Schlussquartal 2021 deutlich weniger verdient als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. So sackte der Nettogewinn von JPMorgan um 14 Prozent ab. Der Rivale Citigroup erlitt einen noch stärkeren Gewinneinbruch um rund 26 Prozent. Auch Goldman Sachs vermeldete schrumpfende Gewinne.

Deutlich weniger Kreditausfälle

Dabei verdienten die Häuser 2021 insgesamt prächtig. Allein Branchenprimus JPMorgan verbuchte im zweiten Corona-Jahr unter dem Strich einen Rekordgewinn von 48,3 Milliarden Dollar (42,2 Milliarden Euro) - mehr als sämtliche Banken der Eurozone voraussichtlich ausweisen werden. Hauptgrund für den gewaltigen Überschuss waren jedoch nicht die Geschäftszuwächse, sondern die Auflösung von Rückstellungen für faule Kredite in Höhe von 9,3 Milliarden Dollar. Geld, das die Bank im ersten Jahr der Pandemie vorsorglich zurückgelegt hatte, nun aber doch nicht brauchte.

Das ist eine gute Nachricht, zeigt sie doch, dass die US-Wirtschaft die Folgen der verheerenden Lockdowns im ersten Jahr der Pandemie überwunden hat und wieder zulegt - auch in diesem Jahr. JPMorgan-Chef Jamie Dimon zeigte sich zuversichtlich: "Die Wirtschaft entwickelt sich trotz Gegenwinds durch Omikron, Inflation und Lieferkettenprobleme weiter gut". JPMorgan bleibe mit Blick auf das Wachstum der USA optimistisch.

"Bestes Jahr aller Zeiten"

Ein ähnliches Bild liefern die Zahlen der Citigroup. Im Gesamtjahr 2021 verbuchte die Citigroup trotz des schwächeren Schlussquartals einen Gewinnanstieg um satte 99 Prozent auf knapp 22 Milliarden Dollar. Das lag jedoch - wie bei JPMorgan - vor allem daran, dass die aufgrund der Pandemie gebildete Risikovorsorge für ausfallbedrohte Kredite wieder heruntergefahren wurde.

Ebenso gut hat die Bank of America abgeschnitten, die zweitgrößte Bank des Landes. Dank drastisch gesunkener Rückstellungen für faule Kredite hat sie im vergangenen Jahr ihren Gewinn beinahe verdoppelt auf 32 Milliarden Dollar. Von der Erholung der Konjunktur profitierte auch die vorwiegend auf Privatkunden fokussierte Bank Wells Fargo aus San Francisco. Sie steigerte 2021 ihren Überschuss auf 21,5 Milliarden Dollar, nachdem sie im ersten Corona-Jahr gerade einmal 3,4 Milliarden verdient hatte.

Boomendes Beratungsgeschäft

Und noch etwas deutet daraufhin, dass die US-Wirtschaft wieder Tritt gefasst hat: Während im Vorjahr vor allem der Handel mit Aktien und Anleihen für hohe Gewinne gesorgt hat, erwies sich im Schlussquartal 2021 das Beratungsgeschäft bei Übernahmen und Börsengängen als der Haupttreiber. Bei Goldman Sachs, der weltweit führenden Investmentbank, sorgte das Fusionsfieber dafür, dass die Einnahmen in diesem Bereich im Schlussquartal 2021 binnen Jahresfrist um 45 Prozent auf 3,80 Milliarden Dollar in die Höhe schnellten. Im Gesamtjahr erreichten sie die Rekordsumme von knapp 15 Milliarden Dollar, rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Bank of America-Chef Brian Moynihan, sagte, für das Investmentbanking sei 2021 "das beste Jahr aller Zeiten" gewesen.

Ob die US-Wirtschaft weiter so kräftig wachsen wird wie im vergangenen Jahr, bleibt abzuwarten. Die anhaltende Pandemie, Lieferengpässe und Personalmangel bremsen viele Unternehmen aus. Zudem warnt der Finanzvorstand von JPMorgan, Jeremy Barnum, vor anhaltenden Inflationsrisiken mit deutlich steigenden Kosten. Hinzu kommt die Aussicht auf steigende Leitzinsen durch die Notenbank.

US-Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs

Zumindest bei Fusionen und Übernahmen ist ein Ende des Booms laut einer Umfrage der Beratungsgesllschaft KPMG vorerst nicht zu erwarten. Auch dürfte die US-Wirtschaft auf Wachstumskurs bleiben. Erwartet wird in diesem Jahr ein Plus von rund vier Prozent - genug, um den großen US-Banken weiter milliardenschwere Gewinne zu ermöglichen.

Wie die Deutsche Bank abgeschnitten hat, dürfte übrigens am 27. Januar klar werden. Dann will der deutsche Branchenprimus sein Zahlenwerk präsentieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2022 um 07:35 Uhr.