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Größte börsennotierte Firmen Kein deutscher Konzern unter den Top 100

Stand: 29.12.2022 10:21 Uhr

Unter den 100 wertvollsten Börsenunternehmen der Welt ist einer Studie zufolge kein deutsches mehr zu finden. US-Konzerne dominieren das Ranking mehr denn je, obwohl Technologiefirmen in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren haben.

Die Vereinigten Staaten hängen Europa trotz großer Kursverluste von US-Techkonzernen an der Börse ab. Von den 100 wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt kommen laut einer Studie der Unternehmensberatung EY alleine 61 aus den USA, nur eins weniger als im Vorjahr.

Unter den ersten zehn Konzernen in der List ist demnach kein Unternehmen aus Europa vertreten und nur eines, das seinen Sitz nicht in den USA hat: der Ölkonzern Saudi Aramco. An der Spitze der Rangliste blieb zum Stichtag 27. Dezember Apple mit gut zwei Billionen Dollar Börsenwert vor Saudi Aramco und Microsoft.

US-Konzerne weiter im Spitzenfeld

Deutsche Unternehmen sind unter den Top 100 überhaupt nicht vertreten. Der Softwarehersteller SAP rangiert als wertvollstes Konzern aus dem DAX nur auf Platz 106. Der Industriegaskonzern Linde, der seit der Fusion mit der US-amerikanischen Praxair in Irland ansässig ist, belegt Rang 59.

US-Unternehmen dominieren schon seit vielen Jahren die Weltbörsen, angetrieben durch das Wachstum von Techkonzernen, deren Wert im Börsenboom der vergangenen Jahre rapide gestiegen ist. Doch mit den Zinserhöhungen der großen Zentralbanken im Börsenjahr 2022 bekamen die zinssensiblen Tech-Riesen Gegenwind. EY zufolge verloren Technologiekonzerne im Laufe des Jahres 33 Prozent ihres Marktwertes. Allein Tesla, Apple, Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon büßten zusammen 4,6 Billionen Dollar an Börsenwert ein.

Insgesamt verloren die 100 der größten Börsenunternehmen 7,2 Billionen Dollar oder 20 Prozent ihres Werts. Während Konsumgüter- und Telekommunikationsfirmen ebenfalls deutliche Kursverluste verzeichneten, ging es aufgrund höherer Rohstoffpreise vor allem für Energiekonzerne aufwärts (plus 12 Prozent). "Der starke Anstieg der Zinsen, der Ukraine-Krieg und die weltweit steigenden Energiepreise - all diese Entwicklungen haben Spuren an den Weltbörsen hinterlassen", sagte Henrik Ahlers, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung.

Deutsche Top-Konzerne unterrepräsentiert

Laut EY haben nur 15 der 100 größten Börsenunternehmen ihren Sitz in Europa, wertvollster Vertreter ist demnach der französische Luxuskonzern LVMH auf Platz 15. Aus Asien kommen 19 der größten börsennotierten Konzerne, angeführt vom Techkonzern Tencent.

Die Bedeutung Europas an der Börse ist seit Jahren rückläufig. Ende 2007, vor dem Höhepunkt der Finanzkrise, kamen laut EY noch 46 der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt aus Europa und immerhin sieben aus Deutschland. Ende 2021 waren es noch zwei: SAP und Siemens. Die Bundesrepublik sei an den Börsen unterrepräsentiert, sagte Ahlers. Aber die Regeln für die digitale Wirtschaft würden von Konzernen aus den USA und Asien gemacht.

Dafür viele mittelständische Weltmarktführer

In Deutschland fehlten eine ausgeprägte Gründungskultur und gute Finanzierungsbedingungen für junge Firmen. Deutschland hat jedoch viele mittelständische Weltmarktführer sowie nicht börsennotierte Konzerne von Weltrang wie Lidl und Aldi oder den Autozulieferer Bosch.

Dazu kommt, dass Deutschland und Europa überdurchschnittlich stark unter dem Ukraine-Krieg und dem Anstieg der Energiepreise leiden. "In den USA können Industrieunternehmen derzeit deutlich günstiger produzieren, der Krieg ist für sie weit weg, eine Gaskrise muss dort niemand fürchten", sagte Ahlers. Daher spreche wenig für eine Renaissance Deutschlands und Europas an den Weltbörsen im neuen Jahr.