Euro-Scheine

Neues Rekordhoch Geldvermögen der Deutschen steigt erneut

Stand: 14.10.2021 18:18 Uhr

Trotz gelockerter Corona-Maßnahmen und wieder geweckter Konsumlust werden die Deutschen im Schnitt immer reicher. Das Geldvermögen springt auf ein Rekordhoch. Eine große Rolle spielt dabei der Aktienmarkt.

Obwohl die Corona-Einschränkungen gelockert wurden und die Menschen in Deutschland wieder Freude am Kaufen entwickeln, haben sie ihr Geld weiter zusammengehalten. Zugleich profitierten sie von gestiegenen Börsenkursen. Nachdem das Geldvermögen bereits in den ersten drei Monaten 2021 erstmals die Marke von sieben Billionen Euro geknackt hatte, kletterte es nun auf ein weiteres Rekordhoch.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank stieg das Vermögen der Privathaushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen im zweiten Quartal auf 7325 Milliarden Euro. Das seien 159 Milliarden Euro mehr als Ende März, teilte die Notenbank heute mit. Ökonomen rechnen mit einem weiteren Anstieg im Laufe des Jahres. Wie die gewaltige Summe verteilt ist, geht aus den Bundesbank-Daten allerdings nicht hervor.

Bargeld und Bankeinlagen immer noch am beliebtesten

Die schrittweise Lockerung der Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie kurbelte die Konsumlust der Verbraucher im zweiten Quartal an. Die Entwicklung der Sparquote - also der Höhe der Ersparnisse gemessen am Einkommen - zeigte dem Statistischen Bundesamtes zufolge zuletzt nach unten. Dennoch legten die Menschen weiter Geld auf die hohe Kante.

Bargeld und Bankeinlagen etwa auf Giro- und Tagesgeldkonten machten mit gut 2910 Milliarden Euro Ende Juni weiter den größten Posten aus. Im zweiten Quartal kamen rund 52 Milliarden Euro hinzu. Damit verdienen Sparer wegen der Zinsflaute zwar nichts und müssen mittlerweile sogar bei kleinen Beträgen oft draufzahlen, können aber bei Bedarf rasch auf ihr Geld zugreifen und haben kaum ein Risiko.

Deutsche trauen sich an die Börse

Gleichzeitig trauen sich die als eher risikoscheu geltenden Sparer in Deutschland aber auch zunehmend an den Aktienmarkt. "Liquide oder als risikoarm wahrgenommene Anlageformen erfreuen sich insgesamt noch immer großer Beliebtheit, aber das Kapitalmarktengagement der privaten Haushalte nimmt seit Jahren zu", so die Notenbank.

So kauften die privaten Haushalte im zweiten Quartal den Angaben zufolge Investmentfondsanteile für 24 Milliarden sowie Aktien für sieben Milliarden Euro. Bewertungsgewinne bei Aktien und Investmentfondsanteilen spielten laut Bundesbank eine große Rolle beim Zuwachs des Geldvermögens im zweiten Quartal.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Aktionäre nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) auf den höchsten Stand seit fast 20 Jahren geklettert. Demnach besaßen 12,35 Millionen Deutsche - und damit jeder Sechste - Anteilsscheine von Unternehmer oder Fonds, knapp 2,7 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Höher war die Zahl der Aktiensparer zuletzt 2001.

Bald acht Billionen Euro?

Etwas weniger Geld als in den Vorquartalen steckten die Privathaushalte zufolge in Versicherungen und andere Altersvorsorgeprodukte. Hier legten die Bestände um rund 20 Milliarden Euro auf etwa 2529 Milliarden Euro zu.

Die DZ Bank geht im laufenden Jahr von einem weiteren Anstieg des Geldvermögens aus. Zwar dürften die Menschen nach Einschätzung von DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel dank zunehmender Lockerung der Corona-Einschränkungen weniger sparen als 2020. Dennoch dürfte das Geldvermögen dank Wertzuwächsen bei Aktien, Fonds und Zertifikaten auf 7,6 Billionen Euro steigen, hieß es in einer im Sommer veröffentlichten Analyse des genossenschaftlichen Spitzeninstituts. Im kommenden Jahr sei mit einem weiteren Zuwachs auf dann knapp acht Billionen Euro zu rechnen.

Auch im zweiten Quartal nutzten die Menschen in Deutschland die niedrigen Zinsen, um sich Geld zu leihen. Abzüglich der Schulden stieg das Nettogeldvermögen gegenüber dem ersten Vierteljahr um rund 130 Milliarden Euro auf 5336 Milliarden Euro. Immobilien, die seit Jahren teils kräftige Wertsteigerungen verzeichnen, werden von den Daten nicht erfasst.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Oktober 2021 um 16:50 Uhr.