Ölbohrstelle in Tatarstan, Russland | picture alliance/dpa/TASS

Weiter hohe Schwankungen Preise am Ölmarkt geben nach

Stand: 25.03.2022 14:39 Uhr

Weil die EU vorläufig auf ein Embargo verzichtet und die Sturmschäden an einem Terminal offenbar doch weniger dramatisch ausfallen, lässt die Furcht vor Engpässen am Ölmarkt nach. Das drückt die Preise.

Die nachlassende Furcht vor längerfristigen Ausfällen kasachischer Lieferungen und der vorläufige Verzicht der Europäischen Union (EU) auf ein Embargo des russischen Erdöls haben für Kursverluste der Ölpreise gesorgt. Sie gaben heute bis zum Mittag spürbar nach.

So kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zuletzt 117,28 US-Dollar. Das waren 1,75 Dollar weniger als gestern. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,82 Dollar auf 110,52 Dollar.

Sorgen vor Verknappung gebannt

Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank erklärte die Preisabschläge vor allem mit dem EU-Verzicht auf ein Importstopp russischen Erdöls. "Damit sind die Sorgen vor einer weiteren Angebotsverknappung vorerst gebannt."

Zudem seien die Sturmschäden an einem Exportterminal am Schwarzen Meer offenbar nicht ganz so dramatisch wie von russischer Seite zunächst dargestellt. Über die Pipeline, die zu dem Exportterminal führt, werden laut Fritsch 80 Prozent der Ölexporte Kasachstans abgewickelt.

Dem kasachischen Energieministerium zufolge wird die Verladung im russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk im Tagesverlauf teilweise wieder aufgenommen. Der Terminal Caspian Pipeline Consortium (CPC), in dem Experten zufolge fast ausschließlich kasachisches Öl in Tankschiffe gepumpt wird, war vor einigen Tagen durch einen Sturm beschädigt worden.

Extreme Preisschwankungen

Die täglichen Preisschwankungen am Ölmarkt bleiben unterdessen hoch. In der vergangenen Woche war der Preis für die Nordseesorte Brent zeitweise um acht Prozent abgestürzt und bis auf 97,50 Dollar je Barrel gefallen. Nun stabilisierte er sich wieder auf einem deutlich höheren Niveau.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) stieg zuletzt an. Wie das OPEC-Sekretariat heute mitteilte, betrug der Korbpreis gestern 118,72 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Das waren 1,93 Dollar mehr als am Vortag. Die OPEC berechnet den Korbpreis auf Basis der wichtigsten Sorten des Kartells.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sorgt nach wie vor für große Verunsicherung, da Russland einer der größten Erdölförderer der Welt ist. Auch für Autofahrer hatten sich die Kosten fürs Tanken hierzulande massiv erhöht.

Anhaltende Korrektur nach unten?

Die Höchststände, die die Rohölpreise kurz nach der russischen Invasion erreicht hatten, werden derzeit nicht mehr erreicht. Ein Fass Brent hatte mit bis zu 139 Dollar so viel gekostet wie seit dem Jahr 2008 nicht mehr. "Die Sanktionen gegen Russland dürften auch danach noch für längere Zeit bestehen bleiben und viele Abnehmer vor dem Kauf von russischem Öl zurückschrecken lassen", betonte Experte Fritsch zuletzt.

Ein Grund für den Preisrückgang auf dem Ölmarkt könnte auch der Iran sein. Das Land könnte demnächst als Akteur auf den Ölmarkt zurückkehren. Dazu kommt das Comeback des umstrittenen Fracking, also der Schieferölproduktion, in den USA. Zudem verweisen Experten aufgrund von Corona-Beschränkungen in China und Lieferkettenstörungen auf eine nachlassende Nachfrage nach Öl. Auch dadurch fallen die Preise.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. März 2022 um 13:35 Uhr.