Verlauf des Aktienindex DAX an der Kurstafel der Frankfurter Wertpapierbörse | dpa

DAX und Dow auf Rekordjagd Droht der Börse ein Crash?

Stand: 20.04.2021 08:08 Uhr

Trotz aller Lockdowns eilen viele Börsenindizes derzeit von Rekord zu Rekord. Auch wenn es Gründe für den Ansturm der Anleger auf Aktien gibt, wächst die Angst vor einem drohenden Crash.

Von Victor Gojdka

Wenn Börsenhändler Oliver Roth morgens zu seinem Arbeitsplatz in die Frankfurter Börse kommt, dann läuft er jeden Tag vorbei an der großen, schwarzen Kurstafel. Roth ist seit Jahren im Geschäft für das Wertpapier-Handelshaus Oddo Seydler. Ihn kann wenig schrecken. Aber Roth macht nachdenklich, dass der deutsche Leitindex DAX bei mehr als 15.000 Punkten steht - höher als vor Corona.

Was er nach drei Jahrzehnten an der Börse sagen könne: "Die Bäume wachsen nicht immer nur in den Himmel. Auch an der Börse wird es wieder andere Zeiten geben", sagt Roth.

Rekordjagd mit Zweifeln

Solche Zweifel haben aktuell viele Händler auf dem Parkett. Draußen, vor der Börse, gilt ein Teil-Lockdown. Drinnen, auf den Finanzcomputern der Händler, gibt es einen Rekord nach dem anderen - egal ob deutscher DAX oder amerikanischer Dow Jones Index.

Folker Hellmeyer von der Fondsgesellschaft Solvecon kann das erklären. Er sagt: An der Börse seien vor allem Großkonzerne notiert - und die machen viele Geschäfte mit China, wo es längst keinen Lockdown mehr gibt.

"Wir sehen, dass große Teile der Wirtschaft bereits richtig gut laufen", sagt Hellmeyer. Da sprudelten die Gewinne. "Das wird auch in der aktuellen Berichtssaison deutlich werden. Das ist auch und insbesondere der industrielle Sektor. Also von daher: Keine Überhitzung."

Anleger fürchten steigende Zinsen

Doch eine Sorge bleibt, gerade wenn es mit der Wirtschaft rund läuft. Dann könnten in ein paar Monaten die Preise kräftig steigen. Notenbanker könnten dann als Gegenmittel die Zinsen erhöhen. Und wenn es wieder Zinsen gibt, werden Aktien automatisch unattraktiver.

Das fürchtet auch der bekannte US-Finanzprofessor Jeremy Siegel. "Am Ende wird die Notenbank einschreiten müssen und sagen, wir haben ein bisschen zu viel Inflation", sagte Siegel dem US-Sender CNBC. "Jetzt aber bin ich noch nicht skeptisch, der Bullenmarkt läuft noch."

Der Bullenmarkt? Im Börsenjargon steht der Begriff für steigende Kurse. Aber die ersten Zweifel sind eben da: In einer Umfrage der Bank of America sind plötzlich steigende Zinsen das meistgefürchtete Szenario der Aktienanleger.

Drohende Blase bei jungen Tech-Firmen

Eine andere Sorge: Verdächtig viele hippe Tech-Start-ups aus den USA gelingt auf einmal der Sprung ans Parkett. Börsenhändler Roth findet dafür deutliche Worte: "Das ist definitiv eine Blase", sagt er. Das erinnere ein "bisschen an den Neuen Markt zur Jahrtausendwende, die in eine Technologie investieren, die erstmal nur eine Headline ist. Und irgendwann wird es dann heißen: Der Kaiser hat keine Kleider an."

Doch auch Roth sagt: Noch sind das nur kleine Börsenspieler. In den großen Indizes sind sie sowieso nicht drin. Ganz im Gegenteil: Hier könnten die Techgiganten wie Amazon und Co. ihre Stärken weiter ausspielen, meint Christian Kahler von der DZ-Bank. Den großen Technologiewerten - sei es Facebook, Google, Amazon - gehe erstaunlich gut. "Die sind vom Gewinnwachstum her solide unterwegs", sagt Kahler. "Das sind die Titel, die den Gesamtmarkt auch weiter antreiben sollten auf die nächsten Jahre."

Denn diese Werte stehen inzwischen für knapp 25 Prozent im amerikanischen Leitindex S&P 500. Wie es ihnen geht, gibt an den Börsen weltweit den Ton vor. Wie so vieles an der Börse kann man das als Chance sehen - oder als Risiko.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2021 um 17:23 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft".