Bundesbankpräsident Joachim Nagel | dpa

Bundesbank zur Inflation Nagel erwartet weiter steigende EZB-Zinsen

Stand: 18.09.2022 15:28 Uhr

Die beiden jüngsten Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank waren nach Einschätzung von Bundesbankpräsident Nagel nur der Anfang. Die hohe Inflation mache weitere Zinsanhebungen erforderlich - auch nach der nächsten EZB-Sitzung im Oktober.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat die Bundesbürger auf weiter steigende Zinsen im Euroraum eingestimmt. Seiner Einschätzung nach wird die Europäische Zentralbank den jüngst begonnenen Kurs einer Serie von Zinserhöhungen fortsetzen - auch nach der nächsten Sitzung des EZB-Rats im Oktober, bei der erneut ein deutlicher Zinsschritt erwartet wird. "Der Ausblick ist so, dass die Inflationsraten, so wie es aus heutiger Sicht ausschaut, noch weiter nach oben weisen", sagte Nagel in Frankfurt beim Tag der offenen Tür der Bundesbank in Frankfurt. Die Währungshüter müssten daher auf der Oktober-Sitzung und auch danach bis zum Jahresende hartnäckig bleiben. Die Zinsen gingen weiter nach oben. "Nicht nur im Oktober", fügte er hinzu.

Die Währungshüter machten mögliche Zinsschritte aber immer von der aktuellen Datenlage abhängig, betonte Nagel. Bereist gestern hatte er deutlich gemacht, dass die EZB noch weit von dem Zinsniveau entfernt sei, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde. Für ihn sei wichtig, dass es zu weiteren Anhebungen komme. "Da muss noch was passieren, da muss noch was nach oben gehen", so Nagel. Wenn das Inflationsbild so bleibe wie es jetzt ist, und das zeichne sich ab, "dann wird mit weiteren Zinsschritten zu rechnen sein".

Stärkste Zinserhöhung seit 2002

Die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist für den 27. Oktober geplant, die letzte Zinssitzung in diesem Jahr dann am 15. Dezember. Die EZB hatte im Kampf gegen die ausufernde Inflation im Juli die Zinswende eingeleitet und dabei die Schlüsselsätze erstmals seit 2011 nach oben gesetzt. Bei ihrem zweiten Zinsschritt vor gut einer Woche legte die EZB nach und zwar ungewöhnlich kräftig. Die Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte war die bislang stärkste Zinsanhebung seit Einführung des Euro-Bargelds 2002. Damit liegt der Leitzins inzwischen bei 1,25 Prozent und der sogenannte Einlagensatz bei 0,75 Prozent.

Die Inflationsrate war im August auf den neuen Rekordwert von 9,1 Prozent nach oben geschnellt. Sie ist damit mehr als vier mal so hoch wie das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent. "Wir in der Geldpolitik müssen auch hartnäckig bleiben", sagte Nagel. "Die Inflation hat immer eine soziale Dimension, deshalb ist sie auch so gefährlich", erklärte Nagel gestern. Sie sei gefährlich für die Wettbewerbsfähigkeit und die Wachstumsperspektiven. Eine schnelle Lösung könne aber nicht versprochen werden. Für Deutschland rechnet Nagel mit weiter steigenden Preisen: "Wir sehen bei der Bundesbank möglicherweise den Höhepunkt der Inflation im Dezember, zum Jahresende, möglicherweise dann auch mit Inflationsraten im zweistelligen Bereich." Das sei zuletzt im vierten Quartal 1951 der Fall gewesen. Das zeige die Dimension, mit der es die Notenbank zu tun habe.

Auch andere führende Mitglieder der Europäischen Zentralbank erwarten weitere Zinsschritte in den kommenden Monaten. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sagte gestern dem irischen Sender RTE, er gehe davon aus, dass auch in den kommenden Zinssitzungen der EZB in diesem und zu Beginn des nächsten Jahres die Phase noch nicht vorbei sei, in der die Zinssätze auf ein normales Niveau angehoben werden müssten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2022 um 18:00 Uhr.