Hauptsitz der russischen Zentralbank im Zentrum von Moskau. | picture alliance/dpa/TASS

Nach Rubel-Erholung Russische Notenbank senkt Leitzins

Stand: 08.04.2022 13:11 Uhr

Die russische Notenbank hat den Leitzins um drei Prozentpunkte auf 17 Prozent reduziert. Sie stellt weitere Zinssenkungen in Aussicht. Zuvor hatte der Rubel-Wechselkurs wieder Vorkriegsniveau erreicht.

Ungeachtet der Finanzsanktionen des Westens hat die russische Zentralbank den Leitzins gesenkt und ihre Geldpolitik wieder gelockert. Erst Ende Februar hatte die Notenbank in Moskau den Leitzins kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine und als Reaktion auf die verhängten Sanktionen um 10,5 Prozent angehoben und damit fast verdoppelt. Mit dieser Zinserhöhung auf 20 Prozent wollte die Notenbank damals der Abwertung der Landeswährung Rubel und Inflationsgefahren entgegenwirken.

Rubel-Kurs auf Vorkriegsniveau

Zuletzt hat sich der Rubel aber deutlich erholt. Ein Dollar kostet derzeit gut 80 Rubel, Anfang März war der Preis zeitweise auf mehr als 150 Rubel für einen Dollar geschossen. Aktuell liegt der Wechselkurs wieder auf dem Niveau von vor dem Kriegsbeginn. Devisen-Experte Stefan Grothaus von der DZ-Bank erklärt das mit den strengen Kapitalverkehrskontrollen, die die russische Notenbank als Reaktion auf die westlichen Sanktionen eingeführt hatte. Zum einen hätten demnach Privatpersonen nur sehr begrenzte Möglichkeiten, Rubel in Dollar oder Euro einzutauschen. Zum anderen müssten die großen russischen Export-Unternehmen ihre Erträge zu 80 Prozent in Rubel eintauschen. "Entsprechend gibt es eine stetige Nachfrage nach Rubel", so Grothaus gegenüber tagesschau.de. Das stabilisiere den Rubel-Kurs.  

Die russische Notenbank begründet ihre jüngste Zinssenkung damit, dass die Risiken für die Finanzstabilität zwar nach wie vor vorhanden seien, aber vorerst nicht mehr zugenommen hätten, auch "dank der beschlossenen Kapitalkontrollmaßnahmen". Die Notenbank räumte aber ein: "Die externen Bedingungen für die russische Wirtschaft sind nach wie vor schwierig und schränken die Wirtschaftstätigkeit erheblich ein."

Devisen-Experte rechnet über 20 Prozent Inflation

DZ-Bank-Experte Grothaus zeigte sich von dem Zinsschritt der russischen Notenbank überrascht, zumal er deutlich steigende Verbraucherpreise in Russland erwartet. "Ich rechne für längere Zeit mit einer Inflation von über 20 Prozent in Russland", so der Analyst. Allerdings dürfte aus Sicht des Devisen-Experten auch eine erneute Zinssteigerung die Inflation kaum dämpfen können, da die steigende Inflation in Russland auch mit dem Import-Verbot westlicher Waren zu tun habe. "Wenn beispielsweise H&M oder McDonald's in Russland nicht mehr am Markt sind, dann hat die russische Konkurrenz natürlich die Möglichkeit, ihre Preise zu erhöhen."

Mittlerweile rückt für Russland eine Staatspleite näher: Erstmals wurden am Mittwoch Zahlungen für zwei Fremdwährungsanleihen nicht in Dollar, sondern in Rubel geleistet. Wegen der westlichen Blockade russischer Devisenreserven wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine will Moskau dies auch künftig so handhaben. Russland hat wegen der Sanktionen derzeit keinen Zugang zu den internationalen Anleihemärkten, um sich frisches Geld zu besorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2022 um 17:22 Uhr.