Motorradfahrer an einer Tankstelle in Izmir, Türkei | picture alliance / GocherImagery

Ein langjähriger Rekord Türkische Inflation bei über 50 Prozent

Stand: 03.03.2022 12:31 Uhr

Die Geldentwertung in der Türkei beschleunigt sich immer weiter. Mittlerweile ist die Rate auf über 50 Prozent geklettert. So hoch war die Inflation seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.

Die Verbraucherpreise in der Türkei erhöhten sich im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 54,4 Prozent. Das teilte das nationale Statistikamt heute mit. Das ist der höchste Stand seit mehr als 20 Jahren. Die Erwartungen von Experten wurden sogar noch übertroffen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 53 Prozent gerechnet.

Trend beschleunigt sich

Im Januar hatte der Anstieg noch bei rund 49 Prozent gelegen. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise um 4,8 Prozent; besonders Energie, Haushaltsgeräte und Lebensmittel verteuerten sich. Mit den neuesten Inflationsdaten setzt sich der Trend der vergangenen Monate also beschleunigt fort, auch weil die türkische Zentralbank ihren Leitzins auf zuletzt 14,0 Prozent und damit deutlich unter das Inflationsniveau gesenkt hatte.

Diese von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan unterstützte und sogar explizit gefordert Geldpolitik hatte nach Meinung von Experten wiederum erheblich dazu beigetragen, dass die Landeswährung Lira im vergangenen Jahr massiv um 44 Prozent zum US-Dollar abgewertet hatte - und das, obwohl die türkische Notenbank mehrfach zugunsten der LIra am Devisenmarkt eingegriff und Fremdwährungsreserven des Landes verkaufte. Durch den Währungsverfall werden Importe teurer, da sie meist in ausländischen Währungen abgerechnet werden.

Erzeugerpreise mehr als verdoppelt

Die gleichzeitig mit den Verbraucherpreisen veröffentlichten Erzeugerpreise lassen für die weitere Entwicklung der türkischen Verbraucherpreise nichts Gutes erwarten. Dieser Preisindex legte im Februar laut der Statistikbehörde sogar um 105 Prozent im Jahresvergleich zu. Die Erzeugerpreise zeigen die Preisentwicklung von Produkten an, die in der Türkei hergestellt und verkauft werden, beispielsweise durch die Industrie. Sie haben in einer späteren Stufe des Wirtschaftsprozesses auch Auswirkungen auf die Verbraucherpreise.

Zudem dürfte es durch den quasi ungebremsten Anstieg des Ölpreises für weiteren Preisdruck auch in der Türkei sorgen. "Überschwappende Effekte der Russland-Ukraine-Krise, einschließlich höherer globaler Rohstoffpreise und potenziell neuer Unterbrechungen der Lieferkette, sprechen für ein Aufwärtsrisiko", kommentierte Ökonom Jason Tuvey von Capital Economics.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2022 um 11:00 Uhr.