Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt am Main. | dpa

Geldinstitute reagieren Ende der Negativzinsen rückt näher

Stand: 13.06.2022 15:06 Uhr

Die angekündigte Zinswende der EZB entlastet die Bankkunden: Auch die Deutsche Bank hat das Ende von Negativzinsen in Aussicht gestellt. Hunderte andere Institute könnten folgen.

Bankkunden in Deutschland können im Zuge der für Juli angekündigten Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ein Ende der Negativzinsen bei Giro- oder Tagesgeldkonten hoffen. "Die Höhe des Verwahrentgeltes richtet sich nach der sogenannten Einlagenfazilität der Europäischen Zentralbank", kündigte ein Sprecher der Bank heute an. "Wenn die EZB den Satz der Einlagenfazilität gemäß ihrer jüngsten Ankündigung im Juli um 0,25 Prozentpunkte anhebt, werden Deutsche Bank und Postbank diese Anpassung an ihre Privatkunden weitergeben und das Verwahrentgelt um 0,25 Prozentpunkte kurzfristig reduzieren."

Derzeit müssen Banken noch 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie kurzfristig nicht benötigtes Zentralbankgeld bei der EZB hinterlegen. Die Kosten für die sogenannte Einlagefazilität geben etliche Institute an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Der EZB-Rat hatte am vergangenen Donnerstag beschlossen, bei seiner nächsten Sitzung am 21. Juli die Leitzinsen im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Im September sei dann "ein größerer Zinsschritt" möglich.

Möglicher Verzicht im Herbst

"Wenn der Satz der Einlagenfazilität in einem zweiten Schritt auf null oder in den positiven Bereich angehoben wird, werden wir im Privatkundengeschäft kein Verwahrentgelt mehr erheben", teilte der Deutsche-Bank-Sprecher mit. Da der zweite Zinsschritt der EZB für September erwartet werde, könnten die Deutsche Bank und die Postbank "voraussichtlich im Oktober vollständig auf die Erhebung des Verwahrentgelts für ihre Privatkunden verzichten".

Die Deutsche Bank erhebt seit Mitte Mai 2020 in ihrem Privatkundengeschäft sogenannte Verwahrentgelte. Derzeit müssen Kundinnen und Kunden dort ab 50.000 Euro auf Giro- und Anlagekonten sowie ab 25.000 Euro für Tagesgeld Negativzinsen zahlen. Ebenso ist es bei der zum Deutsche-Bank-Konzern gehörenden Postbank.

Commerzbank will schnell reagieren

Die Commerzbank legt sich weiterhin nicht fest, wann sie ihre Verwahrentgelte für Kunden mit hohen Einlagen zurückschrauben wird. Die Bank warte die nächsten EZB-Entscheidungen ab, sagte ein Sprecher heute auf Anfrage. Commerzbank-Chef Manfred Knof hatte Mitte Mai gesagt: "Wenn die EZB reagiert, dann können und werden auch wir schnell reagieren." Die Direktbank ING Deutschland hatte sich bereits am 10. Mai darauf festgelegt, zum 1. Juli die Negativzinsen für fast alle ihrer Privatkunden abzuschaffen.

Bislang sind es noch hunderte Kreditinstitute, die die Negativzinsen der EZB an ihre Kunden weitergeben. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge verlangen aktuell mindestens 451 von etwa 1300 ausgewerteten Kreditinstituten in Deutschland Negativzinsen von Privatkunden (Stand: 8. Juni). Das Internet-Portal Biallo zählt sogar 582 Banken und Sparkassen, die Negativzinsen von Privatkunden kassieren (Stand 9. Juni).