Das Logo des Internationalen Währungsfonds (IWF) an dessen Hauptsitz in Washington. | dpa

Schulden, Inflation, Klimawandel Gefahren für die globale Finanzstabilität

Stand: 13.10.2021 09:29 Uhr

Corona hat die Verschuldung der Staaten weltweit anschwellen lassen, hinzu kommen steigende Inflationsraten. Und auch die Kosten des Klimawandels wirkten sich auf die weltweite Finanzstabilität aus, warnt der IWF.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Das Finanzsystem der Welt habe die Pandemie bisher gut überstanden, die meisten Risiken seien durch beherzte Finanzpolitik eingedämmt worden. So lautet die Einschätzung von Tobias Adrian, Cheffinanzvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF). Vor allem für Schwellen- und Entwicklungsländer seien massive finanzielle Hilfen des IWF entscheidend gewesen: "Diese Länder haben von weniger strengen finanziellen Bedingungen profitiert. Sie hatten während der gesamten Krise Zugang zum Kapitalmarkt", sagt Adrian.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Schulden und Inflation bereiten Sorge

Die andere Seite der Medaille, mit der jetzt umgegangen werden müsse, sei der steigende Schuldenberg. Der ist für die Staaten im vergangenen Jahr um 14 Prozent gestiegen und beträgt jetzt weltweit etwa 100 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Aber nicht nur Staaten sind betroffen. "Schulden bei Unternehmen, Schulden der Staaten - und in manchen Ländern sind auch die privaten Haushalte stärker verschuldet", so Adrian. Letzteres gelte vor allem dort, wo es zum Beispiel wenige staatliche Hilfen bei Arbeitslosigkeit gab. Das alles bremst die Erholung.

Die zweite Sorge des IWF für die Finanzstabilität ist Inflation. Ein erheblicher Teil, so Adrian, sei technisch zu erklären. Während der Pandemie seien die Preise vieler Waren zusammengebrochen. Die normalisierten sich, indem sie jetzt wieder ansteigen. Aber bei IWF sieht man doch mehr dahinter: "Manche Preisanstiege, insbesondere bei Rohstoffen, sind höher und dauerhafter, als wir das ursprünglich erwartet hatten", erklärt der IWF-Cheffinanzvolkswirt. Hinzu kommt die Störung von Lieferketten, die Engpässe bei vielen Produkten verursacht und die Preise steigen lässt.

Stabilitätsfaktoren:

Der IWF schaue aber für die langfristige Stabilität der Finanzmärkte auf mehr als nur auf die Folgen der Pandemie: Etwa der Markt für Kryptowährungen sei extrem schwankend und schaffe viel Unsicherheit. Hier brauche es mehr Verlässlichkeit und abgestimmte Politik, fordert Adrian: "Wir schauen uns das Ökosystem der Kryptowährungen genau an, um Regeln für Länder überall auf der Welt zu formulieren."

Darüber hinaus blickt der Währungsfonds seit mehreren Jahren intensiv auf die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels und die Bedrohungen, die er für das Finanzsystem der Welt langfristig haben kann. "Viele Länder werden schon jetzt Opfer von Klimakatastrophen", verweist Adrian auf aktuelle Entwicklungen.

Deshalb plädiert der IWF massiv dafür, mehr in grüne Industrie zu investieren; vor allem auch, den Schwellen- und Entwicklungsländern durch finanzielle Hilfen Zugang zu moderner Technologie zu verschaffen: Technologie, die das Klima schützt, die aber auch hilft, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Oktober 2021 um 10:35 Uhr.