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Mehr Überschuss als die EZB Milliardengewinn für Schweizer Nationalbank

Stand: 01.03.2021 16:05 Uhr

Die Schweizer Nationalbank verbuchte im vergangenen Jahr einen Gewinn von fast 21 Milliarden Franken. Das ist nicht mal halb so viel wie 2019, aber wesentlich mehr als das Plus der EZB. Was sind die Gründe?

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Das vergangene Jahr hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit einem Gewinn von 20,9 Milliarden Franken abgeschlossen. Das entspricht rund 19 Milliarden Euro. 2019 hatte die SNB insgesamt noch einen Gewinn von 48,9 Milliarden Franken ausgewiesen. An Bund und Kantone werden jetzt sechs Milliarden Franken ausgeschüttet - ein Drittel des Betrags geht an den Bund, zwei Drittel erhalten die Kantone.

Sicherheit hat Vorrang

Die Nationalbank verfolgt nach eigenen Angaben nicht das Ziel, den Gewinn zu maximieren. Vorrang habe die Geld- und Währungspolitik, deshalb seien Liquidität und Sicherheit der Anlagen wichtiger. Hinter dem Gewinn standen vor allem Bewertungsgewinne auf Devisen- und Goldbestände. Der Gewinn auf den Fremdwährungspositionen betrug 13,3 Milliarden Franken. Auf dem Goldbestand resultierte ein Bewertungsgewinn von 6,6 Milliarden. Der Gewinn auf den Frankenpositionen betrug 1,3 Milliarden, wie die SNB mitteilte.

Devisenbestände bedeuten geld- und währungspolitischen Handlungsspielraum. Wenn die SNB, etwa um den Schweizer Export zu stützen, einen billigen Franken wünscht, kann sie auf dem Devisenmarkt aktiv werden und durch Frankenverkäufe den Kurs drücken.

"Da die SNB seit Jahren genötigt ist, massiv am Devisenmarkt zu intervenieren, um den Anstieg des Franken zu verlangsamen, steigen die Devisenreserven in anderen Währungen", erklärt Martin Hochstein, Senior Investment Strategist bei Allianz Global Investors, gegenüber tagesschau.de. Die Reserven lägen auf der Bilanz und müssten angelegt werden, eben in Anleihen, Aktien oder in Gold. 

Aufgeblähte Bilanzsumme

Der größte Teil der Devisenreserven besteht laut SNB aus Staatsanleihen, Anleihen ausländischer Gebietskörperschaften und supranationaler Organisationen. Auch Unternehmensanleihen sind im Portfolio. 40 Prozent der Devisenreserven sind in Euro notiert, 36 Prozent in US-Dollar. Die Quote von als sicher geltenden Staatsanleihen beträgt 70 Prozent, der Aktienanteil liegt bei einem Fünftel.

Das Ergebnis der SNB ist deshalb abhängig von Wertschwankungen ihrer Hunderte Milliarden Franken schweren Devisenreserven, die sie für ihre Währungspolitik benötigt. Je nach Kursentwicklung steigen oder fallen die Überschüsse. Wie schwankungsanfällig das Ergebnis ist, zeigt ein Blick auf die vergangenen sechs Jahre. Die SNB verbuchte 2015 und 2018 sogar Verluste.

Die hohe Schwankungsbreite hängt laut Hochstein unter anderem auch damit zusammen, dass die SNB anders als die EZB ihre Anlagen in der Bilanz zu den jeweils aktuellen Marktpreisen bewertet.  

Seit der durch die Finanzkrise verursachten Turbulenzen an den Finanzmärkten kaufen die Notenbanken weltweit Anleihen und andere Anlageklassen, was zu aufgeblähten Bilanzen führt. Das Phänomen lässt sich auch bei der SNB beobachten. Im Jahr 2019 betrug die Bilanzsumme rund 861 Milliarden Franken. Im Jahr 2010 waren es noch rund 270 Milliarden.  

EZB verteilt ihre Gewinne

Auch die EZB macht Gewinne - wenn auch in kleinerem Maßstab. Der Jahresüberschuss betrug im Jahr 2020 rund 1,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Gewinn noch bei 2,4 Milliarden gelegen. Den Rückgang führte die Notenbank vor allem auf geringere Zinseinnahmen zurück, die sowohl Erträge aus Dollar-Papieren als auch aus Wertpapieren umfassen, die die Notenbank erwirbt. Die EZB kauft seit Jahren Staats- und Unternehmensanleihen im Kampf gegen niedrige Inflation und zur Unterstützung der Konjunktur.

Die EZB greife nicht direkt in den Devisenmarkt ein, um den Euro in eine gewünschte Richtung zu bewegen, stellt Hochstein fest. "Der Großteil der Anlagen der EZB ist in Euro notiert." Deshalb fallen Währungsgewinne oder -Verluste nicht so ins Gewicht wie bei den Schweizer Notenbank-Kollegen.

Allerdings ist handelt es sich bei dieser EZB-Bilanz gewissermaßen nur um die Zentralbank im engeren Sinne. Damit ist nicht das Eurosystem gemeint, das aus sämtlichen zusammengeschlossenen nationalen Zentralbanken besteht. Die nationalen Notenbanken legen jeweils eine eigene Bilanz vor. Insgesamt beträgt diese Bilanzsumme mehr als sieben Billionen Euro.

Der Finanzminister freut sich

Der Überschuss, den die EZB erwirtschaftet, wird an die nationalen Notenbanken verteilt, die auch die Anteilseigner sind. Auf die Bundesbank entfallen entsprechend ihres Anteils am eingezahlten Kapital an der EZB etwas mehr als 26 Prozent. Die Bundesbank überweist ihren Gewinn in der Regel zum größten Teil dem Bundesfinanzminister.

Die Bilanzsumme der EZB im engeren Sinne lag 2020 bei 569 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 waren es noch 457 Milliarden gewesen. Der Anstieg sei vor allem auf die Wertpapierankäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms und des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten zurückzuführen, wie die Notenbanker vor einigen Tagen mitteilten.