Kimbal Musk | picture alliance/AP Images

Umstrittener Tesla-Aktien-Deal Wer ist Kimbal Musk?

Stand: 10.11.2021 14:25 Uhr

Kimbal Musk hat just vor der Twitter-Umfrage seines Bruders Elon ein großes Tesla-Aktienpaket verkauft. Es ist nicht das erste Mal, dass das Familienmitglied für Irritationen sorgt.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Alles nur ein glücklicher Zufall? Einen Tag, bevor die Twitter-Umfrage seines großen Bruders Elon die Tesla-Aktie zum Einsturz brachte, hat Kimbal Musk im großen Stil Tesla-Anteilsscheine verkauft und damit binnen kürzester Zeit einen Gewinn von 108,8 Millionen Dollar eingefahren. Was viele nicht wissen: Kimbal Musk ist der fünftgrößte Aktionär der Firma seines Bruders und Tesla-Vorstandsmitglied.

In der fraglichen Umfrage ließ Tesla-Chef Elon Musk die Twitter-Nutzer darüber abstimmen, ob er zehn Prozent seiner Tesla-Aktien verkaufen solle. 58 Prozent waren dafür. Ob Kimbal Musk im Vorfeld etwas von den Plänen seines Bruders wusste und sich somit des Insiderhandels schuldig machte, ist unklar. Fakt ist: Er hätte sich kaum einen günstigeren Zeitpunkt zum Verkauf aussuchen können.

Die Aussicht auf ein größeres Angebot an Tesla-Aktien am Markt ließ das gehypte Papier seine Rekordjagd jäh abbrechen. Am Montag und Dienstag rauschte die Tesla-Aktie insgesamt 16 Prozent in die Tiefe - und schmälerte entsprechend das Vermögen von Elon Musk. Allein in dieser Woche hat der Tesla-Chef insgesamt 50 Milliarden Dollar verloren, ist laut dem Bloomberg Billionaires Index aktuell "nur" noch 323 Milliarden Dollar schwer.

Ein Vermögen, von dem nicht zuletzt auch sein kleinerer Bruder schlussendlich nur träumen kann. Kimbal Musk kommt mit einem Vermögen von geschätzten 950 Millionen Dollar gerade einmal auf einen kleinen Bruchteil dessen, was sein Bruder auf die Waagschale bringt.

"Exzessive Vergütung" für Musk und Murdoch?

Es ist derweil nicht das erste Mal, dass Kimbals Verstrickungen in die Geschäfte seines Bruders für Kritik sorgen. Auf der Tesla-Hauptversammlung im Oktober erhielten die bisherigen Direktoren des Verwaltungsrats, James Murdoch und Kimbal Musk, deutlich weniger Zustimmung als im Vorjahr. Sie wurden mit lediglich 70 respektive 80 Prozent wiedergewählt. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Kimbal Musk noch 98,8 Prozent der Stimmen erhalten.

Dem vorangegangen war eine hitzige Debatte über die - im Vergleich zu Unternehmen aus der gleichen Branche - "exzessive Vergütung" der Verwaltungsratsmitglieder, etwa in Form "großer Aktiengeschenke", welche die einflussreichen Berater von Institutional Shareholder Service (ISS) angestoßen hatten.

So verdienten die Brüder ihr erstes Geld

Auch wenn heute ein großer Vermögensunterschied zwischen Kimbal und Elon Musk klafft: Ihr erstes großes Geld verdienten die beiden Brüder gemeinsam. Mit einem Startkapital von 38.000 Dollar, das ihnen ihr Vater zur Verfügung stellte, bauten sie ZIP2 auf, einen Online-Stadtführer. Damals, in den 1990er Jahren, war das eine revolutionäre Idee.

1999 verkauften die Musk-Brüder ihre Firma an Compaq zum stolzen Preis von mehr als 300 Millionen Dollar - so viel wurde bis dato noch nie für ein Internet-Unternehmen gezahlt. Die Brüder investierten das Geld in neue Projekte: Elon in den PayPal-Vorgänger X.com und Tesla, Kimbal zudem in seine Ausbildung als Küchenchef.

Auch heute noch ist Kimbal eng in die Geschäfte seines Bruders eingebunden: So sitzt er nicht nur seit 2004 bei Tesla im Verwaltungsrat, sondern er hat auch eine leitende Position in Elons Raumfahrtunternehmen SpaceX inne.

Ab an den Herd!

Doch auch unabhängig von seinem Bruder war Kimbal Musk als Unternehmer in den vergangenen Jahrzehnten äußerst umtriebig, gründete Firmen wie The Kitchen, OneRiot und Square Roots. Mit The Kitchen hat Kimbal eine Restaurant-Kette geschaffen, die sich vor allem durch ihre enge Zusammenarbeit mit den Produzenten vor Ort und einer saisonalen Speisenauswahl auszeichnet.

Kimbal zufolge besteht die größte Chance der nachwachsenden Generation nämlich nicht in der Digitalisierung, sondern in gesunder, bewusster Ernährung und gutem Essen; eine Einschätzung, die sein Bruder und Technik-Freak Elon Musk kaum teilen dürfte.

Kimbal Musks Küchen-Revier sind dabei weniger die Metropolen an den Küsten, sondern das so genannte "Middle America" - ein Landstrich, der seiner Meinung nach in puncto Qualitätsessen noch einigen Aufholbedarf hat.

Gesunde Ernährung - mit Container und "Lern-Gärten"

Das Thema gesunde Ernährung steht auch bei Square Roots im Vordergrund. Kimbal Musk ist Mitgründer und Vorsitzender des Landwirtschaftsunternehmens, das Lebensmittel in überdachten, klimatisierten Containern anbaut. So soll frisches und regionales Essen in die Städte gebracht und jüngere Generationen zur Landwirtschaft animiert werden.

Square Roots Urban Growers | Square Roots Urban Growers

Square Roots will mithilfe der vertikalen Indoor-Landwirtschaftsmethode frisches Essen in die Städte bringen. Bild: Square Roots Urban Growers

Ein Ziel, das der Sohn einer Ernährungsspezialistin auch mit seiner Non-Profit-Organisation Big Green verfolgt. Das 2011 gestartete Projekt hat bereits über 200 "Lern-Gärten" auf Schulhöfen gestaltet, um den Schülern zu zeigen, wie sie Nahrungsmittel anbauen und sich gesünder ernähren können.

Für sein philanthropisches Engagement wurde Musk bereits mehrfach ausgezeichnet; so bekam er 2017 den Preis "Sozialer Unternehmer des Jahres" von der Charles Schwab Foundation, das Weltwirtschaftsforum ernannte ihn zum "Global Social Entrepreneur".

Was steckt hinter dem Musk-Aktien-Verkauf?

Apropos Philanthrop: Ob Kimbals Bruder Elon Musk zehn Prozent seiner Tesla-Aktien nun nur deshalb verkaufen wird, damit der reichste Mensch der Welt endlich auch ein paar Prozent seines Vermögens versteuert, ist fraglich.

Der Investor Michael Burry, der durch seine Vorhersage des Immobilien-Crashs in den USA zur Legende wurde, behauptet jedenfalls, dass Musk die Aktien ohnehin verkaufen wollte - um persönliche Schulden zu begleichen. Allerdings könnten auch bei diesem Tweet finanzielle Eigeninteressen eine gewisse Rolle spielen: Burry wettet in großem Stil auf fallende Tesla-Kurse.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. November 2021 um 20:50 Uhr.