Goldbarren werden gegossen

Gold auf Acht-Monats-Hoch Warum der Goldpreis gerade steigt

Stand: 17.02.2022 15:39 Uhr

Gold ist so teuer wie seit Juni 2021 nicht mehr. Doch es sind nicht nur die Ereignisse an der ukrainischen Grenze, welche die Anleger dazu bewegen, ihr Geld verstärkt in Gold zu investieren.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Inmitten der Ukraine-Krise hat der Goldpreis ein Acht-Monats-Hoch erreicht. Anleger an den Rohstoffmärkten zahlen bis zu 1898 Dollar für die Feinunze Gold und damit so viel wie seit Mitte Juni 2021 nicht mehr. Das gelbe Edelmetall befindet sich seit seinem August-Tief von 1680 Dollar in einem Aufwärtstrend, der sich unter hohen Schwankungen vollzog.

Geopolitik schürt Gold-Nachfrage

Beflügelt wurde die Gold-Nachfrage zuletzt durch die Ereignisse an der ukrainischen Grenze und der daraus resultierenden Kriegsangst der Anleger. Zwar gab es im Laufe der Woche von russischer Seite vermeintliche "Entspannungssignale". Doch weder das westliche Militärbündnis NATO noch die Bundesregierung wollten bislang bestätigen, dass Russland tatsächlich Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine abgezogen hat.

Mehr noch: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte davor, dass das russische Militär praktisch jederzeit ohne große Vorwarnzeit eine großangelegte Invasion der Ukraine starten könnte. Am Nachmittag forderte Russland gar den Abzug aller US-Soldaten aus Ost- und Mitteleuropa.

Nächstes Ziel 1900-Dollar-Marke?

Es ist in erster Linie diese unklare Nachrichtenlage rund um die Ukraine-Krise, welche zu einer "offenbar starken Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen führt", erklärt Commerzbank-Rohstoffexperte Daniel Briesemann. Das spiegele sich auch in entsprechenden ETF-Zuflüssen wider.

Dabei scheint es am Markt immer noch "eine gewisse Dynamik" zu geben, wie Craig Erlam, Marktanalyst beim Devisenbroker Oanda, unterstreicht. Die 1900-Dollar-Marke könne daher bald in Angriff genommen werden. "Das ist der nächste große Test für das gelbe Metall, und eine große Eskalation in der Ukraine könnte der Katalysator für eine solche Bewegung sein", so Erlam.

Fed weniger "falkenhaft"

Doch es ist nicht nur die geopolitische Ungewissheit, welche die Anleger an den internationalen Finanzmärkten raus aus risikoreichen Geldanlagen wie Aktien und rein in "sichere Häfen" wie Gold und Staatsanleihen treibt. Auch die neuesten Entwicklungen in punkto US-Zinswende geben dem gelben Edelmetall Auftrieb.

Zwar hielt das gestern veröffentlichte Protokoll der Sitzung der Federal Reserve (Fed) vom 26. Januar auf den ersten Blick nicht viel Neues parat. Doch offenbar seien die US-Notenbanker weniger "falkenhaft" als befürchtet, betonte die Credit Suisse. Diesen Eindruck nährte wenig später auch James Bullard, Chef der Notenbank von St. Louis, als er auf dem US-Fernsehsender CNBC seine jüngsten Aussagen pro Zinsanhebungen relativierte.

Doch kein großer Zinsschritt?

Zuletzt hatte es an den Märkten verstärkt Spekulationen gegeben, die Fed könnte die Zinswende im März mit einem Zinsschritt von 0,5 Prozentpunkten einleiten. Nach dem Fed-Protokoll ging die Zahl der Marktteilnehmer, die einen solchen großen Zinsschritt erwarten, merklich zurück. Laut dem Fed Watch Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit dafür nur noch bei 40,5 Prozent. 59,5 Prozent rechnen mit einer Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte.

Sinkende Zinsen machen eine Anlage in Gold attraktiver. Schließlich wirft das gelbe Edelmetall selbst keine Zinsen oder Dividenden ab. Relevant für den Goldpreis ist dabei der sogenannte Realzins, also der Nominalzins abzüglich der Inflationsrate. Sollten die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen nun ein Hoch ausbilden und wieder fallen, während die Inflation weiter hoch bliebe, wäre das ein optimales Szenario für Gold.

Starker Dollar als Belastungsfaktor

Sollte zusätzlich auch noch der Dollar fallen, käme dies einer "Booster-Option für Gold" gleich, betont denn auch Robert Retfheld, Marktexperte von Wellenreiter-Invest. Danach sehe es derzeit aber nicht aus. Tatsächlich hatte der US-Dollar zuletzt auf breiter Front zugelegt. Ein starker Dollar verteuert aber wiederum die in Dollar gehandelten Rohstoffe im Nicht-Dollar-Raum und dämpft so auch die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall.

Die übergeordneten Perspektiven für den Goldpreis - jenseits der Ukraine-Krise - sind somit keineswegs so glänzend, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Und auch der "Sichere Hafen"-Bonus könnte womöglich rasch schmelzen. Nicht umsonst gilt an den Finanzmärkten das Bonmot, wonach politische Börsen kurze Beine haben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2022 um 17:00 Uhr.